• vom 30.11.2018, 18:00 Uhr

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T.C. Boyle, Popstar der Weltliteratur




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Von Gerhard Strejcek

  • Er schreibt über Außenseiter, Minderheiten und die gefährdete Umwelt: Zum 70er des US-Autors.



Exzessiver Autor, eloquenter Vortragender: T.C. Boyle nach einer Lesung in Wien, 2012.

Exzessiver Autor, eloquenter Vortragender: T.C. Boyle nach einer Lesung in Wien, 2012.© Martin Prechelmacher Exzessiver Autor, eloquenter Vortragender: T.C. Boyle nach einer Lesung in Wien, 2012.© Martin Prechelmacher

Am 2. Dezember wird der amerikanische Autor Thomas Coraghessan Boyle siebzig Jahre alt, der gerne mit Dickens oder Updike, aber auch mit Punks, Hippies und Rockstars verglichen wird. Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich, und so passen diese Epitheta nicht so recht zusammen, autobiografisch-authentisch wäre nur der Punk (Boyle: "Ich bin ein Punk, der Regeln will").

Ein Geschenk in Form eines neuen, psychedelischen Romans ("Das Licht"/"Outside Looking In" im Original) bringt er in Kürze - die Lesereise nach Europa startet im Jänner 2019 - im Handgepäck mit. Von Greisenhaftigkeit weit entfernt ("70 ist das neue 50!"), kann der an der University of Southern California lehrende Literatur-Professor stolz darauf verweisen, ziemlich genauso alt wie die Erklärung der Menschenrechte zu sein, die von der Hauptversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 verkündet wurde.

Auf seine eigene, kunstvoll-bilderreiche Art wirkt der immer "casual" gekleidete Boyle als Pro-tagonist und Verfechter der Menschenrechte, denn ein Großteil seiner Prosa gilt benachteiligten Personen und Outsidern, verwundbaren Minderheiten und der gefährdeten Umwelt. Vorausschauend und zugleich rückblickend warnt er vor Experimenten in virtuellen Lebensräumen wie in "Die Terranauten" (2017).

Schwarzer Humorist

Wie sein Lehrer John Irving, bei dem Boyle in Iowa in die "Schreibschule" ging, versteht er es, aus Katastrophen pechschwarze Humoresken zu gestalten - zuletzt in "Balto", einer der zwanzig Stories in "Good Home" (2018). Indem der Leser schmunzelt, wächst sein Verständnis für das Schicksal der Akteure, die Boyle oft aus historischen Figuren auswählt. Dieses Muster wandte er schon 1982 auf den schottischen Afrika-Forscher Munro an, dessen Erfolge und Scheitern am Niger er in dem Roman "Water Music" schilderte. Eine andere reale Figur ist Alfred Kinsey ("Dr. Sex"), den Boyle als sexsüchtig beschreibt.

Bizarre Wendungen und Metaphern durchziehen Boyles Prosa, für manche überdosiert, andere Leser delektieren sich an unkonventionellen Bildern, wie etwa jenem eines simplen Begrüßungs- rituals: Eine kalte Mädchenhand fühlt sich an wie die "glotzäugigen Barsche", die ein Student im Biolabor sezieren muss ("World’s End"). Falter strömen "wie Konfetti" in die Kuppel eines Doms, eine Naturheilerin hat ein Gesicht "wie eine Senkgrube", ein "Marimba-Geprassel von Steinen" ergießt sich bei einer Vollbremsung auf den Fahrzeug-Unterboden ("América").




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-30 14:52:38
Letzte Änderung am 2018-11-30 15:58:47


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