• vom 06.06.2016, 15:53 Uhr

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Update: 07.06.2016, 14:08 Uhr

Sachbuch

Der schmale Grat der Deeskalation




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Von Wolfgang Taus

  • Die neo-imperialen Machtbestrebungen von Putins Russland.

Am 21. November 1990 wurde mit der Charta von Paris der Kalte Krieg offiziell für beendet erklärt. Damit sollte insbesondere in Europa ein gänzlich "neues Zeitalter der Demokratie, des Friedens und der Einheit" aufgebaut werden. Mit der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 wurde diese positive Vision endgültig Lügen gestraft. Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit diesem Akt bewiesen, dass er nicht davor zurückschreckt, internationale Verträge zu brechen und Gewalt einzusetzen. Dazu kommt die Unterstützung der pro-russischen Rebellen in der umkämpften Ostukraine durch den Kreml.

Vermehrte russische Hackerangriffe auf westliche Webseiten, gefährlich-provokante Vorbeiflüge von russischen Kampfjets an amerikanischen Marineverbänden in der Ostsee und erkennbare Versuche des Kremls, die EU-Staaten zu spalten, passen in dieses Bild. Allein in Deutschland seien heute genauso viele russische Spione wie in der damaligen Bundesrepublik in der Ära der Blockkonfrontation.


Ein neuer Kalter Krieg
steht im Raum

Die seither sich verschärfenden Ost-West-Spannungen (nicht zuletzt infolge der gegenseitigen Sanktionsspirale) drohen zu einem neuen Kalten Krieg zu eskalieren, den der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2016 bereits offen angesprochen hat.

Der renommierte "FAZ"-Journalist und Russland-Kenner Markus Wehner spricht in seinem faktenreichen Buch über die neo-imperialen Machtbestrebungen von Putins Russland davon, dass der "Neue Kalte Krieg" bereits ausgebrochen sei und vor allem Europa für längere Zeit in eine ausgesprochen schwierige Lage bringen wird. Noch immer scheint der Westen angesichts des kompromisslosen Vorgehens in der Ukraine, aber auch im Syrien-Konflikt auf Seite des Regimes von Präsident Bashar al-Assad, nicht wirklich an eine neue Ost-West-Konfrontation zu glauben.

Ziel ist das Wiedererstehen Russlands als globale Weltmacht in neozaristisch-postsowjetischen Dimensionen, wobei man insbesondere auch in der Arktis demonstrativ Flagge zeigt. Wehners Fazit: Nur wenn der Westen seine Stärke gegenüber Moskau wiederfindet, wird er seine Ordnung verteidigen können. Daraus ergeben sich die nötigen Spielräume für Dialog und Deeskalation. Lesenswert.

Sachbuch

Putins Kalter Krieg

Markus Wehner

Knaur, 2016

192 Seiten, 13,40 Euro




Schlagwörter

Sachbuch, Russland, Wladimir Putin

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-06-06 15:56:11
Letzte ńnderung am 2016-06-07 14:08:09



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