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Wein

Update: 03.08.2015, 13:27 Uhr

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Von Johann Werfring

  • Die anhaltende Schulden- und Wirtschaftskrise ist zweifellos auch eine Hypothek für die griechische Weinwirtschaft. Dies ist umso bedauerlicher, als diese seit den 1990er Jahren einen markanten qualitativen Aufschwung zu verzeichnen hat.

Assyrtiko-Reben auf der griechischen Insel Santorin.

Assyrtiko-Reben auf der griechischen Insel Santorin.© Massimo Ripani/Grand Tour/Grand Tour/Corbis Assyrtiko-Reben auf der griechischen Insel Santorin.© Massimo Ripani/Grand Tour/Grand Tour/Corbis

Entscheidend für das Meistern der misslichen Situation wird sicher auch das Beibehalten der hohen Exportquote sein, denn bislang war die griechische Inlandsnachfrage nach hochwertigen Weinen vergleichsweise gering. Dabei hatte alles so schön begonnen: Schon in der minoischen Kultur auf Kreta im 2. Jahrtausend vor Christus war Wein vermutlich nicht unbekannt, wie aus Funden von Trauben und Keltern hervorgeht. Ganz sicher hatte eine Weinkultur aber bereits in der mykenischen Kultur Bestand, wie zahlreiche Inschriften und Kellerzubehör verraten. In den Schriften von Homer und Hesiod spielt Wein immer wieder eine Rolle – man denke etwa an die List des Odysseus gegenüber dem Kyklopen Polyphem –, offensichtlich war er fester Bestandteil des täglichen Lebens. Im Symposion wurde Wein immer nur verdünnt getrunken, nur die Barbaren aus dem Norden, wie die Skythen, genossen ihn unverdünnt.

Vom Retsina zur Appellation


In der Antike wurde der Wein in Amphoren gelagert, die mit Harz verkleidet waren, um die Verdunstung zu bremsen. Möglicherweise hat dies zum Überleben oder, besser gesagt, zur Weiterentwicklung geharzten Weines beigetragen. Wer griechischen Wein aber lediglich auf Retsina oder einfache Landweine einschränkt, liegt sicher völlig falsch. Das heutige griechische Weinrecht entspricht voll und ganz den EU-Normen und kennt auch eine Auflistung von Appellationen. Zwar ist die Produktionsmenge durchaus mit Österreich vergleichbar, aber die Entstehung ist eine gänzlich andere. Bis in die 1980er Jahre beherrschten nämlich große Handelsfirmen wie Achaia Clauss, Boutari, Kourtakis und Tsantali sowie etliche Winzergenossenschaften den Markt. Auf der anderen Seite haben viele kleine Winzer mehr oder weniger für den Eigenbedarf und jenen ihrer Freunde produziert. Erst in den 1990er Jahren haben mittelständische Unternehmen, wie man sie beispielsweise von Österreich und Deutschland kennt, die führende Rolle im Topsegment übernommen. Diese verfügen in der Regel auch über temperaturgesteuerte Kühlanlagen und jene anderen Gerätschaften, die unter Leitung versierter Önologen erst eine moderne Weinbereitung möglich machen.

Von Makedonien nach Kreta

Im mediterranen Klima des bergigen Griechenland gedeihen über 300 autochthone Rebsorten, die aber nicht alle für die Weinbereitung eingesetzt werden. Nach dem anfänglichen Hype für die französischen Globetrotter besinnt man sich mehr und mehr auf die wertvollen heimischen Sorten. Beginnen wir im Norden, wo in der Region Makedonien die wunderbare Xynomavro-Traube reift, deren eher helle Tönung und kräftige Tannine ein wenig an den Nebbiolo des Piemont erinnern. Jedenfalls erbringt sie sowohl reinsortig als auch im Verschnitt Charaktertropfen, die auch sehr gut zu reifen verstehen. In Thessalien gedeiht mit Blick auf den Olymp der Rapsani in überaus pittoresker Weinlandschaft. Auch dafür ist der Xynomavro verantwortlich, der im Blend mit Krassato und Stavroto diesen etwas in Vergessenheit geratenen, überaus langlebigen und komplexen Wein ermöglicht. Da jetzt das Tsantali-Imperium hiefür verantwortlich ist, wird es wohl wieder aufwärts gehen.

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Weinjournal, Wein, Griechenland

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Dokument erstellt am 2015-07-30 20:03:55
Letzte Änderung am 2015-08-03 13:27:28


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