• vom 08.01.2014, 15:40 Uhr

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Update: 08.01.2014, 15:52 Uhr

Kriminalroman

"Einen bösen Dialog basteln"




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Von Michael Pöppl

  • Das Autorenduo Petra Hartlieb und Claus-Ulrich Bielefeld über ihre gemeinsamen Berlin-Wien-Krimis
  • Über distanziertes Schreiben und eine deutsch-österreichische Freundschaft.

Spannung entlang der Achse Wien-Berlin: Das deutsch-österreichische Autorenduo Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb hat seinen dritten Krimi veröffentlicht, der parallel in Wien und Berlin spielt. Ermittelt wird hinter den Kulissen des Theaters. - © Foto: Diogenes

Spannung entlang der Achse Wien-Berlin: Das deutsch-österreichische Autorenduo Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb hat seinen dritten Krimi veröffentlicht, der parallel in Wien und Berlin spielt. Ermittelt wird hinter den Kulissen des Theaters. © Foto: Diogenes

Wien/Berlin. Petra Hartlieb und Claus-Ulrich Bielefeld sind ein ungewöhnliches Autorenduo. Nicht nur was den Altersunterschied von 20 Jahren betrifft, der die beiden trennt. Zwischen ihren Schreibtischen liegen 800 Kilometer, die Buchhändlerin Hartlieb lebt in Wien, der Literaturredakteur a. D. und Kritiker Bielefeld in Berlin. So wie ihre Helden, die Chefinspektorin Anna Habel und der Kommissar Thomas Bernhardt, die in ihrem ersten Fall - "Auf der Strecke" (2011) - den Tod eines hoffnungsvollen Wiener Jungschriftstellers im Nachtzug nach Berlin gemeinsam lösen müssen.

In ihrem zweiten Kriminalroman "Bis zur Neige" (2012) stirbt ein niederösterreichischer Edelwinzer mit dubioser Vergangenheit, die Spur führt in die Berliner Restaurantszene. Im dritten Krimi "Nach dem Applaus" wird eine junge österreichische Schauspielerin erstochen, die gerade in die deutsche Hauptstadt gezogen war. Die Ermittlungen zwischen Berliner Ensemble und Wiener Burgtheater finden auch hinter den Kulissen der gar nicht so netten Theaterwelt statt.


"Wiener Zeitung": Das klingt wie ein Witz: Zwei Autoren lernen sich ausgerechnet auf der Frankfurter Buchmesse kennen?

Information

Zu den Personen
Claus-Ulrich Bielefeld wurde 1947 in Bad Schwalbach geboren. Er studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie. Er war Literaturredakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie Literaturkritiker für diverse Zeitungen und lebt in Berlin.
Petra Hartlieb wurde 1967 in München geboren und ist in Oberösterreich aufgewachsen. Sie studierte in Wien Psychologie und Geschichte und arbeitete danach als Pressefrau bei verschiedenen Verlagen in Wien und Hamburg, später als Literaturkritikerin etwa für Ö1. Seit 2001 betreibt sie mit ihrem Mann die Hartliebs-Buchhandlungen in Wien.
Buchtipp:
Petra Hartlieb und Claus-Ulrich Bielefeld: Nach dem Applaus, Diogenes Verlag 2013,
400 Seiten, 14,90 Euro

Claus-Ulrich Bielefeld: Wir kannten uns schon früher, haben uns aber immer wieder bei der Buchmesse getroffen. Vor drei oder vier Jahren haben wir darüber gesprochen, dass jeder Verlag inzwischen Krimis macht.

Petra Hartlieb: Wir waren rasch davon überzeugt, dass wir die Einzigen seien, die einen Berlin-Wien-Krimi schreiben konnten. Und dass die beiden Städte dabei eine ziemlich wichtige Rolle spielen müssen.

Bielefeld: Und nach dem zweiten oder dritten Glas Wein hieß es: Wenn ich zehn Seiten schreibe, musst du auch zehn Seiten schreiben. Das ergab die ersten 20 Seiten und so hat sich das langsam aufgebaut.

Die Handlung spielt wahlweise in Wien und Berlin, wo Sie beide jeweils wohnen und arbeiten. Wie funktioniert die gemeinsame Arbeit?

Bielefeld: Jeder von uns versucht, immer am Ende seines Abschnitts so eine Art Cliffhanger stehen zu lassen, so ein kleines "Fortsetzung folgt . . ." - in Zeiten von E-Mail und Internet geht das ganz gut.

Treffen Sie sich auch zum gemeinsamen Schreiben?

Hartlieb: Eher selten, per Mail und Telefon klappt das aber wunderbar. Wobei wir uns oft bei gemeinsamen Lesungen sehen. Das macht einiges leichter als noch beim ersten Buch.

Kritisieren Sie einander auch so hart, wie es Ihre beiden Protagonisten tun?

Hartlieb: Eigentlich sind wir ganz nett zueinander. Wenn wir uns dann doch mal über den anderen ärgern, dann bastelt man einfach einen bösen Dialog zwischen der Wiener Chefinspektorin und dem Berliner Hauptkommissar. Das hat durchaus Blitzableiterfunktion.

Sie kennen sich beide in Ihren Heimatstädten gut aus, sind aber keine gebürtige Wienerin, respektive kein echter Berliner. Nützt Ihnen dabei die Außensicht der Zugezogenen?

Bielefeld: Das ist durchaus produktiv. Als jemand, der aus der Provinz kommt, ist man auch nach über 45 Jahren noch von der großen Stadt beeindruckt. Zudem kennt man mehrere Ecken der Stadt und verfolgt, wie sich zum Beispiel über die Jahre die Interessensströme von Kreuzberg nach Mitte und Prenzlauer Berg und wieder zurück verlagert haben - und zurzeit gerade in Neukölln ankommen. Aber auch das alte Charlottenburg wird irgendwann wieder angesagt sein, etwa die Gegend rund um den Stuttgarter Platz mit den großen Altberliner Wohnungen, wo die saturierten Alt-68er ihre Renten verzehren, was ich in "Bis zur Neige" versucht habe zu beschreiben. Es gibt immer etwas zu entdecken.

Hartlieb: Das ist bei mir ähnlich. Es gibt immer noch Plätze in Wien, wo ich stehen bleibe, staune und mich freue, dass ich in dieser schönen Stadt wohnen darf. Der Kutschkermarkt ganz in der Nähe meiner Buchhandlung in der Währinger Straße ist so eine Gegend. Oder die Strudlhofstiege, wo gerade die zweite Hartliebs-Buchhandlung eröffnet hat.

Ihre Hauptfiguren sind sehr unterschiedlich: Anna Habel treibt ihren Berliner Kollegen oft an, während Thomas Bernhardt Zeit zum Nachdenken braucht. Ist das bei Ihnen beiden ähnlich?

Bielefeld: Ja und Nein. Interessant ist, dass sich die Figuren im Lauf der Zeit zueinander ganz anders verhalten, als wir das selbst gewollt haben. Sie entwickeln ein Eigenleben. Wir sind oft selber überrascht, was dadurch entsteht.

Hartlieb: Ja, am Anfang war ich immer nur verblüfft von Bernhardts Handlungen, aber inzwischen erstaunt mich Anna Habel mindestens so oft. Obwohl sie von mir erschaffen wurde, ist sie inzwischen eine sehr eigenständige Persönlichkeit. Ich stelle mir immer vor, dass sie eines Tages bei mir in die Buchhandlung reinspaziert, ich glaube, ich würde sie sofort erkennen.

Die kontroversen Mentalitäten - Wiener Schmäh trifft auf Berliner Schnauze - spielen in den Geschichten eine wichtige Rolle.

Hartlieb: Das Spannungsverhältnis kenne ich persönlich gut, ich habe mehrere Jahre in Hamburg gelebt und lebe jetzt mit einem deutschen Mann in Wien. Es gibt gelegentlich Missverständnisse, die aus den verschiedenen Mentalitäten und derselben und doch so unterschiedlichen Sprache herrühren. Einer der Höhepunkte der deutsch-österreichischen Freundschaft zwischen Herrn Bielefeld und mir war der Besuch des WM-Qualifikationsspiel Österreich - Deutschland in Wien vor einem Jahr. Wir saßen im deutschen Fanblock. Das geradezu libidinöse Verhältnis von Herrn Bielefeld zur deutschen Fußballnationalmannschaft ist mir da erst aufgefallen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-01-08 15:44:04
Letzte Änderung am 2014-01-08 15:52:35


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