• vom 25.03.2015, 15:40 Uhr

Wein

Update: 06.02.2016, 20:51 Uhr

Weinjournal

Wirtshaus mit Weingespür




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Von Johann Werfring

  • Das neue Lokal der Familie Figlmüller im Regensburger Hof am Lugeck verfügt über die ungewöhnlichste Wirtshaus-Weinkarte der Bundeshauptstadt.

- © Luiza Puiu

© Luiza Puiu

Nachdem ich nun schon etliche Male das neue Figlmüller-Wirtshaus am Lugeck frequentiert habe, kann ich berichten, dass der erste, sehr positive Eindruck bislang ein bleibender ist. Mit dem Regensburger Hof haben sich die Figlmüllers eine außerordentlich geschichtsträchtige Wiener Stätte ausgesucht. Man hat das Gefühl, dass eine Familie, die (ebenso wie etwa Fuhrgassl-Huber oder Wieninger) mit einem ganz und gar urwienerisch klingenden Namen gesegnet ist, genau hierher passt.

Während sich drüben, im Durchgang, wo die großen Figlmüller-Schnitzel serviert werden, die Touristen tummeln, hat man den Eindruck, dass hier am Lugeck bevorzugt die Wiener angesprochen werden. Nach kurzer Zeit schon wird das Lokal derart gut frequentiert, dass man zu Mittag und am Abend ohne Reservierung keinen Tisch ergattern kann. Am mittleren Nachmittag sieht es in dieser Hinsicht durchaus besser aus, wenngleich auch zu dieser Zeit eine gute Auslastung gegeben ist.

Fiona Figlmüller hat das Weinsortiment für das Lugeck ausgetüftelt.

Fiona Figlmüller hat das Weinsortiment für das Lugeck ausgetüftelt.© Luiza Puiu Fiona Figlmüller hat das Weinsortiment für das Lugeck ausgetüftelt.© Luiza Puiu

Ein Blick in die Weinkarte sorgt für Überraschung: Bei den angebotenen Gewächsen handelt es sich fast ausschließlich um Formate, die nicht dem Mainstream folgen und größtenteils von Kennern geschätzt werden. Vor allem handelt es sich um Weine, die unter minimaler vinifikatorischer Einwirkung produziert wurden; teils sind es hochstehende Bioweine, teils solche, die mitunter als "Natural Wines" angesprochen werden. Unter den Produzenten finden sich etwa Peter Veyder-Malberg (Wachau), Sepp Muster (Südsteiermark), Uwe Schiefer (Südburgenland), Christian Tschida (Illmitz/Neusiedler See), Sepp Moser (Kremstal), Gerhard Pittnauer (Gols) oder Roxanich (Istrien).

Viele Bouteillen sind im Segment zwischen 25 und 35 Euro positioniert. Exquisitestes Tröpfchen mit einem Bouteillen-Preis von 59 Euro ist der 2012er "Lysegrön No. 1" von Strohmeier (Weststeiermark), ein im großen Holzfass ausgebauter Weißburgunder, der viele Facetten zeigt – ein Wein, mit dem man sich gern und ausgiebig befassen möchte. Zuständig für das Weinprogramm (nicht nur am Lugeck, sondern auch in den anderen Figlmüller-Betrieben) ist Fiona Figlmüller, Ehefrau von Thomas Figlmüller, die seit ihrer Einheirat in die Gastronomen-Familie ihre Profession vom psychologischen ins önophile Fach verlegt hat.

Mineralisches Gepräge

Unter der Bezeichnung "Fiona Figlmüller Wines" zeichnet sie neuerdings für eigene Weine verantwortlich, die sie im Zusammenwirken mit Topwinzern kreiert. Der gemeinsam mit Fritz Wieninger (Wien) nach ihren Vorstellungen erzeugte "Rosé Viennois 2013" ist bereits vergriffen, der aktuelle 2014er noch nicht abgefüllt. Zusammen mit Armin Tement vom Weingut Tement (Südsteiermark) hat sie den "Fumé Blanc Calcaire 2013" vinifiziert. Die Trauben dieses Sauvignon Blanc stammen aus der Lage Ciringa, dem slowenischen Teil der bekannten Lage Zieregg, deren anderer Teil in der Südsteiermark liegt. Der Namenszusatz "Calcaire" betont die Bodenbeschaffenheit und bedeutet "Kalk". Im großen Holzfass ausgebaut und unfiltriert abgefüllt, vermittelt dieser Wein nebst mineralischem Gepräge die typische Sortenfrucht, die indes als keineswegs schreiend, sondern zurückhaltend und elegant wahrzunehmen ist. In seiner leichtfüßigen (12,5 Prozent Alk.) und zugleich anspruchsvollen Art eignet er sich als Speisebegleiter zu einer ganzen Palette an Gerichten, unter anderem passt er bestens zum Wiener Schnitzel, wie ich vor Ort ausprobiert habe.

Auch offen werden je drei Weiß- und Rotweine sowie ein Schilchersekt auf anspruchsvollem Niveau offeriert. Freunde des Gerstensafts können aus einer ansehnlichen Liste ihre Auswahl treffen, ebenso kommen Liebhaber von Hochprozentigem nicht zu kurz. Wer alkoholfreie Getränke bevorzugt, kann unter anderem die hauseigenen Figlmüller-Kracherln, etwa mit Wiesenheu-Geschmack, probieren.

Information

Lugeck
1010 Wien, Lugeck 4
T. 01/512 50 60
www.lugeck.com



Das Speisenangebot fokussiert (im durchwegs leistbaren Bereich) zu einem Gutteil auf Alt-Wiener Klassiker wie Tafelspitz, glacierte Leber, Blunzn oder Krautfleckerln. Besonders hervorzuheben ist das Wiener Schnitzel vom Kalb, das in solch exquisiter Qualität kaum woanders in Wien zu haben ist. Auch das Kalbsbutterschnitzel mit Erdäpfelpüree mundete vorzüglich. Etwas gehoben, aber durchaus angemessen sind die Preise für Grillgerichte; besonders empfehlenswert ist der aus der Buckligen Welt stammende Schweinsrücken. Ansonsten gibt es etliche modernistisch anmutende Posten wie "Wirtshaus Burger" oder "Lugeck Feuerflecken" (eine Art wienerische Pizza). Das dekorativ in Großlaibform auf einer Stellage präsentierte Sauerteigbrot wird bei Interesse auch außer Haus verkauft.

Alles in allem ist das neue Figlmüller-Lokal, das vom Speisenangebot ebenso wie vom Interieur her betrachtet sowohl alte wie auch innovative Wirtshaus-Elemente vereint, eine sehr angenehme Bereicherung der Gastronomieszene der Wiener Innenstadt. Das Service ist aufmerksam und zuvorkommend. Was schließlich noch als positiv zu vermerken ist: Im Vergleich zu manch anderen Lokalen dieses Stadtteils geht es hier keineswegs affektiert zu – es ist zu wünschen, dass das so bleibt.


Print-Artikel erschienen am 20. März 2015,
in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 32 –33




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-03-25 15:11:25
Letzte Änderung am 2016-02-06 20:51:55


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