• vom 16.05.2008, 11:15 Uhr

Wein

Update: 15.11.2015, 21:31 Uhr

Werfrings Weinjournal

Die erträgliche Leichtigkeit des Weins




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Von Johann Werfring

  • Beim Rotwein macht sich international ein neuer Trend bemerkbar. Der visionäre Winzer Uwe Schiefer aus dem Südburgenland erkannte die Fehlentwicklung schon vor Jahren.

- © Weingut Schiefer

© Weingut Schiefer

Uwe Schiefer aus Welgersdorf im südlichen Burgenland zählt zu den Top-Rotweinproduzenten Österreichs. Der spezielle Umstand daran: Erst vor rund zehn Jahren hat Schiefer als Quereinsteiger und völliger Weinbauneuling den Beruf des Winzers ergriffen.

Der exquisiteste Wein in Schiefers Sortiment ist ein Blaufränkischer aus der Lage Reihburg am südburgenländischen Eisenberg. Die Besonderheit: Der Großteil der Reben in diesem Weingarten weist ein Alter von rund 70 Jahren auf. Bei einer kürzlich erfolgten Weingutvisite hatte ich die Gelegenheit, mich anhand einer Fassprobe des Blaufränkisch Reihburg 2006, der heuer auf den Markt kommen wird, von dessen Potenzial zu überzeugen. Hier meine Verkostungsnotizen zu diesem Wein, der nach meiner Einschätzung das Prädikat Kreszenz verdient: "Vielschichtiges Fruchtspiel, würzig, salzige Pikanz, extremer Tiefgang, stoffig, sehr präzise, hochelegant, wohlstrukturiert, guter Trinkfluss, ein einzigartiger Individualist, triumphales Finale."


In den vergangenen Jahren war Schiefers Blaufränkisch Reihburg trotz seines stolzen Preises (derzeit 36 Euro) regelmäßig binnen kurzem ausverkauft. Freilich darf ein solcher Ausnahmewein alleine schon in Anbetracht der knappen Verfügbarkeit etwas kosten. Andererseits ist im Falle des Blaufränkisch Reihburg auch der Arbeitsaufwand für den Winzer beachtlich. Für vergleichbare internationale Edeltröpfchen ist ein Vielfaches zu berappen.

Uwe Schiefer, Welgersdorf

Uwe Schiefer, Welgersdorf© Johann Werfring Uwe Schiefer, Welgersdorf© Johann Werfring

Während man andernorts – unter Aufbietung beträchtlicher kellertechnischer Hilfsmittel – häufig bemüht ist, den Kunden alljährlich einen möglichst gleichbleibenden Weinstil zu offerieren, will Schiefer von einer derartigen Uniformität nichts wissen: "Für mich wäre es ein Gräuel, wenn mein Reihburg drei Jahre hintereinander gleich schmecken würde!"

Im Einklang mit der Natur möchte Schiefer Weinbau treiben. Und das bedeutet, dass der Jahrgang stets spürbar sein darf. Durch kompromisslose weingärtnerische Pflege, manuelle Ernte, schonende Traubenverarbeitung und behutsame Ausbaumethoden ist es ihm möglich, auch in nicht ganz einfachen Weinjahren sehr gute Resultate zu erzielen.

Heftigen Technikeinsatz, dazu zählen etwa Vakuumverdampfung und Umkehrosmose zur Konzentration des Mostes, lehnt Schiefer rigoros ab. Durch solche Methoden werden die Weine zwar gefällig und geschliffen, allerdings mangelt es ihnen an Raffinesse. Um die Sortentypizität zu wahren, verwendet Schiefer auch keinerlei Enzyme sowie künstliche Hefen und der Schwefeleinsatz bleibt stets moderat.

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Dokument erstellt am 2008-05-16 11:15:57
Letzte Änderung am 2015-11-15 21:31:18

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