• vom 15.05.2015, 20:15 Uhr

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Update: 18.05.2015, 00:51 Uhr

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Von Johann Werfring

  • Nach den österreichischen Weinbaupionieren Josef Jamek, Anton Kollwentz und F.X. Pichler hat nun Karl Fritsch aus Oberstockstall im Weinbaugebiet Wagram die "Vinaria Trophy" für sein "Lebenswerk" erhalten.

Wurde ausgezeichnet: Karl Fritsch aus Oberstockstall. - © Weinberghof Fritsch

Wurde ausgezeichnet: Karl Fritsch aus Oberstockstall. © Weinberghof Fritsch

Alljährlich ehrt die österreichische Fachzeitschrift "Vinaria", die unter den österreichischen Wein-Periodika für die strengsten Wein-Bewertungen bekannt ist, die Sieger des Trophy-Bewerbs nach Sorten-Kategorien. Zu diesem Anlass war im edlen Ambiente des Palais Niederösterreich in der Wiener Innenstadt die Elite der österreichischen Weinbauszene aufmarschiert. Als Höhepunkt des Bewerbs wurde heuer Karl Fritsch aus Oberstockstall für sein "Lebenswerk" ausgezeichnet.

Geboren wurde Karl Fritsch im Jahr 1940 in Wien. Als seine Heimatstadt 1945 bombardiert wurde, kam er fünfjährig zu Verwandten nach Oberstockstall und lernte dort das Landleben zu schätzen. So kam es, dass er dort als 14-Jähriger in der Landwirtschaft zu arbeiten begann und einen kleinen Betrieb aufbaute. In den Anfängen wirtschaftete er mit Ackerbau und Viehzüchtung, aber schon bald keimte auch die Liebe zum Wein auf. Schlüsselerlebnis war ein für ihn faszinierender Vortrag von Lenz Moser, den er im Kremser Brauhofsaal gehört hatte. Nach ersten weinbaulichen Gehversuchen begann er sich in den 1960er Jahren ernsthaft mit der Weinwirtschaft auseinanderzusetzen.


Bereits Mitte der 1960er Jahre, als ringsum alle noch auf Quantität setzten, pflanzte er – für damalige Verhältnisse am Wagram völlig ungewöhnlich – erstmals Riesling aus. In den 1970er Jahren, als so gut wie alle Weinbauern der Gegend noch im Gebinde produzierten oder bestenfalls Weine als Literware abfüllten, brachte Karl Fritsch gleich fünf verschiedene Gewächse in Bouteillen heraus.
Der Umstand, dass früher der Wagram im Vergleich zu anderen österreichischen Weinbaugebieten – auch noch geraume Zeit nach dem österreichischen Weinskandal (1985) – ein negatives Image hatte, spornte Karl Fritsch zu erhöhter Aktivität an. Seine Devise lautete damals, wie er im Zuge seiner Lebenserinnerungen erklärte: "Am Wograum muass wos g’sche(g)n, dou muass’ aounnascht wean."

Karl Fritsch hatte die Vision, dass im Gebiet nur mit entsprechendem Gemeinschaftsgeist etwas weitergebracht werden konnte. Deshalb gründete er im Jahr 1989 die "Wagramer Selektion", eine Vereinigung von 50 Wagramer Winzern, die sich dem Qualitätsgedanken verschrieben hatte und unter einer gemeinsamen Marke auftrat. Zehn Jahre lang stand er dieser Vereinigung selbst als Obmann vor. Im Qualitätsstreben war Fritsch kompromisslos und kritisch, wenn es ums Gebiet ging, aber auch selbstkritisch, wenn es um seinen eigenen Betrieb ging.

Heute ist der Wagram ein Weinbaugebiet, das überregional für hohe Qualität steht. Karl Fritsch hat die Verantwortung für seinen Weinberghof im Jahr 1999 seinem gleichnamigen Sohn übergeben, ist aber nach wie vor auch selbst in den biodynamisch bewirtschafteten Weingärten aktiv. Der Betriebsnachfolger hat an die Erfolge des Altvorderen anzuknüpfen verstanden: sowohl beim angestammten Grünen Veltliner und beim Riesling als auch bei den Rotweinen, die seinerzeit vom nun geehrten Senior in pionierhafter Weise im Gebiet heimisch gemacht worden sind.

Print-Artikel erschienen am 15. Mai 2015
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36




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Dokument erstellt am 2015-05-15 20:05:14
Letzte ńnderung am 2015-05-18 00:51:25



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