• vom 05.01.2015, 09:45 Uhr

Wein

Update: 05.01.2015, 14:59 Uhr

Weinjournal

Weinland Südafrika: solide Rote, erstaunliche Weiße




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Von Johann Werfring

  • Die Weine Südafrikas sind hierzulande nach wie vor eine eher unbekannte Größe. Das "Wiener Journal" bat den soeben aus Südafrika zurückgekehrten Wiener Weinexperten Viktor Siegl zu einem Interview.

Weinberge in Stellenbosch, dem Zentrum des südafrikanischen Weinbaus. - © Horst Mondl

Weinberge in Stellenbosch, dem Zentrum des südafrikanischen Weinbaus. © Horst Mondl

Wiener Journal: Als langjähriger Kenner der südafrikanischen Weinszene haben Sie kürzlich erneut vor Ort recherchiert. Wie lassen sich die weinbaulichen Verhältnisse Südafrikas charakterisieren?

Viktor Siegl: Südafrika verfügt zirka über doppelt sie viel Rebfläche wie Österreich. Vor allem ist es dort die Vielfalt an Terroirs und Klimata, welche die Weinregionen kennzeichnen. Insofern sind in diesem Land die unterschiedlichsten Weincharaktere möglich – und auch vorhanden.


Wiener Journal: Zunächst zu den südafrikanischen Weißweinen: Welche Vorzüge haben sie und wie rangieren sie im internationalen Vergleich?

Der Wiener Weinexperte Viktor Siegl ist auch in punkto südafrikanische Weine überaus kundig.

Der Wiener Weinexperte Viktor Siegl ist auch in punkto südafrikanische Weine überaus kundig.© Johann Werfring Der Wiener Weinexperte Viktor Siegl ist auch in punkto südafrikanische Weine überaus kundig.© Johann Werfring

Viktor Siegl: Auf meiner jüngsten Weinreise nach Südafrika haben mich vor allem die durchwegs sehr guten bis ausgezeichneten Sauvignon Blancs überrascht. Der südafrikanische Sauvignon Blanc weist so gut wie immer intensive, klare Fruchtaromen und einen guten Extraktgehalt auf. Vom Typ her liegt er gleichsam in der Mitte zwischen den steirischen Gewächsen und seiner Urheimat an der Loire, während vorlaute, parfümierte Aromen, wie wir sie zuweilen von den neuseeländischen Sauvignons kennen, eigentlich nie vorkommen. Ebenso beeindruckt war ich von der südafrikanischen Leitsorte Chenin Blanc, die sowohl reinsortig als auch im Blend mit Chardonnay oder Sémillon, der übrigens auch für den vorgenannten Sauvignon üblich ist, ebenso erfrischend-rassige wie dichte Tropfen hervorbringt. Der Chardonnay wird zumeist mit etwas Eichenabrundung versehen, wenn auch markante, "ungeholzte" Exemplare anzutreffen sind. Vielfach basieren Premiumweine auch auf Cuvées aus weißen Rebsorten, wobei zu den eben erwähnten dann die südfranzösischen Rebsorten Viognier oder Roussanne, fallweise auch Sémillon, Traminer und diverse Muskat-Spielarten, hinzukommen.

Wiener Journal: Was ausländische Weine anbelangt, so sind ja die Österreicher vor allem an roten Gewächsen interessiert. Wie sieht es in diesem Segment mit dem Potential der einzelnen Sorten in Südafrika aus?

Viktor Siegl: In dieser Hinsicht sind die Rollen recht klar verteilt. An der Spitze stehen sicherlich ausgereifte und definierte Bordeaux-Blends, die immer Cabernet Sauvignon und Merlot, manchmal auch Cabernet Franc, Petit Verdot und Malbec enthalten. In der reinsortigen Ausprägung ist der Cabernet dem Merlot zumeist überlegen, weil er einfach mehr Strahlkraft und Punch besitzt. Sehr schöne Resultate liefert auch der reinsortige Shiraz, der wegen seiner Fülle und feurigen Art eher den australischen als den südfranzösischen Cousins ähnelt. Mit dem Pinotage, einer Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsaut, verhält es sich ein bisschen wie mit einer "Mogelpackung", denn man weiß nie genau, was einen wirklich erwartet. Am besten haben mir die eher leichten, fruchtbetonten Repräsentanten gefallen, die noch ein bisschen an Pinot Noir erinnern. Apropos Pinot Noir: Hier zeichnet sich ein Trend zu weiteren Auspflanzungen in den kühleren, küstennahen Anbaugebieten ab, wo wirklich klassische  Pinot-Charaktere erzielt werden können, wie Hamilton Russell oder Newton Johnson als Spezialisten von der Walker Bay eindrucksvoll bewiesen haben.

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Dokument erstellt am 2015-01-05 09:47:09
Letzte Änderung am 2015-01-05 14:59:17


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