• vom 06.04.2018, 00:00 Uhr

Wein

Update: 12.04.2018, 11:10 Uhr

Weinjournal

Burgundische Veltliner-Stadt




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Von Johann Werfring

  • Wie am Sortiment des Weinguts Taubenschuss deutlich wird, bestehen in den Rieden der transdanubischen Weinstadt Poysdorf nicht nur für angestammte Grüne Veltliner, sondern auch für edle Weißburgunder beste Anbaubedingungen.

Stadtbild mit den Kundschaftern als Wahrzeichen von Poysdorf. - © Johann Werfring

Stadtbild mit den Kundschaftern als Wahrzeichen von Poysdorf. © Johann Werfring

Thomas und Markus Taubenschuss mit Akazienholzfass.

Thomas und Markus Taubenschuss mit Akazienholzfass.© Johannes Brunnbauer Thomas und Markus Taubenschuss mit Akazienholzfass.© Johannes Brunnbauer

Bei aller Euphorie, die hierzulande in den vergangenen Jahrzehnten für die austriakische Paradeweißweinsorte Grüner Veltliner aufgekommen ist, sollte nicht darauf vergessen werden, dass eine Anzahl von heimischen Rieden auch für allerlei andere Sorten gut geeignet ist. Eine bemerkenswerte Dynamik kommt gerade beim Weißburgunder auf, um den sich Winzer in allem Weinbundesländern mit beachtlichen Erfolgen bemühen.

Zu den aktuell besten Sortenvertretern des Landes darf die Weißburgunder Selection 2013 aus dem Poysdorfer Familienweingut Taubenschuss gezählt werden. Die selektionierten – mithin besten – Trauben für dieses herrliche Gewächs kommen aus Rieden im Norden und Nordwesten der Stadt, wo tiefgründige, lehmige Lössböden vorherrschen, aber auch Kalkanteile vorhanden sind. Ein Teil des Weißburgunders gedeiht bezeichnenderweise auf dem Weißen Berg, der überhaupt die kalkhältigste Lage von Poysdorf ist.

Die Reben weisen ein Alter von bis zu vier Jahrzehnten auf; die Vergärung erfolgt nach langer Maischestandzeit größtenteils mit Naturhefen, ausgebaut wird der Wein beachtliche 35 Monate lang in großen, 2500 Liter fassenden österreichischen Akazienholzfässern. Der zarte Restzucker von 3,2 g/l ergibt in Kombination mit der Säure von 8,1 g/l eine stimmige Balance, wie man sie sich für eine solche Kreszenz nur wünschen kann. Überaus passend erscheint auch der Alkoholgehalt von 13,5 Volumsprozent, das Bukett ist gediegen zurückhaltend mit grazilen Anklängen nach Nuss, Karamell und Ananas. Der Charakter des Weins wird nicht unwesentlich von seiner spannungsgeladenen, temperamentvollen Art mit beherztem Säurespiel und Mineralik geprägt, er hat einen langen Nachhall und deutet ein Reifungspotenzial für Jahrzehnte an.

Gehaltvolle Weine wie die Weißburgunder Selection oder die Grüner Veltliner Weinviertel DAC Reserve Ried Tenn aus dem Weingut Taubenschuss sollten entsprechend belüftet werden. Die hier abgebildete Karaffe mit der Produktnummer 301.767.10 aus der Glashütte Eisch passt auch in einen Weinkühler und ins Kühlschrankseitenfach.

Gehaltvolle Weine wie die Weißburgunder Selection oder die Grüner Veltliner Weinviertel DAC Reserve Ried Tenn aus dem Weingut Taubenschuss sollten entsprechend belüftet werden. Die hier abgebildete Karaffe mit der Produktnummer 301.767.10 aus der Glashütte Eisch passt auch in einen Weinkühler und ins Kühlschrankseitenfach.© Johann Werfring Gehaltvolle Weine wie die Weißburgunder Selection oder die Grüner Veltliner Weinviertel DAC Reserve Ried Tenn aus dem Weingut Taubenschuss sollten entsprechend belüftet werden. Die hier abgebildete Karaffe mit der Produktnummer 301.767.10 aus der Glashütte Eisch passt auch in einen Weinkühler und ins Kühlschrankseitenfach.© Johann Werfring

Der Preis von 22 Euro ist wohlfeil. Auf alle Fälle sollte dieser – jetzt schon gut antrinkbare – Tropfen vor seinem Genuss eine Zeit lang belüftet werden. Erfahrungsgemäß sind hier- zulande in den meisten Haushalten Weißweinkaraffen, die in einen Kühler oder in das Kühlschrankseitenfach passen, rar, weshalb an dieser Stelle eine Empfehlung für die abgebildete, gut handhabbare Karaffe mit der Produktnummer 301.767.10 aus der Glashütte Eisch (www.eisch.de) gegeben sei (Preis: 34,80 Euro). Der "No Drop Effekt" verhindert beim Ausgießen die Entstehung von Tropfen am äußeren Glasrand (und damit eine Befleckung von Tischplatte oder Tischtuch).

Nicht von schlechten Eltern ist auch der Weißburgunder Classic 2016 (12,5 % Alk., 4 g/l Restzucker, 5,7 g/l Säure, 9,80 Euro), gewissermaßen das burschikose Geschwisterchen der beschriebenen Selektion, der mit Fug und Recht als Edelklassiker mit sehr gutem Preis-Wert-Verhältnis angesprochen werden darf. Der Wein ist geprägt vom Löss, im Bukett offenbart er viel Agrumen, auch Melisse klingt an; am Gaumen sind Schälnüsse, Leinsamen und brotige Einsprengsel zu verspüren. Gebündelt und mit guter Säurestruktur strömt er dem für seine Gewichtsklasse beachtlichen Finale entgegen.

Ganz besonders herausgehoben sei aus dem Taubenschuss’schen Sortiment, welches insgesamt gleich fünf Grüne Veltliner umfasst, schließlich ein Wein, der mir bei der kürzlich in der Wiener Hofburg über die Bühne gegangenen Weinviertel-DAC-Präsentation unter der Vielzahl der dort ausgeschenkten Rebensäfte als der bemerkenswerteste erschien: Grüner Veltliner Weinviertel DAC Reserve Ried Tenn 2015 (13 % Vol. Alk., 2,2 g/l Restzucker, 7,7 g/l Säure, 12 Euro). Im Bukett nach Rhabarber und Kräuterwürze duftend, macht sich am Gaumen Grapefruit, herbe Apfelfrucht und eine feine Zitrusnote bemerkbar. Ein erfrischender Säurebogen, bei dem reichlich Mineralik mitschwingt, sorgt für Leben. Druckvoll, gebündelt, ja geradezu fordernd verhilft dieses durch und durch gewitzte, feinkörnige, salzig geprägte Gewächs in unterschiedlichen Phasen zu wahrhaft "reizenden" Geschmackserlebnissen.

Dieser im Stahltank geschulte Wein ist sicher nichts für Säureverächter und Mainstream-Trinker. Es sei an dieser Stelle jedenfalls vermerkt, dass die von Weinsäure geprägte Struktur nicht angriffig, sondern absolut vital ist. "Im Ausschank braucht dieser Wein einen Gastronomen, der ein Kenner ist und dahintersteht", sagt Thomas Taubenschuss. Der Wein ist derzeit schon gut antrinkbar, jedoch sei auch in diesem Falle ausreichende Belüftung anempfohlen. Dass es sich hier um den einzigen Poysdorfer Rebensaft handelt, der im Etikett als "Ried Tenn" gekennzeichnet ist, erscheint bemerkenswert, zumal das Terroir mit lehmigem Löss- sowie Ton- und Schotterboden eine unverwechselbare Charakteristik aufweist.

Print-Artikel erschienen am 6. April 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-12 10:52:23
Letzte Änderung am 2018-04-12 11:10:41


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