• vom 02.02.2018, 00:00 Uhr

Wein

Update: 11.03.2018, 19:44 Uhr

Weinjournal

Weine sinnvoll portionieren




  • Artikel
  • Lesenswert (21)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Für Singles und Pensionisten, die eine ganze Bouteille nicht auf einmal bewältigen können, wäre ein reichhaltiges Kleinflaschenangebot ideal. Weil es dieses hierzulande nicht gibt, ist Abhilfe nötig, um Weine vor dem Verderben zu bewahren.

Zum Portionieren von Weinen wird eine gebrauchte Kleinflasche samt Schaubverschluss gesäubert. Um Oxidation zu verhindern, soll möglichst bis oben hin aufgefüllt werden. Damit beim Auffüllen freie Sicht besteht, wird die Verkleidung vom Flaschenhals abgetrennt. - © Johann Werfring

Zum Portionieren von Weinen wird eine gebrauchte Kleinflasche samt Schaubverschluss gesäubert. Um Oxidation zu verhindern, soll möglichst bis oben hin aufgefüllt werden. Damit beim Auffüllen freie Sicht besteht, wird die Verkleidung vom Flaschenhals abgetrennt. © Johann Werfring

Oft genug sind Einzelpersonen, aber auch Paare, mit dem Inhalt einer 0,75-Liter-Bouteille bei Weitem überfordert. Bleibt ein Rest in der Flasche übrig, so besteht nicht selten die Gefahr, dass das flüssige Überbleibsel im Lauf der nächsten Tage oxidiert und somit ungenießbar wird. Bei vielen Weinen, insbesondere bei den roten, beginnt der Prozess der Oxidation schon ab dem dritten Tag. Bis zu diesem Zeitpunkt also sollte im Falle von Heimkonsum die Flasche aufgebraucht sein. Indes besteht dafür nicht immer Zeit und Muße. Freilich kann es auch vorkommen, dass man in den Folgetagen zum Weingenuss gemütsmäßig nicht so recht disponiert ist. Die Folge: Der übriggebliebene Wein wandert in den Abguss oder bestenfalls in den Kochtopf, was vor allem bei teuren Gewächsen ärgerlich ist.

Abhilfe können Weingenießer in solchen Fällen durch das Öffnen einer 0,375-Liter-Halbflasche schaffen, zumal der Konsum der darin enthaltenen drei Achterln viel leichter zu bewältigen ist als des Inhalts einer ganzen Bouteille. Da in unseren Tagen mehr Personen als je zuvor in Singlehaushalten leben, haben sich auch beim privaten Weinkonsum die Anforderungen verändert. Gerade für diese Zielgruppe scheint die Halbflasche die ideale Lösung zu sein. Wie Umfragen ergeben haben, ist die Kleinflasche aber auch für ältere Herrschaften im Ruhestand nicht uninteressant.

Ein gewisses Kontingent an Weinen in Kleinflaschen gibt es in der Burgenland Vinothek, Baumannstraße 3 in Wien-Landstraße. Auch manche Weingüter haben Weine in Kleinflaschen im Verkaufssortiment, etwa Bründlmayer, Schloss Gobelsburg, Umathum oder Hans Igler. Das größte mir bekannte Kleinflaschenangebot in Österreich hat das Restaurant Landstein in Wien- Landstraße, Ecke Landstraßer Hauptstraße/Steingasse, wo es rund 200 Positionen in 0,375-Liter-Flaschen gibt, die zu einem Spezialpreis auch über die Gasse zu beziehen sind. Alles in allem ist das Kleinflaschen-Angebot in Österreich, vergleicht man es mit jenem in Frankreich, aber leider sehr bescheiden.

Die Lösung des Problems

Wenn absehbar ist, dass zu Hause eine Bouteille nicht auf einmal zu bewältigen ist, behelfe ich mir durch Portionierung: Die Hälfte des Inhalts der 0,75-Liter- Bouteille fülle ich in eine Kleinflasche um. Der Rest, der exakt drei Achterln entspricht, wird ausgetrunken. Eine solche Menge ist solo ohnedies meist zu bewältigen.

Für den Fall der Fälle habe ich zu Hause stets eine Anzahl an Kleinflaschen vorrätig. Diese müssen penibel gesäubert sein, und zwar durch mehrfaches Auswaschen. Um die Flaschen zu trocknen, lasse ich sie zunächst verkehrt herum absickern, schnalze sie sodann rund 30 Mal kräftig gegen die Abwaschtasse aus und lasse sie hernach zwei Tage zur weiteren Ausdunstung aufrecht im Zimmer stehen.

Damit die zu befüllende Kleinflasche bis oben hin angefüllt werden kann, trenne ich die am Flaschenhals befindliche Metallverkleidung ab. Sodann besteht beim Befüllen freie Sicht. Die Flasche soll möglichst voll gefüllt und mit (ebenfalls gesäubertem) Schraubverschluss verschlossen werden. Je weniger Sauerstoff in der Flasche bleibt, desto geringer ist die Gefahr des Oxidierens. Bei einer kühlen Aufbewahrung der vollgefüllten Kleinflasche – vorzugsweise im Kühlschrank – halten sich die solcherart portionierten Weine wochenlang ohne jeglichen Qualitätsverlust.

Print-Artikel erschienen am 2. Februar 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 37





Schlagwörter

Weinjournal, Wein, Kulinarik

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-01 04:35:59
Letzte Änderung am 2018-03-11 19:44:51


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Scheiblhofer: ein Winzer als Hotelier

Werbung



Schlagwörter



Werbung