• vom 22.10.2012, 13:45 Uhr

Autoren

Update: 22.10.2012, 13:59 Uhr

Historikerin erhält Buchhandels-Ehrenpreis

Hamann prägte Habsburg




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Gebürtige Deutsche beschäftigte sich intensiv mit der österreichischen Geschichte.

Wien. Die Historikerin Brigitte Hamann prägte das Bild der Habsburger, schrieb Bücher über Wolfgang Amadeus Mozart und Adolf Hitler. Und das nicht obwohl, sondern weil sie gebürtige Deutsche ist: "Ich hatte einen anderen Blick auf Österreich und begann mit einer gewissen Distanz zu schreiben", sagte sie einmal in einem APA-Interview.


"Brigitte Hamann legt mit dem objektiven Blick einer nicht gebürtigen Österreicherin die Identität dieses Landes offen", heißt es nun in der Jurybegründung für die Zuerkennung des Ehrenpreises des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln, den die 72-Jährige am 22. November verliehen bekommt.

Journalistin und Historikerin

Geboren wurde die Volksbildnerin in Sachen Geschichte als Brigitte Deitert am 26. Juli 1940 in Essen. Sie studierte Germanistik und Geschichte in Münster und an der Universität Wien. 1963 legte sie ein Examen als Realschullehrerin ab und versuchte sich anschließend bei der Deutschen Presseagentur als Volontärin und bei einer Essener Zeitung als Redakteurin. 1965 heiratete sie den 1994 verstorbenen Wiener Historiker und Universitätsprofessor Günther Hamann, den sie auch als Assistentin unterstützte.

Im Alter von fast 40 Jahren schloss sie ihre Doktorarbeit über das Leben von Kronprinz Rudolf ab. Im gleichen Jahr, 1978, arbeitete sie ihre Dissertation zu einem Buch um: "Rudolf, Kronprinz und Rebell" bescherte ihr sogleich den Durchbruch als Autorin. Fast 30 Jahre später diente das Buch als Grundlage für Robert Dornhelms 2006 ausgestrahlten Fernsehfilm-Zweiteiler "Kronprinz Rudolf", dem die Historikerin als Beraterin zur Seite stand.

"Elisabeth, Kaiserin wider Willen"

1981 folgte ihre bis heute wohl bekannteste Biografie, "Elisabeth, Kaiserin wider Willen", die weltweit Anklang fand und in viele Sprachen übersetzt wurde. Neben weiteren Werken über die Habsburger, Winifred Wagner und Bertha von Suttner wandte sich Hamann der Zeitgeschichte und heiklen, gemeinsamen deutsch-österreichischen Themen zu. "Hitlers Wien, Lehrjahre eines Diktators" aus dem Jahr 1996 wurde zu einen Standardwerk. Anlässlich des Mozart-Jahres 2006 veröffentlichte Hamann den umfangreichen Band "Mozart - Sein Leben und seine Zeit". Im Jahr 2008 veröffentlichte Hamann "Hitlers Edeljude, Das Leben des Armenarztes Eduard Bloch", zuletzt erschien "Österreich. Ein historisches Porträt" (2009).

"Hitlers Lügengeschichten" kommentiert herausgeben

Die Historikerin, die seit beinahe 50 Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, nimmt auch immer wieder in der Öffentlichkeit zu historischen, zeitgeschichtlichen oder politischen Themen Stellung. So forderte sie unter anderem eine kommentierte Neuausgabe von "Mein Kampf", "damit die jüngere Generation nicht auf all die Lügengeschichten Hitlers reinfällt".

In der Zuerkennung des Ehrenpreises wird ihre Tätigkeit als "gefragte Kommentatorin zeitgeschichtlicher Entwicklungen" und als "Mahnerin" explizit hervorgehoben: "In ihren Arbeiten appelliert sie, alles zu tun, um die Entstehung sozialer Gegensätze und wirtschaftlicher Notlagen zu vermeiden, wie sie etwa zum Aufstieg des Nationalsozialismus beigetragen haben. Insbesondere vor dem Hintergrund aktueller krisenhafter Situationen in Europa sind mahnende Stimmen wie jene von Brigitte Hamann unverzichtbar."

Brigitte Hamann wurde bisher u. a. mit dem Anton-Wildgans-Preis (1995), dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (1998), dem Ehrenpreis des Presseclubs Concordia (2002), dem Preis der Stadt Wien für Publizistik (2004) sowie mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Silber (2006) ausgezeichnet. Den bisher letzten Buchhandels-Ehrenpreis erhielt im Vorjahr der Autor Alfred Komarek.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-10-22 13:46:14
Letzte Änderung am 2012-10-22 13:59:01


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kurz ist gut
  2. und wos is mitn montog?
  3. Klare Sicht über die Grenzen
Meistkommentiert
  1. Lieber ein Gutmensch als ein "Schlechtmensch"

Werbung





Werbung