• vom 22.04.2016, 08:00 Uhr

Wein

Update: 14.02.2018, 21:34 Uhr

Weinjournal

Wo die Mosel am steilsten ist




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Von Johann Werfring

  • Geraume Zeit galten auch informierten österreichischen Weinfreunden die Gewächse von der Mosel als allzu süß und leichtgewichtig, ja geradezu einseitig. Clemens Busch, der sich schon seit Langem dem ökologischen Weinbau verschrieben hat, zählt zu jenen Topwinzern, die derartige Vorurteile eindrucksvoll widerlegen.

Die Parzelle "Falkenlay" ist ein Teilbereich der Lage Marienburg. Die Bezeichnung verweist darauf, dass in den Steinbrüchen rund um diesen Bereich Falken nisten. - © Andreas Durst

Die Parzelle "Falkenlay" ist ein Teilbereich der Lage Marienburg. Die Bezeichnung verweist darauf, dass in den Steinbrüchen rund um diesen Bereich Falken nisten. © Andreas Durst

Schon als Vorgeschmack auf die vom 4. bis 6. Juni 2016 in der Wiener Hofburg stattfindende internationale Weinmesse VieVinum sei auf einen herausragenden, in diesem Rahmen als Gastwinzer auftretenden Akteur aus Deutschland hingewiesen: Clemens Busch. Seine biologisch erzeugten, puristischen Weine sind in entsprechender Bandbreite auch in der Weinhandlung Punkt 404 in der Bräuhausgasse 40 in Wien-Margareten vorhanden.

Clemens und Rita Busch haben das 1802 erstmals urkundlich erwähnte, elf Hektar Rebfläche umfassende Weingut im Jahr 1986 übernommen und seither nach ökologischen Kriterien bearbeitet. Mittlerweile ist auch Sohn Florian in den Betrieb integriert, der sich besonders um die biodynamischen Aspekte im Weinbau kümmert. Das Gutshaus der Familie liegt direkt am Moselufer, wo einige der spektakulärsten Lagen dieses Bereichs situiert sind. Der Weinort Pünderich befindet sich am Eingang des Moselbogens Zeller Hamm und ist – je nach Blickrichtung – entweder noch an der Mittelmosel oder am Beginn der Terrassenmosel zu orten.

Schiefer in rot, blau und grau

Information

Weingut Clemens Busch
D-56862 Pünderich, Kirchstraße 37
www.clemens-busch.de

Bezugsquelle in Wien:
Punkt 404
1050 Wien, Bräuhausgasse 40
www.punkt404.at

Angebaut wird nahezu ausschließlich Riesling, der auf den Schieferböden der Lage Marienburg seine ganze Größe entfalten kann, sowie etwas Müller-Thurgau und Spätburgunder. Es fügt sich wunderbar, dass im Umkreis der Lage Marienburg Schiefer in drei verschiedenen Tönungen vorkommt, nämlich als grauer und blauer Schiefer sowie als seltener rot getönter. Diese verschiedenartigen Unterböden in den einzelnen Parzellen bringen auch durchaus verschiedene Aromenbögen hervor. So sind die Weine vom grauen Schiefer eher zart und feinstrahlig gehalten und jene vom blauen Schiefer sehr kühl und elegant, wobei die Gesteinsnote hier wohl am stärksten zutage tritt. Sozusagen die gemütlichsten Weine, die von Anfang an überaus rund und fruchttief wirken, kommen dann vom roten Schiefer.

Clemens Busch ist Mitglied der biodynamischen Gruppe "respekt-Biodyn", der auch eine Reihe von österreichischen Top-Winzern angehört.

Clemens Busch ist Mitglied der biodynamischen Gruppe "respekt-Biodyn", der auch eine Reihe von österreichischen Top-Winzern angehört.© Andreas Durst Clemens Busch ist Mitglied der biodynamischen Gruppe "respekt-Biodyn", der auch eine Reihe von österreichischen Top-Winzern angehört.© Andreas Durst

Grundsätzlich werden im Ausbau trockene Weine mit intensiver Mineralität angestrebt, wobei in Jahren mit hoher Reife auch etwas Restzucker gerne in Kauf genommen wird. Die spontane Vergärung erfolgt dann langsam und geduldig. Eine Mazeration des Traubengutes findet je nach Möglichkeit statt, im herausfordernden Jahrgang 2014 hat sie sich auf drei Stunden Maischekontakt beschränkt. Nach langsamer Pressung kommen die Jungweine dann durchwegs in große Holzfässer mit 1000 Liter Inhalt, sogenannte Moselfuder, die zum Großteil schon 50 Jahre oder länger in Verwendung stehen. 2015 konnte durchwegs gesundes Traubengut gelesen werden, das mit gutem Mostgewicht und passendem Säuregehalt versehen ist. Die am gegenüberliegenden Flussufer gelegenen, zum Teil enorm steilen Weinberge werden nicht nur nach den Lagen Pündericher Marienburg und Pündericher Nonnengarten benannt, sondern nach den einzelnen Parzellen, die auch, wenn es sich um kleinere Mengen handelt, samt und sonders eigenständig ausgebaut werden. Der Charakter dieser einzelnen Fraktionen – die wichtigsten sind wohl Falkenlay, Fahrlay, Rothenpfad und Felsterrasse – ist so unterschiedlich, dass die Vermengung in einer Cuvée zwar denkbar, aber wirklich schade wäre.

Degustationsnotizen

2014 Riesling vom grauen Schiefer
Pikant, feinfühlig, mineralisch getönt, verspielt, subtile Art – ein typischer Moselaner zu einem günstigen Preis.

2014 Riesling vom roten Schiefer
Ziseliert und lebhaft, rote Ribiseln und Stachelbeeren, funkelt so richtig, eine Spur von Restzucker ist bestens eingebunden.

2014 Riesling Marienburg Rothenpfad
Das seltene rötliche Schiefergestein verleiht tatsächlich rotbeerigen Schmelz, gebündelt und fast muskulös, arbeitet so richtig am Gaumen, benötigt noch etwas Zeit, um sich zu entfalten und wird im November auf den Markt kommen.

2014 Riesling Marienburg Fahrlay
Der blaue Schiefer erbringt kühle Eleganz und pfeffrige Würze; ein recht reichhaltiger, erfrischender und äußerst Terroirbetonter Wein mit messerscharfer Definition und guter Länge.

2014 Riesling Marienburg Falkenlay
Der graue Schiefer wirkt stets subtil und zurückhaltend, ein feinstrahliger Riesling mit einem Hauch von Botrytis, reich und fest verwoben, die rotbeerige Frucht kommt vor dem langen Abgang, ob man diesen Wein oder seinen (noch erhältlichen) Vorgänger vorzieht, ist eine persönliche Geschmacksfrage.

2013 Riesling Marienburg Raffes
Ebenfalls vom grauen Schiefer und mit einer Spur Restzucker versehen, präsentiert sich ein nach Nektarinen und Marillenröster duftender, kraftvoller und gediegener Riesling, der auch viel Finesse ins Spiel bringt, extraktsüß und lang, erst am Beginn der Entwicklung. Von dieser winzigen Lage wird im Herbst übrigens erst der Jahrgang 2009 in den Verkauf kommen.

2013 Riesling Marienburg Rothenpfad
Pikant und fordernd, Buketteindrücke nach Stachelbeeren und weißen Ribiseln, recht apart und gebündelt, leichter Restzucker, feines Süße-Säure-Spiel, rassiger Nachhall.

2012 Riesling Rothenpfad
Duftig und zartblumig, erinnert an Mirabellen und Ringlotten, subtil und leichtfüßig bei schlanker Statur, vielfältig und elegant, einige Länge.

2010 Riesling Marienburg Fahrlay
Eine Spur von Petrol und Blankleder verfliegt rasch, dann Ananasfrucht und Melone, zarte Botrytis-Tönung, reichhaltig und kraftvoll, sehr balanciert, jetzt am Punkt – für Freunde leicht gereifter Rieslinge bestens zu empfehlen, übrigens wirkt der 2005er-Riesling aus der gleichen Lage beinahe noch jünger und lebhafter.

Print-Artikel erschienen am 22. April 2016
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34–35





Schlagwörter

Weinjournal, Wein, Biowein, Riesling

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-04-23 00:00:44
Letzte Änderung am 2018-02-14 21:34:19


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