• vom 12.03.2015, 12:50 Uhr

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Update: 12.03.2015, 13:01 Uhr

Leipziger Buchmesse

"69 Hotelzimmer"




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Von WZOnline/APA, Angelika Prawda

  • Glawogger posthum: Die große Welt auf Papier statt im Film.

Wien. "Do you ever go to any nice places?", fragt der Zollbeamte den Reisenden mit Visa für Pakistan, Tschetschenien, Aserbaidschan, Nordkorea und Syrien im Reisepass. Schönheit, das weiß man aus seinen großen Doku-Epen, entdeckte Michael Glawogger stets an den entlegensten Orten. Auch in seinem nun posthum erschienenen literarischen Debüt "69 Hotelzimmer" ist sie in scheinbar banalen Details zu finden.

Zeitnahe zur Fertigstellung seines nunmehr letzten, groß angelegten Dokumentarfilms hätte Glawoggers Erzählband über einen namen- und rastlosen Reisenden, der in den sich großteils ähnelnden Hotels dieser Welt eincheckt, im Frühjahr im Verlag Die Andere Bibliothek erscheinen sollen. Doch der thematisch ungebundene, ein Jahr umspannende Film, für den sich Glawogger im Dezember 2013 auf Weltreise begab, sollte unvollendet bleiben: Am 22. April 2014 verstarb Glawogger, gerade mal 54-jährig, in Liberia an einer zu spät erkannten Malaria-Infektion.


Tragisch posthum

"Früher als geplant - und tragisch posthum", schreibt Verleger Christian Döring, erscheint "69 Hotelzimmer" nun in limitierter Ausgabe und wird heute, Donnerstag, bei der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Der poetische Realismus, der nicht zuletzt Glawoggers international beachtete, aus "Workingman's Death", "Megacities" und "Whores' Glory" bestehende Doku-Trilogie über den Zustand der Welt um die Jahrtausendwende auszeichnete, scheint auch in der Sammlung teils autobiografischer, teils imaginärer Erinnerungen durch - ebenso wie Glawogger als von großer Lust und Neugier getriebener Reisender.

Zwischen den Jahren 1936 und 2543, von Nordamerika über Thailand, Pakistan, Nigeria und Nordkorea bis zum niederösterreichischen Drosendorf siedelt Glawogger seine auf jeweils vier bis fünf Seiten begrenzten Erzählungen an, blickt dabei in die Zukunft ebenso wie auf seine Jugendzeit in Graz zurück. Den roten Faden und zugleich die Kapitel bilden Hotelzimmer - laut Titel 69, in Wahrheit aber 96 bzw. 95, "weil in Verwechslungskomödien aus 69 oft 66 oder 99 wird, wenn sich beim Zuschlagen der Tür eine Ziffer dreht, oder auch 96, wenn sich beide drehen", erklärt der Protagonist seiner Frau einmal. Und weil nicht nur Hotels abergläubisch bei Zimmernummern oder auch Stockwerken auf die Zahl Dreizehn verzichten, tut Glawogger das eben auch.

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Dokument erstellt am 2015-03-12 12:51:54
Letzte Änderung am 2015-03-12 13:01:49


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