• vom 26.08.2016, 00:00 Uhr

Wein

Update: 05.03.2018, 00:47 Uhr

Weinjournal

Vinophile Wohlfühloase in Wildungsmauer




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Von Johann Werfring

  • Der talentierte Winzer Leo Jahner gilt vielen noch als Insidertipp. Wir zählen ihn bereits zu den fixen Größen am Carnuntiner Weinhimmel. Ein Ausflug zu seiner Buschenschank ist lohnend.

Die Terrasse der modernen Buschenschank in Wildungsmauer. - © Johann Werfring

Die Terrasse der modernen Buschenschank in Wildungsmauer. © Johann Werfring

Einblick in Jahners Buschenschank.

Einblick in Jahners Buschenschank.© Johann Werfring Einblick in Jahners Buschenschank.© Johann Werfring

Seit heute, Freitag, ist wieder die Buschenschank von Leo Jahner in Wildungsmauer an der Donau geöffnet, und zwar insgesamt zehn Tage lang. Achtmal im Jahr öffnen sich die Tore der eine halbe Autostunde von Wien entfernten Buschenschank, die ihrem Wesen nach durchaus diesen Namen verdient, andererseits jedoch aus mancherlei Gründen aus der Reihe tanzt – und zwar ganz in positivem Sinne!

Der moderne Bau ist keinesfalls mit konventionellen Buschenschenken zu vergleichen, wie man sie hierzulande kennt. Und dennoch ist das im Jahr 2008 eröffnete Anwesen, das zu den Sehenswürdigkeiten der Region gezählt werden darf, ein Ort, in dem der Wein und das Essen auf urgemütliche Art zelebriert werden. Ein Abend auf der wunderbaren Buschenschankterrasse lässt geradezu Urlaubsstimmung aufkommen. Die Innenraumgestaltung evoziert ungeachtet der modernen Ausprägung eine heimelige Aura. Was unter anderem der stimmigen Implementierung diverser Holzelemente zu verdanken ist. Überaus gesellige Runden kommen hier zusammen, aber auch Kartendippler fühlen sich wohl, wie ich letzthin bei meinem Besuch wahrnehmen konnte.

Information

Weingut Jahner
2403 Wildungsmauer, Donaustraße 23
Tel. 02163/2326, www.jahner.at
Leo Jahner im Weingarten.

Leo Jahner im Weingarten.© Ferdinand Neumüller Leo Jahner im Weingarten.© Ferdinand Neumüller

Was die Speisen betrifft, besteht für die Gäste eine Auswahl an (noch dazu wunderbar preiswerten) traditionellen Buschenschankgerichten à la Presswurst in Essig in Öl (4 Euro), garniertes Geselchtes (4,50 Euro), garnierter Surbraten (4,50 Euro) oder Bauernjause (5 Euro). Besonders zu empfehlen sind auch die Blunze mit Senf und Kren und die Leberwurst mit Senf und Kren (je 3,50 Euro) sowie die geselchte Bratwurst (4 Euro). Für Schlankschlemmer wird Rohschinken mit Melone (5,50 Euro) oder ein Käseteller (5,50 Euro) offeriert. Ungewöhnlich für Buschenschankverhältnisse sind Jahners mediterrane Gerichte, etwa Tramezziniröllchen, gefüllt mit Rohschinken und Basilikum, dazu Sesamvinaigrette (4,50 Euro) oder Jahners Bruschetta XXL (7,80 Euro). Selbst für ganz schmale Briefbörseln gibt es eine reichliche Auswahl, insbesondere das Angebot an belegten und bestrichenen Broten im Preissegment zwischen 1,60 Euro und 3 Euro ist hier zu nennen. Als Abrundung gibt es noch eine Anzahl an Salaten sowie Dessert. Keineswegs zu kurz kommen auch die Anhänger der fleischlosen Küche. Alles in allem ist die Qualität des kulinarischen Angebots hervorragend.

Das Speisenangebot in der Buschenschank ist vielfältig.

Das Speisenangebot in der Buschenschank ist vielfältig.© Johann Werfring Das Speisenangebot in der Buschenschank ist vielfältig.© Johann Werfring

Sämtliche Weine aus dem aktuellen Sortiment des Weinguts Jahner werden in der Buschenschank glasweise zum wohlfeilen Preis aufgetischt. Beispielsweise kostet ein Achterl vom 2015er Welschriesling 1,80 Euro. Dieser süffige Tropfen präsentierte sich erfrischend, sortencharakteristisch und wunderbar unaufdringlich, man wird nicht müde ihn zu trinken (ab Hof 5 Euro). Ebenso preiswert ist der gelbfruchtige Grüne Veltliner 2015 mit pfeffriger Anlage, er zeigt für seine Gewichtsklasse einigen Druck und Länge (ab Hof 5,50 Euro). Auch wer mit der Sorte Sauvignon Blanc wenig anfangen kann (das ausdrucksstarke Bukett ist nicht jedermanns Sache) wird wohl mit Jahners Sauvignon Blanc 2015 ausnahmsweise eine Freude haben. Die Sortenanklänge sind hier dezent ausgeprägt, aromatische Einsprengsel nach Litschi und Hawaiananas sorgen für Ausgewogenheit, der Trinkfluss ist bestechend (ab Hof 6,50 Euro).

Im Rotweinsegment hat der sympathische Winzer unter Beweis gestellt, wie souverän er mit dem anspruchsvollen 2014er Jahrgang umzugehen verstand. Wohlgeraten sind hier sowohl der aktuelle Premiumwein (davon später mehr) als auch die beiden Klassiker, namentlich die Cuvée Small Wall 2014, gekeltert aus Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon (ab Hof 9,90 Euro) sowie der kühlfruchtige, geradlinige und trinkanimierende 2014er Zweigelt der Marke "Rubin Carnuntum" (ab Hof 10 Euro). Den Vogel abgeschossen hat Leo Jahner mit seinem subtil-feinfruchtigen "Rubin Carnuntum"-Zweigelt des Jahrgangs 2015, den zu verkosten mir vorab als Fassprobe vergönnt gewesen ist. Ganz selten habe ich einen Zweigelt mit einer derartigen Stimmigkeit verkostet wie diesen Vertreter aus einem Bilderbuchjahrgang. Indem Jahner den Wein im eigenen Recht belässt, was durch schonende Kelter (ohne "Aufmotzen") erreicht wurde, bringt er die Typizität der Sorte vollends auf den Punkt. Geprägt ist dieser durch und durch saftige Wein (der idealerweise leicht gekühlt genossen werden sollte) durch noble Heidelbeerfrucht und stimmige Vitalität, wobei die Ausgewogenheit und Komplexität die Handschrift eines ausgesprochenen Könners durchscheinen lassen. Dass trotz des warmen Jahrgangs elegante Kühlfruchtigkeit zu konstatieren ist, ist wahrlich beeindruckend. Diese Fassprobe lässt erkennen, welch hervorragendes Potenzial die Sorte Zweigelt zu erbringen vermag, sofern man sie nur nicht durch allzu heftige Kelter überstrapaziert.

Unter den – ebenfalls preiswerten – Premiumweinen beeindruckten insbesondere der dunkelfruchtige, fleischige und vitale Syrah Hoher Weg 2014, der auch durch anhaltenden Abgang erfreut (16 Euro) sowie die dichte 2013er Cuvée Wild Wall, gekeltert aus Zweigelt und Merlot (18 Euro). Sie bietet Trinkvergnügen auf hohem Niveau.

Die Trauben sämtlicher Weißweine des Weinguts Jahner gedeihen in Wildungsmauer. Die Früchte der herrlichen Rotweine hingegen reifen im benachbarten Ort Höflein auf Lagen in Südost-Ausrichtung mit steinig-schottrigen sowie kalkreichen Böden heran.

Print-Artikel erschienen am 26. August 2016
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 20–21





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-08-28 00:30:04
Letzte Änderung am 2018-03-05 00:47:15


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