• vom 17.11.2016, 16:35 Uhr

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Update: 17.11.2016, 19:54 Uhr

William Shakespeare

Shakespeare - das sind viele




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Am Stil erkennen
Genau diese sehr logische Koautorenschaft hat die Studie eines internationalen Forscherteams nachgewiesen. Sie basiert auf einer computergestützten Textanalyse. Ihr liegt die Tatsache zugrunde, dass jeder Mensch einen sehr persönlichen Wortschatz besitzt und Wortstellungen und Satzbau persönlich vornimmt. Das nennt man gemeinhin "Personalstil". In einigen Fällen kann man es ganz ohne Computeranalyse erkennen. So stammt etwa der Satz "Auf Weihnachten wünschte ich eine Ratte mir" eindeutig von Günter Grass oder der Satz "Wie wenn es aus dem Nebel gekommen wäre, so wurde das schöne Schiff plötzlich sichtbar" von Hanns Henny Jahnn. Spürt der Leser das nur intuitiv, kann der Algorithmus es faktisch nachweisen.

Somit steht nun fest, dass Shakespeare bei 17 seiner 44 Werke mit anderen Autoren zusammengearbeitet hat. Einer davon ist Christopher Marlowe - jener Christopher Marlowe, hinter dem ein Teil der Anti-Stratfordianer den wahren Autor von Shakespeares Werk vermutete: Wegen einer Geheimdienstaffäre habe er sich für tot erklären lassen müssen und habe als Autor daher Shakespeare vorgeschoben, so die These.

Jetzt wird Marlowe ganz offiziell zwar nicht zum wahren Shakespeare, wohl aber zu einem seiner Koautoren erklärt: "Diese Muster sind ziemlich unverkennbar", sagt Gabriel Egan von der Montford University in Leicester. Dementsprechend wird erst einmal die neue kritische Ausgabe der "Henry VI."-Trilogie im maßgeblichen "The New Oxford Shakespeare" der Oxford University Press Marlowe als Mitautor nennen.

Wie genau die Zusammenarbeit ausgesehen hat, bleibt - vorerst - ungeklärt. Dass sie stattgefunden hat, steht außer Frage. Es mindert nicht Shakespeares Genialität, wenn sein Werk dem Prinzip des biblischen Dämons Legion folgt: "Shakespeare - das sind viele." Der Genius aus Stratford upon Avon erscheint damit lediglich als Autor seiner Zeit.

Oder würde es die Größe eines "Hamlet" mindern, hätte ihn, statt des biografisch kaum fassbaren Shakespeare im Alleingang, ein Autorenteam geschrieben?

www.wienerzeitung.at/shakespeare/

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-11-17 16:38:05
Letzte Änderung am 2016-11-17 19:54:41


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