• vom 16.02.2018, 00:00 Uhr

Wein

Update: 12.03.2018, 06:55 Uhr

Weinjournal

Wenn der Vater mit dem Sohne




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Von Johann Werfring

  • Punkto Blaufränkisch und Weißburgunder zählen die Gewächse aus dem Bio-Weingut Prieler in Schützen am Gebirge landesweit zu den allerfeinsten Formaten.

Georg Prieler mit seinem Vater, dem Weinbaupionier Engelbert Prieler. - © Johann Werfring

Georg Prieler mit seinem Vater, dem Weinbaupionier Engelbert Prieler. © Johann Werfring


© derpaul.at © derpaul.at

Information

Weingut Prieler
7081 Schützen am Gebirge, Hauptstraße 181

Bezugsquelle in Wien
(mit sehr vorteilhafter
Preisgestaltung):
Burgenland Vinothek
1030 Wien, Baumannstraße 3

Das Ruster Hügelland als allerletzter Ausläufer der Kalkalpen ist eine traumhaft schöne Kulturlandschaft. In diesem herrlichen – weinbaulich heute dem Leithaberg zugeordneten – Umfeld, nahe dem idyllischen Neusiedler See, treibt seit Generationen die Familie Prieler aus Schützen am Gebirge Weinbau. Den Grundstein für den Erfolg hat zweifellos bereits Georg Prieler (1914–1972) gelegt, als er begann, bei seiner gemischten Landwirtschaft einen deutlichen Fokus auf den Weinbau zu legen. Schon Anfang der 1950er-Jahre füllte er Weine in Bouteillen; neben dem angestammten Welschriesling widmete er sich auch der anspruchsvollen Sorte Weißburgunder.

Dessen Sohn Engelbert Prieler (geb. 14. September 1948)  zählt zu den Pionieren des österreichischen Rotweinanbaus. Gleichzeitig mit weiteren Vorreitern wie Anton Kollwentz, Hans Igler und Franz Schuster führte er Mitte der 1980er-Jahre die internationalen Sorten Cabernet Sauvignon sowie Merlot ein und zeigte deren Potenzial im heimischen Weinbau auf. Ungeachtet der damaligen Euphorie für Cuvées aus diesen Sorten forcierte Engelbert Prieler den angestammten Blaufränkisch in gehobenen Qualitäten. Als er Anfang der 1990er Jahre bei einer oberösterreichischen Fachverkostung seinen Goldberg präsentierte, konnten sich die Verkoster nicht genug darüber wundern, dass Prieler für einen Blaufränkischen einen höheren Preis verlangte als für die aus den vermeintlich edleren internationalen Sorten Cabernet und Merlot erzeugten Gewächse.

Blick vom Goldberg nach Schützen am Gebirge. Die Lage Goldberg ist von Glimmerschiefer mit tonigem Lehm geprägt.

Blick vom Goldberg nach Schützen am Gebirge. Die Lage Goldberg ist von Glimmerschiefer mit tonigem Lehm geprägt.© Steve Haider Blick vom Goldberg nach Schützen am Gebirge. Die Lage Goldberg ist von Glimmerschiefer mit tonigem Lehm geprägt.© Steve Haider

1999 fiel Engelbert Prieler (alias "Prieler Bertl", wie er bis heute in Weinkreisen genannt wird) ein Jahr lang wegen eines Betriebsunfalls aus. Sogleich sprang dessen Tochter Silvia Prieler, eine Mikrobiologin, in die Bresche und übernahm die Betriebsführerschaft. Deren Bruder Georg Prieler unterbrach zugleich die Vinohak in Neusiedl am See, um bis zur Gesundung des Vaters als "Hackler" auszuhelfen. In weiterer Folge etablierte sich Sivia Prieler derart erfolgreich, dass der Vater generös in den Hintergrund trat, um der Nachgeborenen ihre eigenen Ideen verwirklichen zu lassen.  Diese stellte Versuche mit St. Laurent und Pinot Noir an und gründete gemeinsam mit anderen Weinbauakteuren die Vereinigung "11 Frauen und ihre Weine" sowie den Verein Leithaberg. Großes Augenmerk legte sie auf die Erforschung des Terroirs des Leithabergs. Etliche Jahre lang bestimmte sie das Geschehen im Weingut, ehe sie sich zurückzog, um sich intensiver ihrer mittlerweile gegründeten Familie und ihren wissenschaftlichen Forschungen an der Universität Wien widmen zu können.

Georg Prieler (geb. 1. September 1984), der mittlerweile die Vinohak abgeschlossen, so manche vinophile Erkundungsreise hinter sich gebracht und im Schützener Weingut etliche Jahre Kellerverantwortung innegehabt hatte, übernahm ab der Ernte 2011 die Betriebsführung. Sein erklärtes Anliegen seither ist vor allem die weitere Optimierung der Gebietstypizität der Weine, zum anderen tüftelt er beharrlich, um den Gewächsen noch mehr Vitalität zu verleihen.

Die von alters her im Hause Prieler gekelterten Weißburgunder-Weine hat Georg Prieler, der bis heute tatkräftig vom Vater unterstützt wird, noch stärker in den Vordergrund gerückt. Der Pinot Blanc Seeberg 2016 (13,5 % Alk., 10 Euro) ist ein gehobener Klassiker, dem mit etwas Maischestandzeit (in absolut zugänglicher Weise) zu Purismus verholfen wurde. Seine Aromatik bezieht er von Pfirsichfrucht, gelber Birnenfrucht, Zitruseinsprengseln und einer feinen Haselnussnote, er hat ein ausgezeichnetes Volumen, eine vitale Spannkraft und einen gehörigen Trinkfluss. Die beiden Reserve-Weißburgunder stammen von Alten Reben und sind gleichermaßen herausragend: Der hellfruchtige, apfelduftige Leithaberg DAC Pinot Blanc Seeberg 2016 (13,5 % Alk., 17 Euro) aus einer Weinbergslage mit reinem Muschelkalk wird für Freunde geradliniger Gewächse die rechte Wahl sein, wohingegen der gravitätisch strömende, cremige Pinot Blanc Haidsatz 2016 (13,2 % Alk., 27 Euro) aus einer Riede mit Kalk und Schiefer mit gelbfruchtigen Akzenten und ganz zarten Anklängen nach Banane jenen Genießern eine Freude bereiten wird, die noch mehr Länge suchen. Angemerkt sei die wunderbare Gaumenüberraschung, die wir erlebten, als bei der Weingutsvisite der gereifte 2007er Pinot Blanc vom Seeberg ins Glas kam. Dieser wahrhaft delikate Wein aus einem exzellenten Jahrgang erbrachte den Beweis, wie sehr es sich auszahlen kann, einen Prieler’schen Premium-Weißburgunder eine gewisse Zeit im hintersten Kellereck zu verstecken.

Ausblick von der Riede Marienthal zum Neusiedler See. In dieser Lage herrscht in hohem Maße Muschelkalk vor.

Ausblick von der Riede Marienthal zum Neusiedler See. In dieser Lage herrscht in hohem Maße Muschelkalk vor.© Steve Haider Ausblick von der Riede Marienthal zum Neusiedler See. In dieser Lage herrscht in hohem Maße Muschelkalk vor.© Steve Haider

Ebenso wie im Falle der Weißburgunder darf Georg Prieler ein Händchen für feine Blaufränkisch-Qualitäten bescheinigt werden. Der saftige, fein strukturierte Blaufränkisch Johanneshöhe 2015 (13 % Alk., 10 Euro) aus einem Superjahrgang ist in seiner elegant-kühlfruchtigen Art geradezu als "Edelklassiker" anzusprechen. Der vielschichtige, komplexe Blaufränkisch Leithaberg DAC 2015 (13,5 % Alk., 23 Euro) mit nobler Heidelbeerfrucht-Ausprägung stammt von der Lage Pratschkräften, einer reinen Kalkriede, und ist in seiner kühlfruchtigen Art ein modellhafter Sortenvertreter. Die Spitze des Rotweinsortiments stellen der Blaufränkisch Goldberg und der Blaufränkisch Marienthal dar. Bei der Weingutsvisite haben wir von beiden Formaten Proben mehrerer Jahrgänge genossen, wobei der Goldberg stets die geradlinig-elegante, der Marienthal hingegen jeweils die gravitätisch-gediegene Richtung repräsentierte. Beide Weine, die im 50-Euro-Preissegment positioniert sind, zählen zum Besten, was Österreich derzeit in Rot zu bieten hat. Die Gewächse profitieren in erheblichem Maße von der von Engelbert Prieler seit Jahrzehnten durchgeführten Selektion optimaler Blaufränkisch-Reben. Ebenso wie über diese beiden exklusiven Weine wäre noch einiges über den feingliedrigen Pinot Noir und den mächtigen Cabernet Sauvignon aus dem Bio-Weingut Prieler zu berichten. Wir werden bei passender Gelegenheit darauf zurückkommen.

Print-Artikel erschienen am 16. Februar 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-13 02:04:05
Letzte Änderung am 2018-03-12 06:55:38


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