• vom 15.01.2019, 11:30 Uhr

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Update: 15.01.2019, 12:58 Uhr

Sachbuch

Es war doch alles ganz anders




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Von Mathias Ziegler

  • "New York liegt im Neandertal": Architekt Ernst W. Heine geht mit seiner Menschheitsgeschichte auf Konfrontationskurs zu tradiertem Schulbuchwissen.

Wer hat die Pyramiden gebaut? Die alten Ägypter waren es nicht, ist Heine überzeugt. - © afp/Joseph Eid

Wer hat die Pyramiden gebaut? Die alten Ägypter waren es nicht, ist Heine überzeugt. © afp/Joseph Eid



E.W. Heine: "New York liegt im Neandertal". Terra Mater 2018, 240 Seiten, 20 Euro.

E.W. Heine: "New York liegt im Neandertal". Terra Mater 2018, 240 Seiten, 20 Euro. E.W. Heine: "New York liegt im Neandertal". Terra Mater 2018, 240 Seiten, 20 Euro.

1986 hat Ernst Wilhelm Heine die Geschichte des Menschen aus seiner Sicht als Architekt erzählt: Der Subtitel von "New York liegt im Neandertal" lautete damals: "Die abenteuerliche Geschichte des Menschen von der Höhle bis zum Hochhaus". 33 Jahre später hat Heine sein Werk adaptiert und dem 21. Jahrhundert angepasst: "Die abenteuerliche Geschichte des Menschen von der Höhle bis zum virtuellen Raum" geht nun also einen Schritt weiter - und liest sich immer noch genauso interessant wir in den 1980ern. Abenteuerlich sind vor allem die Schlüsse, die er als Architekt bei der Betrachtung uralter Bauwerke zieht.

Sein Ansatz ist, die Geschichte der Menschheit anhand ihrer Architektur aufzuarbeiten. Schriftlichen Quellen kann man laut Heine oft nicht trauen - Gebäude aber lügen nicht. Die stehen da, so wie sie einst errichtet wurden, als Zeugen ihrer jeweiligen Epoche, deren Spiegelbild sie wie kein anderes Kunstwerk sind. Er ist überzeugt, dass die Menschen früher einen ganz anderen Bezug zu ihren Häusern hatten als heute in Zeiten von Fertigteilbauten und Mietwohnungen. "Dabei liegt die Gestaltung des Raumes in der Natur des Menschen", so Heine.

Information

Sachbuch
New York liegt im Neandertal - Die abenteuerliche Geschichte des Menschen von der Höhle bis zum virtuellen Raum
E. W. Heine, Terra Mater 2018,
240 Seiten, 20 Euro.

Die ganz und gar unägyptische Cheops-Pyramide

Dass Heine Architekt und kein studierter Historiker ist, nutzt er zu seinem Vorteil, weil er sich damit in kein wissenschaftliches Korsett zwängt. Frisch von der Leber weg lässt er seinen Assoziationen freien Lauf und teilt mit seinen Lesern, was ihm in den Sinn kommt, wenn er sich mit unterschiedlichen Baustilen befasst. Warum er das tut, erklärt er zu Beginn: "Die Geschichte der Menschheit ist der spannendste Roman, der je geschrieben wurde, aber er liest sich in den meisten Geschichtsbüchern wie ein Kursbuch der Eisenbahn." Heine setzt sich daher zum Ziel, sie mit Leben zu füllen. Mit jenem Leben, das einst auch die Gebäude erdacht, errichtet und genutzt hat. Dabei wirft er mitunter auch tradiertes Schulbuchwissen total über den Haufen.

Zum Beispiel bei der Cheops-Pyramide: Heine zollt als Architekt den Erbauern seine allergrößte Bewunderung und weist auf die vielen beeindruckenden und teilweise absolut rätselhaften Details hin, ehe er seine Überzeugung kundtut, dass dieser Monumentalbau als architektonischer Höhepunkt des Altertums am Nil nicht vom namensgebenden ägyptischen Pharao in Auftrag gegeben worden sein kann, sondern schon vorhanden gewesen und von ihm okkupiert worden sein muss. Und dass sie auch ganz anders gebaut worden sein muss, als wir es in der Schule gelernt haben.

Heine traut dem antiken Historiker Herodot hier mehr als der modernen Geschichtsforschung. Die Geschichte Ägyptens, so der Autor, müsse viel älter sein als die landläufig angenommenen 6500 Jahre. Und: Die Pyramide habe mit der späteren ägyptischen Kultur nichts gemeinsam und sei ein reiner Zweckbau "wie ein Atomreaktor oder ein Spiegelteleskop". Sie sei "nicht auf visuelle Wirkung ausgelegt, sondern auf präzises Funktionieren". Und wenn er dann auch noch rätselhafte kosmische Strahlung und magnetische Schwingungen im Inneren der Pyramide anspricht und Parallelen zu heutigen Laserstrahlen zieht, wird es überhaupt für die einen endgültig abstrus - und für die anderen so richtig spannend.




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Dokument erstellt am 2019-01-14 15:59:28
Letzte Änderung am 2019-01-15 12:58:28



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