• vom 03.04.2016, 17:24 Uhr

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Update: 04.04.2016, 09:15 Uhr

Lars Gustafsson

Ein Weltbürger aus Schweden




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Von WZ Online, APA, dpa

  • Der Schriftsteller Lars Gustafsson starb im Alter von 79 Jahren.

Lars Gustafsson, Schwede mit amerikanischen Pass, zählte zur Riege der weltweit bekannten Schriftsteller. - © Martin Schutt/dpa

Lars Gustafsson, Schwede mit amerikanischen Pass, zählte zur Riege der weltweit bekannten Schriftsteller. © Martin Schutt/dpa

Stockholm. "Ich bin - kurz gesagt - eine fast uninteressante Person", hat Lars Gustafsson einmal von sich gesagt. Doch mit dieser Auffassung stand der gebürtige Schwede ziemlich alleine da. Am Sonntag ist mit Gustafsson einer der größten Intellektuellen und erfolgreichsten Erzähler Schwedens gestorben. Er wurde 79 Jahre alt. Seine Romane und Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt.

Lars Gustafsson war Schriftsteller, Poet, Philosoph, Redakteur und Professor - ein Tausendsassa, der mit seinen Erzählungen das Bild von Schweden ebenso geprägt hat wie die Kinderbücher von Astrid Lindgren (1907-2002) oder die Krimis von Henning Mankell (1948-2015). Eine wichtige Rolle spielt in seinen Romanen immer wieder der Ort und die Landschaft, in die er 1936 hineingeboren wird: Västerås in Südostschweden.

Schon als Schüler zeigte Gustafsson literarisches Talent. Er bekam ein Stipendium des König-Gustaf-Adolf-Jubiläumsfonds, das es ihm ermöglichte, in Oxford zu studieren. Mit 21 veröffentlichte er sein erstes Werk: "Wegesrast" (1957). Einige Jahre später wurde er Leitender Redakteur des "Bonniers Litterära Magasin", das sich zu Schwedens führendem Magazin für Literaturkritik entwickelte.

Schnell war klar, Lars Gustafsson hält sich nicht raus, wenn er etwas zu sagen hat. In fünf Büchern, die auf Deutsch als Sammelband unter dem Titel "Risse in der Mauer" erschienen sind, machte er aus seiner Kritik am sozialdemokratisch geprägten, provinziellen Schweden der 60er-Jahre keinen Hehl. In Deutschland wurde Gustafsson 1967 mit seinem Gedichtband "Die Maschinen" bekannt, der von Hans Magnus Enzensberger übersetzt wurde.

Im Laufe der Jahre wurde es Gustafsson zu eng in seiner Heimat und es zog ihn zunächst nach Berlin, wo er später Mitglied der Akademie der Künste wurde und sich ein fließendes Deutsch aneignete. Später ging Gustafsson nach Austin in den USA, wo er an der University of Texas Philosophie und Germanistik unterrichtete. Sein Roman "Die Tennisspieler" (1977) ist eines von drei Büchern, in denen Gustafsson auch sein eigenes Leben reflektiert.

Erst 2006 kehrte er zurück nach Schweden und schrieb als Kulturkritiker für die Zeitung "Expressen". "Seine breite und tiefe Ausbildung, gepaart mit der ihm eigenen Fähigkeit, sich auszudrücken, war von unschätzbarem Wert für unsere kulturelle Seite", schrieb die Kulturchefin der Zeitung, Karin Olsson.

Das literarische Werk des Schweden mit amerikanischem Pass erregte auch in der Fachwelt Aufmerksamkeit. 2009 erhielt er die Goethe-Medaille, 2015 den Thomas-Mann-Preis, der von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (München) und Manns Geburtsstadt Lübeck verliehen wird. Die Jury schrieb damals, seine "Risse in der Mauer" über die Veränderungen des europäischen Wertesystems, besonders aber der Roman "Der Bienenzüchter" verbänden "philosophische Einsicht und erzählerische Meisterschaft".

Sein letzter Roman, "Doktor Wassers Rezept", der erst im Februar auf Deutsch erschienen ist, erzählt von einem 80-jährigen Hochstapler.





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Lars Gustafsson, Todesfall

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-04-03 17:26:24
Letzte ─nderung am 2016-04-04 09:15:25



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