• vom 18.12.2015, 09:57 Uhr

Wein

Update: 14.02.2018, 21:36 Uhr

Weinjournal

Die großen Lagen von Spitz und das rechte Donauufer




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Von Johann Werfring

  • Wachau Teil 2
  • Einige der spektakulärsten Weinberge des Weltkulturerbes Wachau befinden sich im äußersten Westen rund um Spitz und im Spitzer Graben, doch auch die weniger bekannten Lagen am rechten Donauufer sind für bemerkenswerte Weißweine prädestiniert.

Der Tausendeimerberg. - © Monika Loeff

Der Tausendeimerberg. © Monika Loeff

Die Lage Frauenweingärten am rechten Donauufer mit den Dörfern Rossatzbach und Rossatz.

Die Lage Frauenweingärten am rechten Donauufer mit den Dörfern Rossatzbach und Rossatz.© Monika Loeff Die Lage Frauenweingärten am rechten Donauufer mit den Dörfern Rossatzbach und Rossatz.© Monika Loeff

Gemeinsam mit den idyllischen Weinbaudörfern Gut am Steg, Vießling und Schwallenbach bilden die Weinberge der Marktgemeinde Spitz die am weitesten westlich gelegene Region der Wachau. Nach dem Höhenzug des Michaelerbergs und dem Einschnitt des Mieslingtals, wo sich östlich die neu kultivierte Steillage des Atzbergs befindet, beginnt eine kleine Weinwelt per se. Hier drängen sich zwischen dem Plateau des Waldviertels und der Donau, nordwestlich des traditionsreichen Weinortes Spitz und an den Südhängen des Spitzer Grabens jene Weinrieden, die wohl am stärksten von den kühlenden Klimaeinflüssen des Waldviertels beeinflusst werden, was niedrige Durchschnittstemperaturen und spätere Reife und dementsprechend Lese zur Folge hat.

Im Weichbild von Spitz befindet sich der wegen seines Zypressenbestandes etwas ungewöhnlich erscheinende Burgberg, auch Tausendeimerberg genannt, der seinen Namen davon bezieht, dass dort früher in guten Jahren 56.000 Liter, also 1000 Eimer Wein, eingebracht worden sind. Auf kristallinem Gestein gedeihen an diesem Südhang zarte und fruchtbetonte Weißweine, die bereits in der Jugend viel Charme und Ausdruck vermitteln. Ganz im Osten von Spitz liegt die extrem steile Lage Singerriedel, die von Paragneis und Glimmerschiefer gebildet wird und durch die großartigen Rieslinge des Weingutes Hirtzberger wohl internationale Bedeutung erlangt hat. Nicht ganz so langlebige, aber ebenfalls sehr erfreuliche Gewächse kommen von den angrenzenden, relativ großen Lagen Axpoint und Steinporz sowie dem Hochrain.

Während der Axpoint keine Terrassen-, sondern eine Hanglage darstellt, in der Verwitterungsböden von Braunerde- und lehmigen Sandböden abgelöst werden, weshalb er sinnvollerweise vorwiegend für den Grünen Veltliner genützt wird, sind Steinporz und Hochrain vom kristallinen Gestein mit der Betonung auf Gneis geprägt. Der markante Setzberg im Westen von Spitz bildet gleichsam schon den Übergang zum Spitzer Graben und steht für fest verwobene und stahlige Weißweine mit gut erkennbarem Herkunftscharakter.

Ein Mikrokosmos im Westen

Gewissermaßen als Mikrokosmos können die eindrucksvollen Weinberge des Spitzer Grabens, die sich nördlich des Spitzer Bachs steil gegen das Waldviertler Plateau erheben, bezeichnet werden. Dieses idyllische Seitental, das sich bis zum Fuß des Jauerlings zieht, hat das mit Abstand kühlste Kleinklima des Weinbaugebietes Wachau zu bieten, was freilich in kühleren Weinjahren wie 2014 nicht gerade einen Vorteil darstellt. In den Gott sei Dank häufigeren günstigen Jahren werden aber Weine voll heller Fruchtnuancen und von messerscharfer Definition gewonnen, die sich von den übrigen Wachauer Kreszenzen recht deutlich unterscheiden. Früher war der Spitzer Graben auch als Heimat der Rebsorte Neuburger bekannt, die aber in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr von pflegeleichteren und in der Gunst der Weinfreunde höher stehenden Sorten verdrängt wurde. Sehr pikant und rassig sind übrigens auch die Gelben Muskateller, die einige Weingüter im Graben als Rarität pflegen.

Die wichtigsten Lagen von Süden nach Norden sind der Zornberg, die Vogelleithen, der Kalkofen, Schön, Bruck und Brandstatt. Speziell die drei letztgenannten Lagen, von denen die Bruck als extrem steile Südlage, die zum Teil nur händisch bearbeitet werden kann, noch hervorzuheben wäre, beeindrucken schon rein optisch. Weingüter wie Josef Högl, Graben-Gritsch, Sighardt Donabaum und Veyder-Malberg haben aus eben diesen Rieden in den vergangenen Jahren stilistisch recht unterschiedliche, doch jedenfalls höchst ansprechende Grüne Veltliner und Rieslinge hervorgebracht, deren Esprit und kühle Eleganz sie unverwechselbar werden lässt.

Die Weine vom rechten Ufer

Wer bei den am rechten Donauufer zwischen Arnsdorf, Rossatz und Mautern situierten Weingütern anecken möchte, muss nur kurz einflechten, dass sich deren Weinlagen ja am falschen Ufer befinden, denn sie sehen ja entweder von der Donau ins Landesinnere oder sind der Donau zugewandt und dann naturgemäß nach Nordwesten oder Nordosten ausgerichtet. Aber Spaß beiseite – schließlich sind die Weingärten in der Gegend von Mautern schon im Jahr 470 urkundlich erwähnt worden. Wenn wir gegenüber von Spitz – in den sogenannten drei Arnsdörfern – beginnen, so wären die Rieden Stiegelstal und Poigen wohl am ehesten hervorzuheben. Hinter den beiden Weinbaudörfern Rührsdorf und Rossatz, die beide übrigens einen wunderbaren Ausblick auf die Attraktionen des linken Donauufers bieten, sind dann schon öfter auf den Etiketten zu findende Weinbergslagen situiert, wie beispielsweise Pointen, Kirnberg, Frauenweingärten und vor allem Steiger. Die Böden sind hier tiefgründiger, mit höheren Lehm- und Lössanteilen beschaffen als am anderen Ufer, eignen sich aber tadellos für leichtfüßige bis kraftvolle Grüne Veltliner.

Der Schwerpunkt der südlichen Wachauer Rieden befindet sich zweifellos rund um die Ortschaften Mauternbach und Mautern sowie am Fuße des Stiftes Göttweig, wo sich so renommierte Lagen wie Süßenberg, Im Weingebirge, Alte Point und Silberbichl befinden. Kristallines Gestein und eine Schotterunterlage mit zum Teil sandigem Oberboden bieten ideale Voraussetzungen für feingliedrige, nervige Weißweine. Das bekannteste Weingut im Südosten der Wachau ist ohne Zweifel der Nikolaihof von Familie Saahs, die schon vor vielen Jahren auf biodynamischen Weinbau umgestiegen ist.

Print-Artikel erschienen am 18. Dezember 2015
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 30–31





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-12-14 14:23:26
Letzte nderung am 2018-02-14 21:36:17



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