• vom 09.07.2018, 00:00 Uhr

Wein


Weinjournal

Blaufränkisch: "Die ideale Rotweinsorte für Osteuropa"




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Nicht nur in Österreich, sondern auch international bemühen sich Weinmacher um Blaufränkisch-Weine in guter Qualität. Zu den raren Blaufränkisch-Meistern im Ausland zählt ein Rumäne mit Österreich-Connection: Edgar Brutler.

Links: Blaufränkisch-Traube am Stock; rechts: Edgar Brutler im Weinkeller. - © Johann Werfring, Nachbil

Links: Blaufränkisch-Traube am Stock; rechts: Edgar Brutler im Weinkeller. © Johann Werfring, Nachbil


© Peter Arpad © Peter Arpad

Bei der kürzlich in der Wiener Hofburg abgehaltenen Weinmesse VieVinum hatte die Österreich Weinmarketing (ÖWM) ein interessantes Event als Rahmenprogramm organisiert: Eine Anzahl an österreichischen Blaufränkischen wurde Gewächsen derselben Sorte aus Deutschland, aus der Slowakei, aus Slowenien, aus Tschechien, aus Ungarn und aus den USA gegenübergestellt. Freilich war es mir nicht möglich, lückenlos alle ausländischen Tröpfchen (insgesamt waren es 96) zu verkosten, jedoch konnte ich mir zumindest einen Überblick über die Erzeuger, deren Weine und ihre Stilistik verschaffen.

Aus Deutschland fiel mir insbesondere das Weingut Dautel (Württemberg) auf, das mit seinem 2014er Lemberger Großes Gewächs Michaelsberg ein elegantes, ausgewogenes Tröpfchen mitgebracht hatte. Aus Slowenien präsentierte das Weingut Kmetija Kobal einen feinfruchtigen, balancierten 2016er Modra Frankinja. Aus New York State in den USA waren etliche Erzeuger aus der Gegend des Seneca Lake angereist. Bei deren "Lembergern" war deutlich ein Zug zur Qualität zu verspüren (zum Teil vermarkten sie auch unter den Bezeichnungen "Blaufrankish" und "Blau").

Information

Weingut Brutler & Lieb: 2016 Blaufränkisch Nachbil (13 % Alk., 16 Euro):
Satte Kirschfrucht, hintennach Heidelbeereinsprengsel, einladend und elegant, fein strukturiert, dicht gewoben, trocken und edelherb, ungekünstelt, erdig, maskulin geprägt, gute Balance, aufrechte Machart, interessante Sorteninterpretation, anhaltend im Abgang.

Bezugsquelle in Wien: Weinskandal, 1030 Wien, Ungargasse 28, Tel. 0676/838 581 82, www.weinskandal.at

Die allermeisten Erzeuger hinken mit ihren Weinen hinter dem österreichischen Blaufränkisch-Spitzensegment ganz deutlich hinterher. Vor allem in Ungarn, aber auch in anderen Ländern befindet sich der Blaufränkische mit viel zu warmfruchtiger und allzu holzlastiger Ausbauweise sowie offensivem Fruchtbukett auf einer Stufe, auf der sich viele österreichische Gewächse vor 10 bis 20 Jahren befanden. Man darf gespannt sein, was die weitere Entwicklung in diesen Ländern bringt. Für österreichische exportorientierte Winzer kann es nur vorteilhaft sein, wenn durch solche Bemühungen das Renommee des Blaufränkischen im Ausland steigt beziehungsweise wenn dadurch die Sorte in diesen Ländern überhaupt wahrgenommen wird.

Highlight aus Rumänien

Mit Abstand als interessantestes ausländisches Gewächs erschien mir bei dieser Veranstaltung der Blaufränkische aus dem Weingut Brutler & Lieb aus Rumänien. Edgar Brutler, der für die Erzeugung des rumänischen Blaufränkischen verantwortlich ist, hat eine spezielle Österreich-Connection: Er war von 2006 bis 2017 Kellermeister im Joiser Weingut Leo Hillinger und arbeitet heute in derselben Funktion im Weingut des renommierten Göttlesbrunner Winzers Gerhard Markowitsch. Bei Hillinger hatte er im Zuge der Umstellung auf bio die Möglichkeit, diverse (unkonventionelle) Raw-Wine-Probe-Vinifizierungen vorzunehmen.

Bei seiner "Nachbil" genannten rumänischen Weingutslinie wird seit 2010 biologisch gewirtschaftet, seit 2017 gibt es auch eine Bio-Zertifizierung. Die Familie Brutler zählt in Rumänien zur Minderheit der Donauschwaben. "Bil" bedeutet Bühel, insofern ist unter Nachbil die Rückseite des Hügels zu verstehen. Auch bei der Bezeichnung des Weins als "Blaufränkisch", so Brutler, komme das Selbstverständnis als Angehörige der deutschsprachigen Minderheit zum Ausdruck.

Edgar Brutlers Großvater war einst Vorstand einer großen Kolchose mit Schwerpunkt Wein gewesen. Seine Eltern waren 1982 nach Deutschland ausgewandert. Nach der rumänischen Revolution von 1989 bekam die Familie einen Teil ihrer ehemaligen landwirtschaftlichen Besitzungen zurück. Die wiedererlangte Fläche im Ausmaß von sieben Hektar wurde von den Eltern, die 1999 in Rumänien Weinbau zu treiben begannen, durch Zukauf noch weiter aufgestockt. Gemeinsam mit einem Partner wurde "Brutler und Lieb" gegründet. Das Unternehmen besteht heute aus zwei Bewirtschaftungs- und Vertriebsschienen: Während sich das eine Segment auf internationale Sorten und Stilistik konzentriert, fokussiert Brutler unter der Bezeichnung "Nachbil" auf Blaufränkisch sowie auf traditionell in Rumänien angebaute Sorten wie Grünspitz oder Fetească neagră.

Seine Nachbil-Weine, darunter – wie erwähnt – der Blaufränkische, vinifiziert Edgar Brutler, der in Geisenheim ein Weinbaustudium abgeschlossen hat, schonend, und zwar unter Verwendung von Naturhefen, ohne Filtration und Schönung und mit minimalem Schwefel- sowie Holzeinsatz. Da er in Österreich einem Vollzeitberuf nachgeht, managt er Vieles aus der Ferne, indem er seinen Leuten vor Ort telefonisch die entsprechenden Anweisungen gibt. Freilich ist er in der entscheidenden Phase der Weinlesezeit persönlich vor Ort. Dies ist möglich, weil im wärmeren Rumänien früher gelesen wird als in Österreich.

Die exakte Abstimmung des Lesezeitpunkts ist in Rumänien sehr wichtig, damit der Blaufränkische seine Balance erreicht. Der Blaufränkische ist für Edgar Brutler "eine der spannendsten Rebsorten für Rotwein überhaupt". Er erachte Blaufränkisch als "die ideale Rotweinsorte für Osteuropa".

Edgar Brutler wohnt im Burgenland und ist mit österreichischen Top-Blaufränkisch-Erzeugern laufend im fachlichen Austausch. Sein aktueller Nachbil-Blaufränkisch des Jahrgangs 2016 ist um 16 Euro im Wiener Naturwein-Shop "Weinskandal" zu beziehen. Im Preissegment zwischen 12,50 und 22 Euro sind dort auch weitere Nachbil-Weine, etwa ein autochthoner rumänischer Rotwein der Sorte Fetească neagră oder der schon erwähnte Grünspitz, erhältlich.

Print-Artikel erschienen am 6. Juli 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-06 17:06:36
Letzte Änderung am 2018-07-08 00:26:43


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Blaufränkisch: "Die ideale Rotweinsorte für Osteuropa"

Werbung




Werbung