• vom 29.12.2017, 00:00 Uhr

Wein

Update: 31.12.2017, 00:36 Uhr

Weinjournal

Ein neuer bayrischer Player in der austriakischen Weinwelt




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Von Johann Werfring

  • In Windeseile hat der aus München stammende Unternehmer Hans Kilger seit 2015 in steirischen und burgenländischen Gefilden ein beachtliches Weinimperium geschaffen.

Die historischen Koffersujets haben mit der Biografie des Globetrotters zu tun. - © Steve Haider

Die historischen Koffersujets haben mit der Biografie des Globetrotters zu tun. © Steve Haider

Hans Kilger schenkt ein.

Hans Kilger schenkt ein.© Steve Haider Hans Kilger schenkt ein.© Steve Haider

Die angestammte Domäne des hyperaktiven bayrischen Unternehmers Hans Kilger war lange Zeit vorrangig die Beratung im Bereich von Investitionen und Projektentwicklungen gewesen. Nach wie vor betreibt er mit seiner Firma Bayern Treuhand in München eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit rund 60 Mitarbeitern.

Seine Verbundenheit mit der Natur und seine Passion fürs Genießerische, so Kilger, veranlassten ihn, im vergangenen Jahrzehnt zunehmend auch im Bereich der Landwirtschaft tätig zu werden. 2009 erwarb er im rumänischen Transylvanien ein 3000 Hektar großes Areal, auf dem mittlerweile rund 1000 Tiere grasen, namentlich handelt es sich um Bisons, Wasserbüffel und Hirsche, die allesamt stressfrei direkt auf der Weide erlegt werden.

Der Zufall und seine Vorliebe für edle Rebensäfte führten dazu, dass Kilger 2015 im weststeirischen Feisternitz drei Hektar Rebfläche mit Blauen Wildbacher-Reben erwarb. Rasch kamen weitere Weingärten hinzu, woraufhin Hans Kilger die Domaines Kilger GmbH & Co KG gründete. Für die Weinbereitung ist der steirische Winzer Christian Reiterer verantwortlich. Heute verfügt Kilger über rund 30 Hektar Weingartenfläche in sehr guten Lagen in der Süd- und Weststeiermark und zählt damit zu den potentesten Playern der ganzen Steiermark.

Mit dem 2015er Rosé Brut (12 % Alk., ab Hof 25 Euro) bietet Kilger einen knochentrockenen, fein ziselierten, erfrischenden und ausgesprochen bekömmlichen Schaumwein erster Güte an, der mit seiner Noblesse verdeutlicht, welch hohes Potenzial in der lange als rustikal verschrienen Blauer Wildbacher-Traube steckt. Mit demselben Ehrgeiz ist die Rosé Reserve (13 % Alk., ab Hof 20 Euro) aus Blauem Wildbacher gekeltert, die in ihrer kompakten Art die rechte Wahl für Weinenthusiasten ist, die sagen "ich will was spüren".

Mit dem cremig-fülligen Sauvignon Blanc Ried Kranachberg 2015 (14 % Alk., ab Hof 33 Euro) konnte Kilger gleich auf Anhieb eine Spitzenplatzierung bei einem Bewerb des renommierten Schweizer Weinmagazins Vinum erzielen. Die Steiermark, in der er auch über einen attraktiven Wohnsitz verfügt, empfindet Kilger überhaupt als seine "neue Heimat". Als vielreisender Unternehmer verbringe er dort mittlerweile seine überwiegende Lebenszeit im Jahreskreis. In der Steiermark wurden bis dato zudem vier Gastronomiebetriebe (der Genuss.Raum in Leutschach, das Haubenrestaurant Hasewend mit angeschlossener Fleischerei in Eibiswald, die Buschenschank Warga-Hack in Kitzeck und der berühmte Jaglhof in Gamlitz) in die Domaines Kilger eingegliedert.

Aber nicht nur auf die Steiermark, sondern auch auf das Burgenland und (zumindest punkto Traubenzukauf) auf Niederösterreich erstrecken sich mittlerweile die weinwirtschaftlichen Aktivitäten Kilgers. Weil es infolge des Spätfrostes 2016 in den steirischen Weinrieden zu drastischen Ausfällen kam und kaum steirische Trauben vorhanden waren, kaufte Kilger "aus der Not heraus" auch Trauben in Niederösterreich und im Burgenland zu. Und siehe da: Die unter "Globetrotter 2016" firmierende – aus Sauvignon Blanc, Grüner Veltliner und Weißburgunder gekelterte – Dreiländercuvée (12,5 % Alk, 11 Euro) präsentiert sich ausgesprochen stimmig und gewitzt; sie ist vital, betont  mineralisch und trinkvergnüglich. Diesen Wein mit den historischen Fahrzeugen im Etikett solle es nun auch weiterhin in dieser Konstellation geben, so Kilger. Er stellt auch unter Beweis, dass ein guter Wein nicht notwendigerweise aus Einzellagen kommen muss, wie dies in jüngerer Zeit immer wieder suggeriert wurde (es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Zusammenführung von Weinen aus unterschiedlichen Regionen zu einer stimmigen Komposition in Wiener Weinkellern zu Zeiten der Habsburgermonarchie gang und gäbe gewesen ist).

Seit 2017 betreibt nun Kilger gemeinsam mit dem südburgenländischen Winzer Uwe Schiefer die "Schiefer & Domaines Kilger GmbH & Co KG. Kilger hat sich damit einen der talentiertesten österreichischen Rotweinmacher an Bord geholt. Schiefer produziert im Rahmen der Kooperation weiterhin die eingeführte puristische Weinlinie, die von Experten im In- und Ausland hoch geschätzt wird; hinzu kommen mit dem Blaufränkisch Königsberg und der Reserve-Cuvée aus Blaufränkisch und Merlot weitere Weine aus der Gegend des südburgenländischen Eisenbergs, die sich etwas herzhafter und kräftiger präsentieren als die übrigen Schiefer-Weine. Letztere tragen – ebenso wie die steirischen Kilger-Gewächse – markante Etiketten mit historischen Koffersujets und werden zu den Steaks aus Transsylvanien, die Kilger in seinen Gastronomiebetrieben in Bayern und in der Steiermark anbietet, die passende Speisenbegleitung abgeben.

Zu den PR-Aktivitäten Kilgers zählt unter anderem eine Weinpartnerschaft mit dem Fußballklub Sturm Graz seit der Spielsaison 2017. Wie Kilger sagt, ist ihm die Mentalität der Steirer und Burgenländer, mit denen er im Rahmen seiner Weinbauaktivitäten kooperiert, sehr sympathisch. Es mag dies auch damit zu tun haben, dass die Landschaften Ostösterreichs im Hochmittelalter weitflächig von bayrischen Siedlungsbauern kolonisiert wurden. Die unternehmerische Aktivität des gebürtigen Bayern in Österreich ist indes noch längst nicht abgeschlossen. Kilger liebäugelt bereits mit der Eröffnung eines weiteren Gastronomiebetriebes in Wien, wo er dann auch seine transsylvanischen Steaks sowie die steirischen und burgenländischen Gewächse anbieten will.

Print-Artikel erschienen am 29. Dezember 2017
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23





Schlagwörter

Weinjournal, Wein

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-29 15:33:31
Letzte Änderung am 2017-12-31 00:36:16


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