• vom 19.12.2012, 14:31 Uhr

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Update: 19.12.2012, 15:32 Uhr

Biografie

Wie es war und was es ist




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Von Ulrike Kozeschnik-Schlick

  • Catherine Fried erinnert sich an das Leben mit ihrem Mann Erich Fried
  • Der Dichter schrieb Liebesgedichte - nur nicht an seine Frau.

Catherine Fried, Erich Frieds Witwe, auf Wienbesuch. Der Anlass: die Enthüllung der Steine der Erinnerung für Frieds Vater Hugo, der im Mai 1938 von der Gestapo tödlich verletzt wurde, und für seine geliebte Großmutter Malvine, die 1943 im KZ Auschwitz starb, am Haus in der Alserbachstraße 11: Dort hat Fried seine Kindheit und Jugend verbrachte, ehe er als 17-Jähriger nach England emigrieren musste.

Catherine Fried an der Seite ihres Mannes, des Dichters Erich Fried.

Catherine Fried an der Seite ihres Mannes, des Dichters Erich Fried.© Foto; Günter Zint Catherine Fried an der Seite ihres Mannes, des Dichters Erich Fried.© Foto; Günter Zint

Catherine Fried (76) erinnert sich im Interview mit der "Wiener Zeitung" an 24 Jahre Ehe mit dem in Österreich geborenen deutschen Dichter.


"Wiener Zeitung":In Wien haben Sie Anfang der 60er Jahre Ihren späteren Mann kennengelernt, in jener Stadt, die er noch als Schüler verlassen musste, die für ihn mit so vielen schrecklichen Erinnerungen verbunden war. Was empfinden Sie heute für diese Stadt?

Catherine Fried: Mit Wien verbindet mich eine Art Erinnerung, die sich nicht an einer Sache festmachen lässt. Das erste Treffen, bei dem ich Erich ziemlich klein, ziemlich dick und ziemlich hässlich fand, also keineswegs eine Liebe auf den ersten Blick, nichts Romantisches. Wien war lange Jahre Erichs Alptraum, er schaffte es ja nicht einmal, mit Budapest zurechtzukommen, weil es ihn an Wien erinnerte. Erst in den 1980ern besuchten wir erstmals gemeinsam die alte Wohnung am Alsergrund, wo jetzt die Tafeln angebracht sind. Und gleich daneben sein berühmtestes Gedicht "Was es ist".

Information

Catherine Fried: Über kurz oder lang. Erinnerungen an Erich Fried. Wagenbach Verlag, 139 Seiten, 15,90 Euro.

Ich weiß von ihm, wie sehr er seine Großmutter Malvine liebte - sie hat ihn ja großteils aufgezogen - und wie er so gar nicht mit seinem Vater zurechtkam. Erich wollte sogar unsere Tochter Malvine nennen. Unmöglich, stellen Sie sich das auf Englisch vor! Aber eines ist sicher, das habe ich auch bei der Gedenkfeier gesagt: Erich war froh, vor seines Vaters Tod seinen Frieden mit ihm gemacht zu haben. Es ist übrigens großartig, dass es in Wien die Steine der Erinnerung gibt. Ich kannte diese Art der Aufarbeitung der Vergangenheit bisher nur aus Berlin.

Im Vorjahr waren Sie in Begleitung Ihres Sohnes Klaus in Wien?

Es war November, wir standen vor dem Haus, konnten aber nicht hinein. Es nieselte und war kalt, und Klaus war deprimiert. Da entdeckten wir am Eck einen Shop mit Namen "Bambie" und mussten lachen. Und gleich daneben den Eingang zum Elektroladen von Erichs Freund Ernst Eisenmaier, der später auch emigrierte, ein begabter Maler. Animiert durch ihn hat Erich als Bub eine "ewige" Glühbirne erfunden, deren Patent noch heute in der Nationalbibliothek aufliegt. Wie übrigens Erichs Nachlass, bei dessen wohlgeordnetem Anblick mein Sohn ausrief: "Das kann nicht meinem Vater gehören." Weil der alles in einem Chaos von Büchsen, Schachteln und fliegenden Blättern verwahrt hatte, einfach nichts wegwerfen konnte.

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Dokument erstellt am 2012-12-19 14:35:04
Letzte Änderung am 2012-12-19 15:32:37


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