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Else Lasker Schüler, alias "Prinz Jussuf von Theben"




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Von Oliver Bentz

  • Die deutsche Avantgardistin schuf in poetischen und zeichnerischen Arbeiten eigenen Welte. Zu ihrem 150. Geburtstag am 11. Februar.



Avantgardistin der Moderne: Else Lasker-Schüler (1933).

Avantgardistin der Moderne: Else Lasker-Schüler (1933).© ullstein bild - ullstein bild Avantgardistin der Moderne: Else Lasker-Schüler (1933).© ullstein bild - ullstein bild

In einer biographischen Skizze schrieb Else Lasker-Schüler über ihr Leben: "Ich bin in Theben (Ägypten) geboren, wenn ich auch in Elberfeld zur Welt kam im Rheinland. Ich ging bis elf Jahre zur Schule, wurde Robinson, lebte fünf Jahre im Morgenlande, und seitdem vegetiere ich (. . .). In Gedanken im Himmel, betreue ich die Stadt Theben und bin ihr Prinz Jussuf. Meine Bücher laufen so herum und werden einmal im Meer ertrinken. Früher habe ichs manchmal nicht geglaubt, jetzt aber weiß ich es; ich bin die Else Lasker-Schüler - leider."

Träumerin und Traumdeuterin zugleich war Else Lasker-Schüler, diese Dichterin, Dramatikerin und Zeichnerin, die am 11. Februar 1869 in Elberfeld (heute ein Viertel der südlich des Ruhrgebiets liegenden Stadt Wuppertal) zur Welt kam. Sie interessierte sich - wie auch der zu Poesie gewordene Lebensabriss zeigt - wenig für das, was Biografen die Fakten eines Menschenlebens nennen. Wenn sie schrieb, ging es ihr weniger um Dichtung und Wahrheit, sondern um Dichtung als persönliche Wahrheit - oder, um es in Else Lasker-Schülers eigenen Worten auszudrücken, um Dichtung als "Blüte der Wahrheit".

Königin der Bohème

Else Lasker-Schüler, für den jüngeren Dichterkollegen Gottfried Benn, mit dem sie um 1912 eine künstlerisch sehr fruchtbare Liebesbeziehung verband, "die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte", für Friedrich Dürrenmatt die "Retterin der deutschen Sprache in barbarischer Zeit", und für Karl Kraus "die größte unwegsamste Erscheinung des modernen Deutschland", gilt heute als eine der herausragenden Lyrikerinnen des Expressionismus.

Die poetische Kraft für ihr stark autobiographisch geprägtes, aber der Welt enthobenes dichterisches und künstlerisches Werk zog Else Lasker-Schüler auch aus ihren Wurzeln im assimilierten, liberalen jüdischen Bürgertum, in das sie als jüngstes von sechs Kindern des Handelsagenten und späteren Privatbankiers Aron Schüler und dessen Ehefrau Jeanette hineingeboren wurde.

Die 1894 geschlossene Ehe mit dem Arzt Berthold Lasker ermöglichte ihr die Flucht aus der Enge der Heimatstadt in die erwachende Kunstmetropole Berlin. Dort nahm sie Zeichenunterricht und fand in den unbürgerlichen literarischen und weltanschaulichen Zirkeln wie der "Neuen Gemeinschaft" um die Brüder Hart und den Vagantendichter Peter Hille, der ihr Mentor wurde, ihre intellektuelle Befreiung. Bald avancierte sie zur Leitfigur dieser Szene, zur "Königin der Bohème", der sie 1906 in ihrem "Peter Hille-Buch" in einer hochexpressiven Sprache und poetisch-mythischen Überhöhung ein literarisches Denkmal setzte - und mit dem sie auch ihre Selbstmythisierung begann.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-08 15:05:08
Letzte Änderung am 2019-02-08 15:30:22



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