• vom 30.01.2015, 00:00 Uhr

Wein

Update: 30.03.2016, 02:12 Uhr

Weinjournal

DAC als Sprungbrett genützt




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Von Johann Werfring

  • Das Poysdorfer Familienweingut Hirtl ist im Zuge der Einführung der Weinviertel-DAC-Appellation vom Sektwein-Lieferanten zu einem der herausragenden Betriebe des größten österreichischen Weinbaugebiets aufgestiegen.

Der Autor im Gespräch mit Martin Hirtl (r.) und Andrea Hirtl im Verkostungsstüberl. 
 - © Viktoria Antrey

Der Autor im Gespräch mit Martin Hirtl (r.) und Andrea Hirtl im Verkostungsstüberl.

© Viktoria Antrey

Nachdem ich die herrlichen Gewächse des Weinguts Hirtl auf Wiener Events schon mehrfach mit Vergnügen verkostet hatte, beschloss ich, mir vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Die Einfahrt zum Weinhof ist nach wie vor mit den alten Steinen von anno dazumal gepflastert, das heimelige Verkostungsstüberl befindet sich im ehemaligen Wirtschaftstrakt der einst gemischt geführten Landwirtschaft. Andrea Hirtl, die von einem anderen Weinbaugebiet, namentlich vom Wagram, der Liebe halber nach Poysdorf übersiedelt ist, empfängt mich recht herzlich; sympathischerweise gesellt sich der Winzer in Arbeitskluft hinzu.Exquisite FarbtupferIm Jahr 2001 haben Martin und Andrea Hirtl mit ihrer Betriebsübernahme völlig neue Wege beschritten. Hatte man sich im Hause Hirtl bis dahin noch mit Bereitstellung von Gebindewein zur Sektproduktion begnügt, sollte fortan kontinuierlich der Qualitätsweinbau forciert werden. Als im Jahr 2003 im Weinviertel die erste DAC-Appellation Österreichs ins Leben gerufen wurde, waren die Hirtls sogleich mit von der Partie. "Der Weinviertel DAC war für unseren Betrieb ein wichtiges Sprungbrett", sagt Martin Hirtl, der sich mittlerweile über eine erkleckliche Anzahl von Prämierungserfolgen freuen darf. Im Jahr 2003 erzeugte Hirtl einen Weinviertel DAC. Heute sind es bereits vier Lagenweine und ein Reservewein, die unter dem Label Weinviertel DAC firmieren. Die besondere Stärke des Weinguts sind die Lagenweine. Davon später mehr.Das Sortiment ist überhaupt recht umfänglich und umfasst neben den erwähnten gebietstypischen Grünen Veltlinern mehrere Weiß- sowie Rotweinsorten. In geeigneten Jahren gibt es – gewissermaßen als exquisite Farbtupfer – auch Prädikatsweine. Im Einstiegssegment sind zwei Weißweine um 5,50  Euro vorhanden: Der 2014er "Grüner Veltliner Classic" ist ein würzig-süffiger Sortenvertreter, der den (vorschnell verschrienen) Jahrgang in gutem Licht erscheinen lässt. Weil den Hirtl-Weinen stets ausreichend Zeit zum Reifen gegönnt wird, ist dieses Tröpfchen derzeit noch nicht vorrätig; ich konnte es vorab im Rahmen der Degustation als Fassprobe genießen. Der preisgünstige 2013er Welschriesling macht deutlich, dass trinkfreudige Weinviertler Rebensäfte, die sich als herrliche Speisenbegleiter eignen, nicht ausschließlich aus Grünem Veltliner gekeltert werden.

weinflasche 30 jän

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Elegante Spielart

Nun zu den bereits erwähnten Lagenweinen: Als Höhepunkt des gesamten Sortiments habe ich den Weinviertel DAC Bürsting 2013 erlebt, der mit 7,50  Euro einen Wein mit wahrhaft beeindruckendem Preis-Wert-Verhältnis repräsentiert. Ich erachte die Poysdorfer Riede Bürsting als eine der interessantesten Weinviertler Weinbergslagen. Die Reben stehen auf tiefgründigen Löss- und Sandböden, die von einem leichten Kalkanteil durchzogen sind. Die von Hirtl gewählte Ausbauweise ist goldrichtig: Der gelbfruchtig geprägte Wein hat 12,7 Prozent Alkohol, er wirkt substanz- und extraktreich, mineralisch, fleischig, wohlstrukturiert und vergnüglich. Vital und mit einem feinen Pfefferl unterlegt, strömt er elegant dem anhaltenden Finale entgegen.Bemerkenswerterweise werden von anderen Verkostern andere Hirtl’sche Lagen-Grüne-Veltliner favorisiert: Otto Haberhauer vom Vinaria-Verlag bescheinigt dem Weinviertel DAC Kirchberg 2013 (6,50 Euro) hohes Potenzial (er repräsentiert die eher druckvolle und würzigere Spielart des Poysdorfer Grünen Veltliner) und Peter Moser vom Falstaff-Verlag erachtet den Weinviertel DAC Waldberg 2013, der sich entsprechend der kühleren Lage um einiges geradliniger, aber durchaus komplex präsentiert, als herausragenden Lagenwein im Hirtl-Sortiment (7 Euro). Hinsichtlich des vierten Lagenweins der Sorte Grüner Veltliner (Weinviertel DAC Franz) müssen sich Hirtl-Fans noch etwas gedulden, zumal der 2013er bereits ausverkauft und der 2014er noch nicht gefüllt ist.Für Freunde voluminöserer Weißweine gibt es den Weinviertel DAC Reserve, welcher derzeit von den Jahrgängen 2011 und 2012 im Angebot ist (je 12,50  Euro), den Weißburgunder Exklusiv 2013 (6,50 Euro) sowie den Chardonnay Selection 2012 (12 Euro), der sich gut als Speisebegleiter zu Gerichten mit sämigen Saucen oder kräftigen Geschmackskomponenten eignet. Wer Ausgefallenes sucht, kann mit dem lieblichen Chardonnay Soleil 2012 eine recht angenehme Geschmacksüberraschung erleben (10 Euro).Auch im Rotweinbereich hat Hirtl Gewächse für unterschiedliche Geschmäcker im Sortiment. Ausgesprochen sortenfruchtig und samtig präsentiert sich der im Stahltank geschulte Blauburger Exklusiv 2012 (6,50  Euro), während der im Stahltank sowie im großen Holzfass ausgebaute Zweigelt Exklusiv für einen 2013er Sortenvertreter schon recht dicht und voluminös in Erscheinung tritt (6,50 Euo). Wer herzhafte, warmfruchtige und hochreife Cuvées zu schätzen weiß, wird mit dem 2009er "One in Red" eine Freude haben (12  Euro). Er wurde 16 Monate in neuen Barriques ausgebaut, bringt Mokka- sowie Schokoladennoten zur Geltung und strotzt nur so vor Kraft.Alles in allem kann den Hirtl-Weinen in allen Qualitätssegmenten ein besonders gutes Preis-Wert-Verhältnis bescheinigt werden. Sein Meisterstück hat der Winzer zweifelsohne mit dem 2013er Weinviertel DAC Bürsting ins Werk gesetzt.

Print-Artikel erschienen am 30. Jänner 2015
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34–35

Information

Weingut Hirtl
2170 Poysdorf, Brunngasse 72
Tel. 02552/2182
www.weingut-hirtl.at
Bezug von Hirtl-Weinen in Wien:
Vinoe – Die Niederösterreich Vinothek
1080 Wien, Piaristeng. 35, www.vinoe.at





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-01-29 15:34:18
Letzte Änderung am 2016-03-30 02:12:56


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