• vom 16.03.2018, 00:00 Uhr

Wein

Update: 20.03.2018, 05:39 Uhr

Weinjournal

Pannonische Weinstrategien




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Von Johann Werfring

  • Wie alljährlich stellte die burgenländische Weinwirtschaft im edlen Ambiente der Wiener Hofburg ihre Strategien vor und präsentierte sich mit ihren Gewächsen dem Publikum.

Ausnahmetalent aus Neckenmarkt: Stefan D. Wellanschitz - © Martina Lex

Ausnahmetalent aus Neckenmarkt: Stefan D. Wellanschitz © Martina Lex

Abgerundet wurde das Event durch die Verkostung von Weinen der Winzer aus der Pfalz, welche von den Burgenländern als Gastbeteiligte eingeladen waren. Spannend sind bei solchen Präsentationen immer wieder Neuerungen, die von jungen ambitionierten Weinmachern zuwege gebracht werden. In dieser Hinsicht fiel mir heuer vor allem der Neckenmarkter Winzer Stefan D. Wellanschitz mit seiner puristischen und zugleich vergnüglichen Weinlinie, für die er seit kurzem verantwortlich zeichnet, auf. Sein Blaufränkisch Altes  Weingebirge 2016, ein rarer Edelklassiker wie aus dem Bilderbuch, ist mit einem Ab-Hof-Preis von 11,50 Euro absolut empfehlenswert.

V.l.n.r.: Verena Dunst (burgenländische Agrarlandesrätin), Johannes Schmuckenschlager (österreichischer Weinbaupräsident), Matthias Siess (Obmann von Wein Burgenland).

V.l.n.r.: Verena Dunst (burgenländische Agrarlandesrätin), Johannes Schmuckenschlager (österreichischer Weinbaupräsident), Matthias Siess (Obmann von Wein Burgenland).© Johann Werfring V.l.n.r.: Verena Dunst (burgenländische Agrarlandesrätin), Johannes Schmuckenschlager (österreichischer Weinbaupräsident), Matthias Siess (Obmann von Wein Burgenland).© Johann Werfring

Beim Pressegespräch betonte die burgenländische Agrarlandesrätin Verena Dunst, dass Präsentationen wie diese auch für kleinere Weinbaubetriebe gute Möglichkeiten böten. "Der Großteil unserer Betriebe bewirtschaftet weniger als fünf Hektar Rebfläche. Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass auch für diese Betriebe Aktivitäten gesetzt werden, damit wir hier nicht an Rebfläche verlieren. Neben Maßnahmen weintouristischer Natur und klassischer Dachmarketingaufgaben sind Fachverkostungen und Präsentationen gute Möglichkeiten für diese Betriebe. Bei Präsentationen, wie jener in Wien, haben diese Betriebe die Möglichkeit sich gemeinsam mit den auch am internationalen Parkett erfolgreichen, größeren Betrieben zu präsentieren und somit auch eine ideale Plattform, um Gäste von der Qualität der Produkte, zu überzeugen", so Dunst.

Zum Weinjahrgang 2017 merkte Andreas Liegenfeld, Präsident des Burgenländischen Weinbauverbandes, an: "Die Keller sind gut gefüllt, wir haben wunderbare Qualitäten eingebracht". Zunächst hatten die Winzer im Vorjahr wegen der Frostgefahr allen Grund zur Sorge gehabt, jedoch gab es im Gegensatz zu 2016 letztlich kaum Frostschäden.  Der 2016er Jahrgang, von dem in Rot derzeit schon die Klassiker auf dem Markt sind, ist insgesamt etwas schlanker und lebhafter ausgefallen, für 2017 ist ein vergleichsweise druckvollerer Wein zu erwarten.

Glyphosat-Diskussion


Eine erfreuliche Neuerung im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeits-Zertifizierung vermeldete Österreichs Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager. Seit Jänner 2015 ist, wie in dieser Rubrik bereits ausführlich erläutert wurde, in Österreich in dieser Hinsicht eine offizielle Zertifizierung möglich. Mittlerweile gibt es eine Anzahl von Betrieben, die das Logo "Nachhaltig Austria" verwenden dürfen. War für die Erlangung der Zertifizierung zunächst noch der Einsatz des umstrittenen Herbizids Glyphosat erlaubt gewesen, so werde dieses Mittel im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeits-Zertifizierung in Kürze (noch im Lauf des Jahres 2018) nicht mehr gestattet sein, so Schmuckenschlager.

Die Burgenland-Verkostung in der Wiener Hofburg sorgte beim Publikum wieder einmal für große Begeisterung.

Die Burgenland-Verkostung in der Wiener Hofburg sorgte beim Publikum wieder einmal für große Begeisterung.© Wein Burgenland/Nicole Heiling Die Burgenland-Verkostung in der Wiener Hofburg sorgte beim Publikum wieder einmal für große Begeisterung.© Wein Burgenland/Nicole Heiling

Der von Seiten der Industrie forcierte Einsatz von Glyphosat (der Begriff ist in der Öffentlichkeit bekanntlich längst ein Reizwort) kann übrigens ganz leicht durch andere Bearbeitungsmethoden ersetzt werden. Das aufschießende Unkraut lässt sich ohne weiteres durch den Einsatz eines Stockräumgeräts in Schach halten. Indes sollten sich Konsumenten darüber im Klaren sein, dass eine solche Bearbeitung einen Mehraufwand bedeutet, da im Gegensatz zum einmaligen Glyphosat-Spritzen mehrere Traktorfahrten vonnöten sind, um die unerwünschten Gräser zu beseitigen. Wer also beim Weineinkauf Billigprodukte haben möchte, sollte sich dieser Tatsache bewusst sein.

Hinsichtlich des Exports hat Wein Burgenland die Länder Deutschland, USA, Schweiz und Slowakei als favorisierte Zielmärkte definiert. Verstärkt soll nun durch entsprechende Aktivitäten im Nachbarland Slowakei ein Bewusstsein für österreichische Qualitätsweine geschaffen werden. Am 4. Mai wird in Bratislava im Hotel Carlton SAS Radisson eine  groß angelegte Präsentation von burgenländischen Weinen über die Bühne gehen; auch die Produktion eines Burgenland-Magazins in slowakischer Sprache ist in Planung. In ähnlicher Weise wird es in Deutschland, in der Schweiz und in den USA Aktivitäten geben.

Ganz nach dem erklärten Motto "Wer nicht wirbt, der stirbt" haben die pannonischen Strategen auch für Österreich entsprechende Marketingüberlegungen angestellt. Unter anderem gibt es derzeit eine Kooperation mit dem ORF Burgenland. Ab 10. März werden bei der 26-teiligen TV-Serie "Wein ABC" Begriffe aus der Welt des Weins thematisiert. Die erste Staffel von A bis M wird bis Anfang Juni – jeweils am Samstag im Anschluss an die Sendung "Burgenland heute" – zu sehen sein.

Print-Artikel erschienen am 16. März 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-11 00:32:35
Letzte Änderung am 2018-03-20 05:39:27


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