• vom 12.06.2015, 09:48 Uhr

Wein

Update: 30.08.2015, 16:05 Uhr

Weinjournal

Eine Frage der Identität




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Von Johann Werfring

  • Es gibt in Österreich zwei Weinbaugegenden, die nach alter Tradition recht eigenständige Gebiete darstellen – deren weinrechtliche Zuordnung zu bestimmten Weinbaugebieten erscheint willkürlich und von Pragmatik bestimmt.

Die malerische Burg Forchtenstein ist das Wahrzeichen der Region Rosalia. - © karaka14 / Fotolia

Die malerische Burg Forchtenstein ist das Wahrzeichen der Region Rosalia. © karaka14 / Fotolia

Die burgenländische Großlage Rosalia im Bezirk Mattersburg und die niederösterreichische Großlage Klosterneuburg haben von alters her zwar eine eigenständige Identität, jedoch erscheinen diese zu klein, als dass man ihnen weinbaupolitisch ein eigenständiges Weinbaugebiet zugestehen möchte.

Alte Tradition, heute heimatlos

Die im nördlichen Burgenland befindliche Großlage Rosalia, die vom nahen Höhenzug des Rosaliengebirges abgeleitet wird, gehört weinrechtlich gegenwärtig zum Weinbaugebiet Neusiedlersee-Hügelland, wobei die Affinität zum Mittelburgenland nicht zuletzt aufgrund der Blaufränkisch- und Zweigelt-Dominanz naheliegender wäre. Tatsächlich gab es bereits ernst gemeinte Anregungen, die Region Rosalia dem Weinbaugebiet Mittelburgenland zuzuschlagen. Jedoch ist der Sieggrabener Sattel eine derart markante geografische Zäsur, dass eine solche Zuordnung unlogisch erscheinen würde. Für die Schaffung eines eigenen Weinbaugebietes Rosalia erschien das Gebiet den verantwortlichen Weinbaupolitikern bislang zu klein – vielleicht aber auch vom Potenzial her zu unbedeutend.


Nicht zufällig handelte es sich von alters her indes um ein eigenständig wahrgenommenes Gebiet mit dem Zentrum in Pöttelsdorf, das vor Jahrzehnten in einem Atemzug mit Rust, Neckenmarkt oder dem Eisenberg genannt wurde. Vor allem die Dynamik nach dem Glykolweinskandal von 1985 war dafür verantwortlich, dass diese Wahrnehmung keinen Bestand hatte. Während in anderen burgenländischen Gegenden ab den 1990ern ein rasanter Aufschwung zu verzeichnen war, stagnierten die Weinbauorte der Region Rosalia, wenn man von raren Ausnahmen absieht. Erst in jüngerer Zeit formieren sich dort neue Kräfte, die dem zweifellos potenzialträchtigen Gebiet wieder zu Renommee verhelfen wollen.

Heute erstreckt sich das kleinräumige Gebiet von Neudörfl im Norden, wo Familie Waldherr ein ansehnliches Weingut samt bekannter Buschenschank führt, über Sigleß, Zemendorf und Pöttelsdorf bis nach Mattersburg und Marz. Eine unmittelbare Nachbarschaft zu anderen nordburgenländischen oder mittelburgenländischen Weinbaugemeinden besteht nicht.

In Pöttelsdorf selbst haben sich neun Winzer in der Domäne Pöttelsdorf zu einer schlagkräftigen Truppe zusammengeschlossen, die immer wieder auch ausgezeichnete Blaufränkisch-Gewächse hervorbringt. Ebenfalls den Blaufränkischen auf seine Fahnen geschrieben hat sich das Miniweingut des ebenfalls in Pöttelsdorf beheimateten Hans Bauer, der so nebenbei auch hervorragenden Dessertwein aus Cabernet und ausgezeichneten Prosciutto produziert. Die große Kellerei von Alfred Fischer in Stöttera ist weithin bekannt, weniger bekannt ist vielleicht, dass sie auch 12 Hektar in Pöttelsdorfer Lagen besitzt, wo beispielsweise der Top-Blaufränkische namens Rosalia zu hoher Reife gedeiht. Ebenso zu empfehlen sind die Zweigelt-Varietäten des in Sigleß gelegenen Weingutes Lassl, das dem Codex Rosalia verpflichtet ist, welcher strikte Richtlinien für Herkunft, Produktion und Vermarktung vorsieht.

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Dokument erstellt am 2015-06-11 16:49:35
Letzte nderung am 2015-08-30 16:05:03



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