• vom 07.07.2017, 14:03 Uhr

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Update: 07.07.2017, 14:58 Uhr

Literaturgeschichte

Akkurat belüftete Schwingungen




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Von Andrea Traxler

  • Jane Austen, eine der meistgelesenen, vielfach verfilmten, romantisierten und verkitschten britischen Autorinnen, verstarb vor zweihundert Jahren, am 18. Juli 1817.



Die wenigen Bilder, die von Jane Austen existieren, vermitteln nur einen vagen Eindruck von ihrem Aussehen.

Die wenigen Bilder, die von Jane Austen existieren, vermitteln nur einen vagen Eindruck von ihrem Aussehen.© Ullstein Die wenigen Bilder, die von Jane Austen existieren, vermitteln nur einen vagen Eindruck von ihrem Aussehen.© Ullstein

Kaum andres tun als lachen könne sie, streute Jane Austen in einen Brief an ihre Schwester aus London, wo sie bei diversen Gesellschaften zugange war. Ausgestattet mit einem heiteren Gemüt und einem entsprechenden Blick auf das sie Umgebende, dürfte sie insgesamt in einer Verfassung gewesen sein, die bewirkt, das Dasein vergnüglich zu finden.

Geboren am 16. Dezember 1775 im Pfarrhaus von Steventon (Hampshire), einem kleinen, romantische Vorstellungen befördern könnenden Ort im Süden Englands, fand sie mit Reverend William George Austen und Cassandra Leigh Eltern vor, die keinen Gegensatz zu ihrem Naturell bildeten. Jane Austen war das siebente von acht Kindern, hatte mit James, George, Edward, Henry und Francis fünf ältere Brüder, mit Charles einen jüngeren Gefährten und mit Cassandra eine zwei Jahre ältere Schwester.

Information

Andrea Traxler, geboren 1962, Typographin, lebt als freie Lektorin in Wien.

Die beiden Schwestern, bis zu Janes frühem Tod in inniger Freundschaft verbunden, gehörten einem unkonventionellen, intellektuell lebhaften, aber unerheblich begüterten Familiengefüge an, das, gemessen an den dazumal eng geschnürten Daseinsbestimmungen, auch den weiblichen Mitgliedern einige Freiheit zugestand.

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So wurde beiden Töchtern nicht abgerungen, zwar pekuniär attraktive, aber unbehagliche Eheverbünde eingehen zu sollen. Und da die ihrerseits gewünschten nicht zustande kommen konnten (Cassandras Verlobter verstarb vor dem Finale, eine Jane interessierende Verbindung scheiterte an der Ständeordnung, eine andre an ihrem Freiheitsdrang), blieben sie unverbunden. Ob nun eine da und dort umgehende Spekulation zutreffen könnte, Jane Austen sei für den Heiratsmarkt nicht fesch genug gewesen, sei dahingestellt, zumal die Beschreibungen ihrer äußeren Erscheinung ziemlich differieren. Ohne Konjunktiv lässt sich sagen, dass Jane Austen in ihren Romanen Ehebünde und deren Hindernisse mit originell-scharfem Blick verhandelt und somit ein imposant sprühendes Bild der Umstände ihrer Zeit entworfen hat.

Erzieherische Vorgänge

Nach der temporären Umbettung in die Obhut von Zieheltern im Alter von einigen Monaten, einem seinerzeit üblichen Vorgehen auch in nicht titulierten Landadelskreisen, wurden die Kinder, sobald ein weniger aufwändiges Pflegestadium erreicht war, wieder in den Haushalt zurücktransferiert und in pädagogische Konzepte eingebettet, sei es durch die Eltern selbst, durch hinzugezogenes Personal oder aber in schulischen Einrichtungen.

Auch wenn trotz aller Freimütigkeit im Haushalt der Austens doch auch der Ausbildung der Buben mehr Dringlichkeit beigemessen wurde, konnte Jane Austen ab 1783 gemeinsam mit ihrer Schwester zuerst in Oxford, dann in Reading Lehrinstitute besuchen, die den Mädchen nützliche Fertigkeiten vermitteln sollten. Diese Unternehmungen wurden 1786 aber eingestellt, als sich abzeichnete, dass das Gebotene nicht überzeugend mit den Auslagen dafür im Einklang stand - die Austensche Pfründe brachte nicht genug ein. Um dem Auskommen beizukommen, hatte der Vater längst zahlende Schüler ins Haus genommen und unterwies nun parallel auch seine Töchter. So konnten sie an den klassischen Fächern (Geschichte, Latein usf.) teilhaben und erhielten zudem musischen Unterricht, mussten aber auch viel Zeit mit Zwirnen, Näh- und Sticknadeln zubringen, um der Mutter beim Schneidern von Kleidern und Hemden zur Hand gehen zu können. Jane Austen fand stets beklagenswert, dass diese stofflichen Sachen nicht schon fertiggestellt zugekauft werden konnten.

Ungeachtet derartigen Bedarfs verfügte die Familie mit einer 500 Bände umfassenden Bibliothek über reichhaltiges Lesematerial, darunter auch diverse Romane, wobei dem Lesen selbiger konventionell besehen etwas Verwerfliches anhaftete. Dennoch hatten die Kinder uneingeschränkten Zugang zu den Büchern und lasen, ihren Eltern folgend, mit großem Vergnügen auch die gering geachteten Druckwerke. So waren Jane Austen etwa Henry Fielding, Fanny Burney, Samuel Richardson und Walter Scott im gleichen Maße vertraut wie der Lexikograph Samuel Johnson, der Picturesque-Theoretiker William Gilpin oder die drei dichtenden Williams: Cowper, Shakespeare, Wordsworth.

Zu ihrer eigenen Belustigung begann Jane Austen im Alter von zwölf Jahren Beobachtetes und ihre Anschauungen darüber mehr oder weniger lapidar in Miniaturen, Dialoge, Erzählungen und fiktive Briefwechsel zu gießen, beiläufig ironisch-satirische Elemente unterzuheben und der Familie zum Gaudium vorzulesen. Das Vorlesen, in Zeiten ohne Elektroverdichtung eine fügliche Einrichtung, wurde im Hause Austen von allen Familienmitgliedern betrieben.

Ungestüme Erstlinge

In diesen 29 "Juvenilia", zur privaten Zirkulation in drei Heften gesammelt und mit jeweils prächtig verschraubten Zueignungen einem der Familienmitglieder zugedacht, zeichnete sich früh schon ihr akkurat schwingendes Geschick ab, das sie dann in ihren Romanen belüftete.

Eines ihrer Jugendstücke, datiert mit 1791 und von Cassandra mit farbigen Vignetten versehen, trägt den eindrucksvollen Titel "The History of England from the reign of Henry the 4th to the death of Charles the 1st". Diese "von einer parteiischen, voreingenommenen und unwissenden Historikerin" (so ihr Vorspann) auf wenigen Seiten mit beschleunigtem Übermut bewältigten 250 Jahre Geschichte beschreiben pointiert die majestätischen Ablösen, illustrieren zugleich Jane Austens Parteinahme für die Stuarts wie auch ihren großzügigen Umgang mit Aufgegriffenem. So parodierte sie mit der Betitelung ihres Werkleins Oliver Goldsmiths 1771 erschienenes vierbändiges Werk "The History of England, from the Earliest Times to the Death of George II", das weit verbreitet verwendet auch den Austenschen Geschichtsunterricht begleitete. Von Jane Austen kräftig und kritisch durchgearbeitet, dokumentieren allerlei Anmerkungen ihre Uneinigkeit mit Goldsmiths Ausführungen.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-07-07 14:09:09
Letzte nderung am 2017-07-07 14:58:46



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