• vom 19.05.2014, 15:31 Uhr

Wein

Update: 01.08.2014, 00:58 Uhr

Weinjournal

Mostello – Nach dem Vorbild der Portweinreife




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Von Johann Werfring

  • Mostbaron Josef Farthofer und seine Partnerin Doris Hausberger, bisher vor allem durch erstklassige Edelbrände und reintönige Moste bekannt, haben nach zehn Jahren des Experimentierens in ihrer bei Amstetten gelegenen "Mostelleria" eine interessante Novität namens Mostello kreiert. Dabei handelt es sich um eine laut Weingesetz unter der etwas sperrigen Bezeichnung Obstdessertwein firmierende Komposition aus Birnenmost und Birnenbrand, die auf eine ganz spezielle Herstellungsweise zurückgeht.

Wer Birnenmost und Birnenbrand als gebiets-typische und hauseigene Produkte des Mostviertels zur Verfügung hat, kann mit einiger Fantasie, wie sie Josef Farthofer durchaus eigen ist, auf die naheliegende Idee kommen, daraus etwas Neues zu schaffen. Als Vorbilder sind ihm einerseits wohl der bekannte Mistella und andererseits Portwein vorgeschwebt.

Nach Versuchen mit einigen Birnensorten fiel schließlich die Wahl auf einen Verschnitt aus vier für das Mostviertel charakteristischen alten Birnensorten, die übrigens aus biologischem Landbau und von steilen Bergbauernwiesen bezogen werden. Wichtig ist dabei, dass die Birnen spätestens zwölf Stunden nach der Ernte gepresst werden, damit sie ihre Klarheit und Frische bewahren können.


Nachdem der Birnenmost die Gärung zum Großteil absolviert  hat, wird diese von Josef Farthofer durch die Zugabe hauseigenen Birnenbrands beendet und  der "Jungwein" in gebrauchte Barriques gefüllt. Diese bleiben dann nicht wie in Madeira oder am Douro in warmen Lagerhäusern, sondern werden vorerst im Freien den gebietsüblichen Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter ausgesetzt. Nach dieser ein Jahr dauernden Härteperiode kommen die Fässchen für weitere vier Jahre zur Lagerung bei konstanten 19,4 Grad Celsius in das denkmalgeschützte Presshaus aus dem Jahr 1874, das den schwungvollen Hausnamen "Mostelleria" trägt.

Mostviertler Aromenspiel

Verkostet werden konnten bisher die Jahrgänge 2006, 2007 und 2009, wobei die beiden ersten Varianten süß ausgebaut sind, die letztere hingegen trocken ist. Von diesen drei Jahrgängen überzeugt der 2006er durch sein feingliedriges Duftspiel nach Trockenfrüchten, zu denen sich alsbald die Waldhonig- und Kletzenbrot-Aromen gesellen, welche sozusagen Voralpen-Feeling verströmen. Alkoholgehalt und Restzucker entsprechen ungefähr jenen eines Vintage Port, sodass sich insgesamt ein harmonischer und delikater Aperitif oder Digestif ergibt.

Der Jahrgang 2007 wirkt bei geringerem Restzucker etwas runder und geschmeidiger, allerdings auch eine Spur oxidativer und milder in der Säure, sodass er eher in die Richtung Madeira oder Mistella tendiert. Ganz anders geartet ist hingegen der trockene 2009er, der in der Säure etwas weich erscheint und eher die eichigen und nussigen Töne in den Vordergrund rückt.

Alle Mostello-Varianten, deren Alkoholwerte zwischen 18,4 und 19,2 Prozent liegen, sollten gekühlt oder zumindest leicht gekühlt aus einem eher kleinen Glas (etwa aus einem Portweinglas) genossen werden.

Info:
Mostelleria, 3362 Öhling Nr. 35,Tel. 07475/53674, www.mostelleria.at
Bezugsquellen in Wien: Julius Meinl am Graben, Merkur Hoher Markt

Print-Artikel erschienen am 16. Mai 2014
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 32




Schlagwörter

Weinjournal, Wiener Journal, Wein, Most

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Dokument erstellt am 2014-05-19 14:32:49
Letzte nderung am 2014-08-01 00:58:31



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