• vom 22.10.2015, 15:37 Uhr

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Update: 22.10.2015, 16:46 Uhr

Asterix

Lügenpresse, beim Teutates!




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Von Christina Böck

  • Wie die neuen Asterix-Autoren mit "Der Papyrus des Cäsar" langsam, aber sicher in Schwung kommen.

Eher dem Boulevard verhaftet: Den Galliern muss Investigativjournalismus erst schmackhaft gemacht werden. - © Egmont Ehapa Media

Eher dem Boulevard verhaftet: Den Galliern muss Investigativjournalismus erst schmackhaft gemacht werden. © Egmont Ehapa Media

Information ist die härteste Währung. Im neuen Asterix-Band wird man zum Beispiel mit einer Information versorgt, über die man bisher nicht verfügt hat. Im Baumhoroskop ist Obelix Eberesche. Gut, mit so einer Information kann man sich jetzt nicht viel kaufen. Aber sie ist immerhin auch nicht lebensgefährlich. Im Gegenteil, für Wildschweine und Römer ist diese Information sogar ausgesprochen vorteilhaft. Denn Obelixens Horoskop rät ihm zu Beginn des neuen Abenteuers, von zu viel Gourmanderie abzusehen und Konflikte zu vermeiden. Das ist natürlich ein harter Schlag für den streifenbehosten Gallier mit dem tüchtigen Appetit. Man weiß gar nicht, was für Obelix die größere Herausforderung ist: die Pilzdiät oder all das schöne Römer-aus-den-Latschen-Hauen seinem Kollegen Asterix überlassen zu müssen.

Eine Plaga Versus wert
"Der Papyrus des Cäsar" ist der 36. Asterix-Comicband. Und er ist bereits der zweite vom neuen Team, Zeichner Didier Conrad und Texter Jean-Yves Ferri. Bereits vor vier Jahren hatten sie vom 88-jährigen Albert Uderzo ein schweres Erbe übernommen. 2013 erschien dann "Asterix bei den Pikten", und die Kritiker waren vor allem über eines erleichtert: Der Witz war in das nach dem Tod von Texter René Goscinny verödete gallische Dorf zurückgekehrt. Ferri und Conrad merkten im Vorfeld vorsichtig an, dass man "Asterix bei den Pikten" als Übergangsband zwischen zwei Generationen sehen müsse.


Damit schufen sie nicht gerade eine bescheidene Erwartungshaltung. So mancher deutsche Literaturstar würde wohl eine Messe lesen lassen, stieße er im deutschen Feuilleton - das zugegeben bekannt comic-affin ist - auf ähnlich flächendeckende Berichterstattung wie der neue Asterix. Im aktuellen Fall muss man freilich sagen: Zu Recht. Denn Ferri und Conrad ist eine charmante Geschichte gelungen, mit vielen aktuellen Anspielungen, mit zeitlosen menschlichen Fehlentwicklungen und mitunter rührender Nostalgie.

Um Informationen und ihre Weitergabe geht es in dieser Geschichte. Cäsar schreibt gerade an seinem Bestseller "Kommentare zum Gallischen Krieg". Sein Berater Rufus Syndicus findet zwar den Titel "griffig", überredet den Imperator aber, das lästige Kapitel über das unbeugsame Dorf ("Ganz Gallien? Nein!") ein bisschen unter den Tisch fallen zu lassen. Kommt ja besser. Ein Schreiber (mit dem Whistleblower-Namen Bigdatha) sichert die Schriftrolle heimlich und gibt sie dem gallischen "Aktivisten" Polemix ("Kolporteur ohne Grenzen"). Der will daraus natürlich eine "fette Plaga Versus" (Schlagzeile) machen und findet Asyl im unbeugsamen Dorf.

Dort gibt es gerade gewisse Disharmonien, hervorgerufen durch die Auslegung des Baumhoroskops in der "Gallischen Revue" - das einzige journalistische Genre, das die keilerei-erprobten Gallier bisher interessiert hat. Ferri und Conrad gestalten diese Ankunftsszene des Polemix wie eine Sequenz in einer herrlich albernen Komödie. Das kommt in diesem Band öfter vor, und es ist kein Nachteil. Erquicklich auch, wenn es den Römern mit ihren frühen E-Mail-Brieftauben ergeht wie jedem Bürolegionär heute: "Anhang vergessen."

Respekt ohne Starrheit
Eine schöne Ironie ist auch, dass auf 47 Comic-Seiten dagegen angekämpft wird, dass die Weltgeschichte umgeschrieben wird - nur um in den letzten Bildern des Bandes in einem nostalgischen Einwurf die Genesis der Asterix-Saga neu zu erfinden. Da hat man’s wieder: Niemand ist wohl vor der Lügenpresse gefeit, nicht einmal Druiden.

Mit einer Hommage an die Schöpfer Uderzo und Goscinny endet also "Der Papyrus des Cäsar". Der Respekt, den Ferri und Conrad für die beiden empfinden, ist auch in diesem Band spürbar. Deswegen ist es auch so spannend, den zwei Neuen von Band zu Band bei einer legitim gemächlichen Entwicklung zuzusehen. Die faustaktiven Dorfbewohner etwa haben im neuen Abenteuer einen prominenteren Platz als bei "Asterix bei den Pikten". Ferri und Conrad haben sich die Zeit genommen, diese Charaktere besser kennenzulernen. Für den nächsten Band wäre der logische - und nun wirklich wünschenswerte - Schritt, dass auch der titelgebende Flügelhelmträger nicht (wieder) so blass bleibt. Immerhin sorgt er in diesem Band dafür, dass sich Obelix am Ende sein Horoskop doch nicht so zu Herzen nimmt. Konflikte vermeiden! Also bitte.




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Dokument erstellt am 2015-10-22 15:41:04
Letzte Änderung am 2015-10-22 16:46:34


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