• vom 01.07.2016, 00:00 Uhr

Wein

Update: 14.02.2018, 21:31 Uhr

Weinjournal

Elegant zurückhaltend




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Von Johann Werfring

  • Die Golser Winzerin Judith Beck hat eine erstaunliche Erfolgsgeschichte zu verzeichnen. Seit 2007 bewirtschaftet sie ihr Weingut nach biologisch-dynamischen Richtlinien.

Das Weingut von Judith Beck am Ortsrand von Gols. - © steve.haider.com

Das Weingut von Judith Beck am Ortsrand von Gols. © steve.haider.com

Mit Interesse habe ich rund 15 Jahre lang den Aufstieg der Winzerin Judith Beck aus Gols beobachtet. Nie ist es ihre Sache gewesen, sich mit polternden Marketingmaßnahmen oder sonstigen Auffälligkeiten in den Vordergrund zu spielen. Sie ist in dieser Hinsicht durchaus vergleichbar mit ihren Weinen: elegant, zurückhaltend eben. Und dennoch hat sie es geschafft, sich an die Spitze der heimischen Erzeuger heranzuarbeiten und auch als erstklassige Weinmacherin wahrgenommen zu werden. Die etablierten österreichischen Wein-Guides bewerten ihr Weingut hoch, verorten es aber noch nicht ganz an der Spitze, wohingegen so manche Insider, zu denen sich auch der Autor zählt, bezüglich Beck’scher Weine die Qualitätsspitze als bereits erreicht erachten.

Information

Weingut Judith Beck
7122 Gols, In den Reben 1
Tel. 02173/2755

Bezugsquellen in Wien:
Burgenland Vinothek, 1030 Wien, Baumannstraße 3
sowie Wein & Co

Nachdem sie 1997 an der Handelsakademie in Neusiedl am See maturiert hatte, stand noch keineswegs fest, dass ihr weiterer Lebensweg von Weinbau und Weinmachen bestimmt sein würde. Eine Zeit lang liebäugelte Judith Beck damit, sich in die Germanistik und Publizistik zu vertiefen, schnupperte auch ein wenig in diese Studien hinein, entschied sich aber schließlich doch für die von den Altvorderen vorgezeichnete Familientradition. Im Jahr 2000 schloss sie die Weinbauschule Klosterneuburg erfolgreich ab, absolvierte sodann Weinbaupraktika in Frankreich, Italien sowie Chile, und im Jahr 2001 übernahm sie die Keller-Verantwortung im elterlichen Weingut. 2004 wurde sie Betriebsführerin, wie es im bäuerlichen Fachjargon heißt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Judith Beck längst eine große Passion für den Wein entwickelt.

Judith Beck und Uli Leitner im Keller, wo extrem viel getüftelt wird.

Judith Beck und Uli Leitner im Keller, wo extrem viel getüftelt wird.© Florian Raidt Judith Beck und Uli Leitner im Keller, wo extrem viel getüftelt wird.© Florian Raidt

Ihr Talent wurde rasch erkannt, weshalb sie alsbald auch eine Rolle in angesehenen Erzeuger-Vereinigungen spielte. Bei der renommierten Golser Pannobile-Gruppe, beim Winzerinnen-Club "11 Frauen und ihre Weine" und bei der Biodynamie-Gemeinschaft "Respekt" ist Judith Beck bis heute ein geachtetes Mitglied.

Vor rund zehn Jahren begann sich die Winzerin mit dem Gedanken der biologischen Wirtschaftsweise anzufreunden. "Ich glaube, dass man automatisch beim Bio-Weinbau landet, wenn man zukunftsorientiert mit seinen Böden umgehen will", sagt Beck. Begrünung, Kompostwirtschaft und weitere Maßnahmen gehören mittlerweile zum Standard auf Beck’scher Scholle. "Viele Probleme, wie Bodenerosion und Traubenwelke, die wir vorher hatten, sind seit der Umstellung auf biologische Bewirtschaftung kein Thema mehr", so Beck, die ihren Betrieb heute gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Uli Leitner führt. Der gelernte Chemiker, einst bei Böhringer-Ingelheim tätig, ist heute verantwortlich für alle biologisch-dynamischen Spitzungen mit Kräutertees und diversen Präparaten.

Neben ihrem traditionellen Sortiment hat Judith Beck in letzter Zeit unter der Bezeichnung "Bambule" eine spezielle Linie entwickelt, die man salopp den neuerdings boomenden "Natural Wines" zuordnen kann. Im Gegensatz zu manchen am Markt erhältlichen Weinen dieser Kategorie, denen auch die (mitunter penetrant oxidativen) Orange Wines zugeordnet werden, ist Becks Bambule-Linie auf voller Länge nicht nur stimmig, sondern sogar grandios, wie ich mich kürzlich bei einer Verkostung vor Ort überzeugen konnte. Besonders beeindruckend habe ich den völlig ungeschwefelten Sekt "Bambule Pet-Nat 2015" mit seiner feinen Perlage erlebt, der mit 11,5 Prozent Alkohol leichtfüßig, zugleich "feierlich" und mit guter Substanz gesegnet erscheint. Die hinreißend zarte Muskat-Ottonel-Frucht lässt diesen vergnüglich-belebenden Tropfen elegant ins Finale schwingen (ab Hof: 18 Euro). Der ebenfalls im gehobenen Preissegment angesiedelte Chardonnay Bambule 2014 (12 Prozent Alk.) wird jene Weinfreunde besonders begeistern, die Druck und Länge suchen – bemerkenswerter Weise ist auch hier der Trinkfluss bestechend (ab Hof: 24 Euro). Die Winzerin hat damit auch bewiesen, wie sehr sie es versteht mit einem nicht ganz einfachen Jahrgang umzugehen. In derselben Weise könnte man ein Loblied auf den 2014er Neuburger Bambule (ab Hof: 20 Euro) und den 2014er Blaufränkisch Bambule (ab Hof: 20 Euro) singen. In beiden Fällen sind alle Komponenten fein definiert, in beiden Fällen kamen die Weine ungeschönt und unfiltriert in die Flaschen, wodurch ihnen wesentliche – "natürliche" – Eigenschaften belassen wurden, und zwar in völlig stimmiger Weise.

Unter den Roten im günstigen Segment sei ganz besonders auf den süffigen 2014er Blaufränkisch Alte Lagen (ab Hof: 12 Euro) hingewiesen, und im mittleren Preissegment darf der in großen Fässern gereifte, stoffige und extraktreiche Sankt Laurent 2013 mit seinem moderten Alkoholgehalt von 12 Volumsprozent als außergewöhnlicher Sortenvertreter gelten (ab Hof: 18 Euro). Als Höhepunkt des Rotweinsortiments habe ich die fein strukturierte, ausgewogene und mit reichlich Tiefgang ausgestattete 2013er Cuvée Pannobile aus Zweigelt und Blaufränkisch erlebt (ab Hof: 22 Euro). Sie darf zweifellos aktuell zu den allerfeinsten heimischen Rotweinen gezählt werden.

Print-Artikel erschienen am 1. Juli 2016
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 40–41





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Dokument erstellt am 2016-10-17 21:07:44
Letzte nderung am 2018-02-14 21:31:17



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