• vom 19.11.2010, 07:00 Uhr

Wein

Update: 09.11.2014, 14:27 Uhr

Wein

Aromatische Mixturen mit Wein




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Von Johann Werfring

  • Es ist schon eine alte Tradition, den Rebensaft mithilfe anderer Substanzen zu aromatisieren. Wenngleich Puristen über solche Praktiken die Nase rümpfen, erfreuen sich Weinmischgetränke rund um den Globus großer Beliebtheit.

Als einer, der den Rebensaft in seiner puristischen Form zu schätzen gelernt hat, bevorzuge ich Weine, die ohne aufdringliche Fremdaromen auskommen. Indes hat sich zu meinem Leidwesen in den vergangenen Dezennien die globale Mode etabliert, bei der Weinbereitung mithilfe von Aromahefen oder durch übertriebenen Barrique-Einsatz Aromen hervorzurufen – etwa nach Pfirsich, Vanille, Kaffee, Kakao und Karamell –, die beträchtlich in die Nase steigen.

Schon gar nicht wäre ich bis vor kurzem auf die Idee gekommen, Weine ganz gezielt mit anderen aromatischen Flüssigkeiten oder sonstigen Substanzen zu vermengen. Eher durch Zufall bin ich in letzter Zeit mit Weinmixturen in Berührung gekommen. Und siehe da: In einigen Fällen fand ich sogar Gefallen an der Aromatisierung.


Zu Gast bei Freunden aus Südtirol wurde mir unlängst zu fortgeschrittener Stunde ein Parampampoli angeboten. Als ich hörte, dass hier Rotwein gemeinsam mit Kaffee im Spiel sei, verhielt ich mich zunächst ablehnend, weil ich auch rote Rebensäfte, die nach Lagerung in stark getoasteten Fässern einen Mokka-Geschmack zur Geltung bringen, ganz und gar nicht leiden kann. Nachdem ich aber kein Spielverderber sein wollte und der Geselligkeit halber mitmachte, war die Überraschung nicht gering, als mir die sonderbare Mischung tatsächlich mundete.

Bei Parampampoli handelt es sich um eine Spezialität aus dem Trentino, die dort auch auf Weihnachtsmärkten angeboten wird. Zwar gibt es dieses Mixgetränk auch vorproduziert im Handel zu kaufen, jedoch ist man in diversen Haushalten stolz auf eigene (freilich streng geheim gehaltene) Rezepturen. Grundbestandteile sind in jedem Fall Rotwein, Kaffee, Grappa und Karamellzucker. Die übrigen Aromate (vor allem Gewürze) variieren aber merklich. Beim Servieren gibt es ein bemerkenswertes Ritual: Zunächst muss man den Parampampoli am Herd erhitzen, hernach wird er angezündet und noch brennend in die originalen Parampampoli-Becher eingefüllt. Sodann wird er warm genossen. Ein wirklich empfehlenswertes Wintergetränk!

Eine weitere Weinaromatisierungsüberraschung erlebte ich bei einem Abendessen in der kürzlich rekonstruierten "villa urbana" im Archäologischen Park Carnuntum. Das unter dem Titel "Römische Gaumenfreuden" kredenzte Mahl wird seinem Motto in hohem Maße gerecht. Begleitet wird das Römeressen von Weinen, die nach altrömischer Methode aromatisiert sind. Besonders die römischen Rosenweine empfand ich als hinreißend. Bei deren Herstellung werden erstklassige Weine aus dem Weinbaugebiet Carnuntum einige Zeit mit Rosenblättern in Kontakt gebracht. Mittlerweile habe ich auch Experimente mit Rosenblättern beim Glühweinkochen gemacht. Die zarte Aromatisierung des Glühweins durch Rosenblätter empfinde ich bei weitem angenehmer als die "schreiende" Aromenanreicherung durch Zimtstangen und Gewürznelken.

Solcherart in Euphorie geraten, wollte ich überprüfen, ob nicht etwa auch die Weinmischungen aus fernen Jugendtagen ihre Reize hätten. So kam es, dass ich im mondänen Café Museum nahe dem Wiener Karlsplatz kürzlich ein "Cola Rot" orderte. Weil dort aber nur ein ganzes Fläschchen Coca Cola zu haben und der Wein bloß achterlweise im Angebot ist, kredenzte man mir beides mit einem zusätzlichen Glas, worin ich die Mixtur selber herstellen musste.

In diesem Fall war die Enttäuschung aber groß, denn die im Coca Cola enthaltene Riesenmenge an Zucker vergällte mir den Weingenuss. Jedoch wird die Mischung aus Coca Cola und Rotwein (hierzulande auch "Bonanza" und "Fezzi" genannt) rund um den Globus unter der Bezeichnung "Calimocho" (serviert mit reichlich Eis) überaus geschätzt. Und der Hamburger Fußballclub "FC St. Pauli" hat – allerdings mit dem etwas derben Produktnamen "Kalte Muschi" – sogar eine vorproduzierte "Cola Rot"-Mischung in Flaschen als offizielles Fangetränk herausgebracht.

Nichts für mich jedenfalls! Da schmeckte mir die – ebenfalls für diesen Artikel getestete – "patriotische Mischung" aus je 50 Prozent Weißwein und Almdudler ("Tiroler") schon erheblich besser . . .

Artikel erschienen am 19. November 2010
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37




Schlagwörter

Wein, Coca Cola, Almdudler

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-10-31 23:33:20
Letzte Änderung am 2014-11-09 14:27:08


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