• vom 18.03.2016, 08:00 Uhr

Wein

Update: 05.03.2018, 00:48 Uhr

Weinjournal

Pannonisches Spektrum in Rot




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  • Bei der vergangene Woche in der Wiener Hofburg abgehaltenen Burgenland-Jahrgangspräsentation konnte sich das Publikum einen Eindruck von mehreren Wein-Jahrgängen verschaffen.

Gleich mehrere Säle der Wiener Hofburg waren für die Burgenland-Jahrgangspräsentation reserviert. Hier im Bild der wundervolle Zeremoniensaal. - © Martina Lex

Gleich mehrere Säle der Wiener Hofburg waren für die Burgenland-Jahrgangspräsentation reserviert. Hier im Bild der wundervolle Zeremoniensaal. © Martina Lex

Wie alljährlich informierten die Weinbauverantwortlichen des Burgenlandes auch heuer im Rahmen der Jahrgangspräsentation über die aktuellen Entwicklungen im östlichsten Bundesland. Im Export haben die Burgenländer vor allem Deutschland, Schweiz, USA und Slowakei als Zielländer definiert. Das nördliche Nachbarland Slowakei ist zwar klein, vom Potenzial her ist dort aber der Markt aus österreichischer Sicht bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Hier solle weiterhin verstärkt mit Marketingmaßnahmen angesetzt werden, wohingegen das östliche Nachbarland Ungarn aus gegenwärtiger Sicht nur wenige Exportchancen bietet, zumal die Ungarn traditionell extrem patriotische Weintrinker sind.

Einen überaus interessanten Farbtupfer boten die Burgenländer, indem Sie im Rahmen ihres Hofburg-Auftritts auch dem Weinland Franken als Kooperationspartner eine Präsentationsfläche ermöglichten. Insofern konnte sich das Publikum einen Eindruck von den Silvanern und Rieslingen aus dem geschichtsträchtigen Weinland entlang des Mains verschaffen. Unter den Rotweinen der Gäste konnte mit dem 2013er Hundsrück Spätburgunder GG VDP Große Lage aus dem Weingut Rudolf Fürst (Bürgstadt) das Bravourtröpferl ausfindig gemacht werden. Einen gleichermaßen hocheleganten und ausgewogenen Pinot Noir (= Spätburgunder) wie diesen konnte ich hierzulande bislang noch nicht entdecken. Freilich hat solche Qualität mit 96 Euro ab Hof auch ihren Preis. Ebenfalls von hoher Güte, und vergleichsweise günstig, ist der 2013er Sonnenstuhl Spätburgunder GG VDP Große Lage aus dem Weingut Störrlein Krenig in Randersacker (26 Euro ab Hof ).

Beim burgenländischen Angebot konzentrierte ich mich dieses Mal in erster Linie auf die Rotweine (bei einer so großen Verkostung ist es immer sinnvoll, eine entsprechende Auswahl zu treffen respektive eine Strategie zu verfolgen). Verfügbar waren Premiumrotweine der Jahrgänge 2011, 2012 und 2013 sowie klassische Rotweine des Jahrgangs 2014. Hinsichtlich des burgenländischen 2011ers herrscht in Fachkreisen Konsens, dass es sich um einen ausgesprochen guten Rotweinjahrgang handelt, was bei der Kost auch bestätigt wurde.

Jahrgangs-Kontroverse

Was die Jahrgänge 2012 und 2013 betrifft, gehen die Meinungen stark auseinander. Immer wieder bekomme ich zu hören, der 2012er sei dem 2013er Rotweinjahrgang bei Weitem überlegen. Auch in sogenannten Jahrgangstabellen wird diese Ansicht bestätigt. Ich kann mich dieser Meinung nur bedingt anschließen. Hundertprozentig trifft das auf den Cabernet Sauvignon zu, der im wärmeren Jahr 2012 viel besser ausreifen konnte als im Folgejahr. Mit Sicherheit handelte es sich 2012 sogar um einen burgenländischen Bilderbuchjahrgang hinsichtlich der Sorte Cabernet Sauvignon.

Was indes die österreichische Paradesorte in Rot anlangt, namentlich den Blaufränkischen, erachte ich – zumindest auf Spitzenniveau – den 2013er als höherwertig als den Jahrgang 2012 mit seinen in die Breite tendierenden Formaten. Vor allem, wenn man davon ausgeht, dass der Blaufränkische seine Typizität in kühlfruchtiger Fasson mit vitalem Säurespiel am vorteilhaftesten auszuspielen vermag (wovon ich ausgehe), dann darf der 2013er als geradezu ideal betrachtet werden. Besonders modellhaft wirkte in dieser Hinsicht der (überaus preiswerte) 2013er Premium-Blaufränkisch Centauros aus dem Weingut Alfred und Helga Weber aus Deutsch-Schützen im Südburgenland (13 Euro). Für jene, die voluminösere Kaliber schätzen, wird sich indes der 2012er vorteilhafter präsentieren als der Nachfolgejahrgang. In etlichen Fällen erschien mir indes gerade aus diesem Jahrgang der Alkoholwert allzu hoch. Auch der Zweigelt tendiert in derart warmen Jahren prinzipiell in die Breite.

Jedenfalls ist bei solch einer Betrachtung zu berücksichtigen, dass man als Winzer mit einem kühleren Jahrgang, wie dem 2013er, umzugehen verstehen muss. Im Falle von einfühlsamen Spitzenerzeugern ist das kein Problem. Die große Masse der Weinmacher kommt freilich mit den Rotweinen des wärmeren Jahrgangs 2012 besser zurecht (was auch bei der Verkostung in der Hofburg nachvollziehbar war). Apropos Spitzenwinzer: Wieder einmal haben bei der Hofburg-Verkostung etliche Erzeuger mit klingenden Namen durch Abwesenheit geglänzt. Hier wäre es wünschenswert, wenn den betreffenden Akteuren von Konsumentenseite her in entsprechender Weise Missvergnügen signalisiert würde.

Was schließlich den 2014er Rotweinjahrgang anbelangt, so besteht in Fachkreisen Konsens, dass es sich um einen schwierigen Jahrgang handelt. Insofern eignen sich Weinverkostungen wie jene in der Hofburg gut, um den idealen Jahrgangsvertreter herauszukosten. Wenngleich die Weine vergleichsweise schlanker ausgefallen sind, gelang es einer Reihe von Winzern dennoch, gute und süffige Qualitäten zu erzeugen. Weil vom 2014er viele Premiumweine nicht auf den Markt kommen, ist davon auszugehen, dass die Klassiker dieses Jahrgangs, zumindest teilweise, durch die Hinzufügung von Premiumqualitäten aufgewertet wurden. Es lohnt sich also, auch nach Vertretern dieses Jahrgangs Ausschau zu halten.

Print-Artikel erschienen am 18. März 2016
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34–35





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-03-30 01:46:48
Letzte Änderung am 2018-03-05 00:48:12


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