• vom 29.01.2015, 16:00 Uhr

Wein

Update: 29.10.2018, 02:54 Uhr

Weinjournal

Schlummerndes Potenzial




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Von Johann Werfring

  • Der österreichische Süßwein könnte einen erheblichen Beitrag zum Image des heimischen Rebensaftes leisten, jedoch harrt er seit seinem Niedergang im Zuge des Glykolweinskandals nach wie vor der Wiederentdeckung.

Herrliche Prädikatsweine gibt es hierzulande in verschiedenen Regionen und in unterschiedlichen Preisklassen. - © Johann Werfring

Herrliche Prädikatsweine gibt es hierzulande in verschiedenen Regionen und in unterschiedlichen Preisklassen. © Johann Werfring

Dass der Süßwein in Österreich seit Jahrzehnten ein Mauerblümchendasein führt, ist ein ganz und gar merkwürdiges Phänomen. Nachdem der austriakische Prädikatswein, wie der Süßwein auch genannt wird, infolge des Glykolweinskandals des Jahres 1985 international in Verruf gekommen war, interessierte sich auch in Österreich kaum noch jemand für die gülden schimmernden Kreszenzen.

Nach dem Skandal war lange Zeit der Illmitzer Winzer Alois Kracher der einzige Platzhirsch weit und breit. Er hatte sich mit seinen edelsüßen Tröpfchen sogar im Ausland einen Namen gemacht, weshalb man ihm auch im Inland hohen Respekt zollte. Zu seinem Begräbnis im Herbst 2007 waren mehr als 1000 Menschen angereist, darunter auch allerlei Prominente, ja sogar der österreichische Bundeskanzler (ein bekennender Weingenießer) erwies ihm die letzte Ehre. Alois Krachers Sohn Gerhard, der in jungen Jahren die Betriebsführerschaft übernahm, konnte die Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Prädikatsweine behaupten. An der Spitze gesellte sich sodann noch Hans Tschida hinzu, auch ein Illmitzer Winzer, der ebenfalls international beachtlich reüssieren konnte.


Insider wissen, dass es noch eine Reihe von weiteren herausragenden burgenländischen Süßweinerzeugern gibt, etwa die Weingüter Kollwentz (Großhöflein), aus Rust Feiler-Artinger, Ernst Triebaumer und Heidi Schröck, Gerhard Nekowitsch (Illmitz) oder Martin Pasler (Jois). Die Qualität von niederösterreichischen Spitzenprädikatsweinen steht jenen aus dem östlichsten Bundesland jedoch um nichts nach. Die Weingüter Knoll (Unterloiben), Jurtschitsch und Bründlmayer (Langenlois), Sepp Moser (Rohrendorf), Undhof Salomon (Krems) sowie Proidl (Senftenberg) brachten erlesene Süßweine hervor. Aber auch im Weinviertel sind etwa mit Weinrieder (Kleinhadersdorf) oder Roland Minkowitsch (Mannersdorf an der March) Prädikatsweinkapazunder zu orten. Auch die Steirer verstehen sich mit schöner Regelmäßigkeit auf das Keltern herrlicher Prädikate, etwa Stefan Potzinger (Gabersdorf), der zuletzt mit einem süßen Traminer des Jahrgangs 2011 zu überzeugen vermochte. Schließlich hat sich auch am Wagram eine Reihe von Winzern mit Eisweinen einen Namen gemacht.

Die große Masse der österreichischen Weinfreunde indes hat in den vergangenen Dezennien kaum davon Notiz genommen, dass es hierzulande ein immenses Prädikatswein-Potenzial gibt. Bei den großen Weinverkostungen bekommt kaum jemand die Gelegenheit, Süßweine zu probieren, weshalb auch überhaupt keine positive Stimmung für den Süßwein aufkommen kann. Einzig und allein die österreichische Salonweinkost bietet alljährlich eine kleine Auswahl an Prädikatsweinen. Bei der Salonweinverkostung im Badener Spielcasino habe ich mehrfach observiert, dass vor allem junge Menschen für Spätlesen, Auslesen, Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und sonstige Prädikate eine große Begeisterung aufbringen. Jedoch ist diese eine Gelegenheit mit Sicherheit nicht ausreichend, um hierzulande nachhaltig eine Euphorie zu evozieren.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-01-29 15:20:01
Letzte Änderung am 2018-10-29 02:54:24


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