• vom 17.04.2015, 15:46 Uhr

Wein

Update: 26.04.2015, 20:25 Uhr

Weinjournal

Fahnenschwingerwein für Franziskus




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Von Johann Werfring

  • Das alte Brauchtum des Fahnenschwingens und der Wein bilden in Neckenmarkt eine unzertrennliche Einheit. Solcherart präsentierte sich der mittelburgenländische  Weinbauort kürzlich auch am Petersplatz in Rom.

Papst Franzsikus mit den Neckenmarkter Fahnenschwinger-Burschen und Blasmusikanten.

Papst Franzsikus mit den Neckenmarkter Fahnenschwinger-Burschen und Blasmusikanten.© Gemeinde Neckenmarkt Papst Franzsikus mit den Neckenmarkter Fahnenschwinger-Burschen und Blasmusikanten.© Gemeinde Neckenmarkt

Ihre Wallfahrt nach Rom hatten die Neckenmarkter sorgsam vorbereitet. Mit von der Partie waren die Fahnenschwinger sowie die örtliche Blasmusikkapelle. Im Gepäck hatte die beherzte Truppe aus dem Blaufränkischland auch etliche Flaschen Wein, die man dem Papst verehren wollte. Organisiert wurde das Zusammentreffen mit Papst Franziskus vom burgenländischen Diözesanbischof Ägidius Zsifkovits und Neckenmarkts Ortspfarrer Franz Brei, der es nach seiner Teilnahme am Grand Prix der Volksmusik im Jahr 2009 als "Pfarrer mit der goldenen Kehle" zu überregionaler Berühmtheit brachte.

Beim Zusammentreffen mit dem Papst am Petersplatz ließ die Blasmusikkapelle die Fuchsgraben-Polka erschallen, die unzählige Male auch schon bei der örtlichen Weinkost als heimliche Hymne der Neckenmarkter Winzer erklungen ist. Am Gabentisch für den Papst platzierten die Neckenmarkter die Symbole des Christentums: Brot und Wein. Das Brot war in Neckenmarkt nach alter Bauernart hergestellt worden, und beim Wein handelte es sich selbstverständlich um einen Blaufränkischen. Wie das Etikett des Fahnenschwingerweins offenbart, wurde anlässlich des Papstbesuchs eine Sonderfüllung gemacht.


© Gemeinde Neckenmarkt © Gemeinde Neckenmarkt

Im Rahmen der Generalaudienz bei Papst Franziskus wurde auch – wie das schon bei vielen Weinveranstaltungen der Fall gewesen ist – zu Trommelwirbel die Fahne geschwungen. Zur Erinnerung an das für die Neckenmarkter höchst denkwürdige Ereignis signierte der Papst einen mitgebrachten Fahnenschwinger aus Keramik. Er nimmt nun in der Pfarrkirche einen Ehrenplatz ein.


Der Brauch des Fahnenschwingens, der in Neckenmarkt vor allem am Sonntag nach Fronleichnam und als Auftakt zu den Weintagen praktiziert wird, geht auf das frühe 17. Jahrhundert zurück, als sich die Neckenmarkter bei einer kriegerischen Auseinandersetzung als beherzte Kämpfer erwiesen hatten.

Papst Franziskus und der "singende Pfarrer" Franz Brei beim Signieren der Fahnenschwinger-Keramik.

Papst Franziskus und der "singende Pfarrer" Franz Brei beim Signieren der Fahnenschwinger-Keramik.© Gemeinde Neckenmarkt Papst Franziskus und der "singende Pfarrer" Franz Brei beim Signieren der Fahnenschwinger-Keramik.© Gemeinde Neckenmarkt

Neckenmarkt gehörte damals zur Herrschaft Esterházy, und der nächst gelegene Adelssitz befand sich im unweit entfernten Ort Lackenbach. Als sich im Jahr 1620 der siebenbürgische Fürst Gábor Bethlen in aufständischer Weise mit den Türken gegen den österreichischen Kaiser verbündet hatte, kam es im Zuge der Kampfhandlungen auch zur Belagerung des Schlosses Lackenbach.

Nachdem die Neckenmarkter Bauern Kunde erhalten hatten, dass ihr Grundherr von den Aufständischen in arge Bedrängnis versetzt worden war, ergriffen sie ihre Bauernwaffen und eilten den Belagerten zu Hilfe. Nach dem Sieg belohnte Fürst Nikolaus Esterházy seine getreuen Neckenmarkter in großzügiger Weise. Neben allerlei Grundschenkungen erhielten diese eine prächtige Fahne übertragen, die seither bei speziellen Anlässen von den Burschen geschwungen wird. Längst ist der Fahnenschwinger zum Wahrzeichen des Ortes geworden; er ziert nicht wenige Neckenmarkter Weinetiketten.

Print-Artikel erschienen am 17. April 2015
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 28–29




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Dokument erstellt am 2015-04-17 15:47:05
Letzte Änderung am 2015-04-26 20:25:28


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