• vom 07.09.2015, 17:08 Uhr

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Update: 07.09.2015, 17:21 Uhr

William Shakespeare

Wer war’s?




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Vom Autor unabhängig
Beim Fall Shakespeare ist es indessen genau anders herum. Das Werk lebt unabhängig von der Person des Autors, seine Biografie ist nebensächlich. Nur haben wir in unserer Kultur seit der Klassik und der Romantik eine gewisse Skepsis gegenüber der Möglichkeit, dass bedeutende Werke von unbekannten Künstlern stammen können - noch schlimmer: eine Zusammenarbeit sind, eine mehr oder minder heterogene Sammlung von Texten. Wir tun uns schwer mit der Erkenntnis, dass Homer wahrscheinlich nie gelebt und Mose die ihm zugeschriebenen fünf Bücher der Tora ziemlich sicher nicht selbst verfasst hat. Wir stehen ratlos vor dem Phänomen, dass die fulminante bürgerliche Tragödie "Arden of Faversham" (genau genommen ein echter Thriller), 1592 uraufgeführt, keinen Autor hat.

Oder vielleicht hat wenigstens sie doch einen - derzeit heißt es, ja, richtig: Shakespeare wär’s, zumindest zu einem großen Teil, gewesen. Und damit also Marlowe. Oder Bacon. Oder der Earl von Oxford. Furchtbarer Gedanke, wenn am Ende gar nicht Marlowe Shakespeares Werk geschrieben hätte, sondern Shakespeare Marlowes. Irgendein Shakespeare halt, nicht jener aus Stratford. Vielleicht findet sich ja in Lacock einer, ein Freund von Jack Stubbs. Es ist völlig gleichgültig, denn was zählt, ist Shakespeares Werk - egal, wer es nun wirklich geschrieben hat. Und es spricht für diesen Shakespeare, wer auch immer sich hinter ihm verbirgt (vielleicht sogar er selbst), dass von allen Verschwörungstheorien die, so unterhaltsam viele auch sind, die einzig geistig und inhaltlich lohnende jene um seine Person ist.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2015-09-07 15:41:04
Letzte Änderung am 2015-09-07 17:21:21


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