• vom 07.11.2017, 21:37 Uhr

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Update: 07.11.2017, 21:47 Uhr

Auszeichnung

Österreichischer Buchpreis geht an Eva Menasse




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  • Erzählband "Tiere für Fortgeschrittene" im Vorfeld der Buch Wien prämiert.



Wien. Seit 2005 ist Eva Menasse literarisch tätig, zwei Romane "Vienna" und "Quasikristalle", zwei Erzählbände ("Lässliche Todsünden", "Tiere für Fortgeschrittene") und ein Essayband ("Lieber aufgeregt als abgeklärt") sind seither entstanden. Die Liste der Preise, die die in Berlin lebende Wienerin in dieser Zeit erhalten hat, ist ähnlich lang: Heinrich-Böll-Preis, Literaturpreis Alpha, Jonathan-Swift-Preis und Friedrich-Hölderlin-Preis. Nun ist auch der Österreichische Buchpreis dazugekommen. Die in Berlin lebende österreichische Autorin ist am Dienstagabend im Burgtheater-Kasino für ihren Erzählband "Tiere für Fortgeschrittene" ausgezeichnet worden.

In ihrem prämierten Werk nähert sich Menasse ausgehend von kuriosen Tiermeldungen menschlichen Verhaltensweisen an. Was bei Tieren kurios erscheint, lässt sich beim Menschen auf den zweiten Blick schnell wiederfinden. Dabei entsteht ein schillerndes Panorama zwischen Alltäglichkeiten und Abgründen.


Gegen Halbbruder durchgesetzt
Die fünfköpfige Jury - bestehend aus der Buchhändlerin Petra Hartlieb, dem Germanisten Klaus Kastberger sowie den Journalisten Klaus Nüchtern, Kristina Pfoser und Wiebke Porombka - hatte insgesamt 141 belletristische, essayistische, lyrische und dramatische Werke gesichtet. Neben Eva Menasse waren ihr Halbbruder Robert Menasse ("Die Hauptstadt"), Paulus Hochgatterer ("Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war"), Brigitta Falkner ("Strategien der Wirtsfindung") und Olga Flor ("Klartraum") auf die Shortlist für den mit 20.000 Euro dotierten und heuer zum zweiten Mal vergebenen Preis gekommen.

Erst als Journalistin tätig, darunter für die "FAZ", veröffentlichte Menasse 2005 den Debütroman "Vienna". Die Geschichte einer typischen Wiener Familie mit jüdischen und tschechischen Wurzeln umfasste bekannte (ihr Vater war ein berühmter Fußballer, ihr Halbbruder ist wie erwähnt Robert Menasse) und weniger bekannte, dafür umso skurrilere Figuren. "Ich habe versucht, meine Familie neu zu erfinden" und "die Brüche des 20. Jahrhunderts" sowie deren Einfluss auf das Leben ihrer Familie einzufangen, sagte die Autorin damals. Schon mit ihrem Debüt erhielt sie den Corine-Buchpreis, war für den Leipziger Buchpreis nominiert und erlebte, was sie auch später immer wieder feststellen sollte: die Diskrepanz der Rezeption in ihrer Heimat und ihrer Wahlheimat.

"Je länger ich weg bin, desto komischer kommt mir Österreich vor", sagte sie schon damals. Auch 2009, als ihr Erzählband "Lässliche Todsünden" erschien, beschäftigte sie sich als Eröffnungsrednerin der Buch Wien mit Österreich, "meiner Heimat, meinem Land, meinem Verhängnis". In Deutschland schwanke sie zwischen Scham für ihr Land ("oft genug") und "Anfällen wilden Patriotismus". Obwohl Schimpfen in Österreich Tradition habe, wolle sie sich nicht mit Tagesaktualitäten wie Fremdenrecht, Alltagsrassismus oder Studentenprotesten beschäftigen, sondern mit den "spannungsvollen Gegensätzen", die der Österreicher eingebaut habe: "Nach außen hin sind wir ein ruhiges, glückliches kleines Land", doch "wenn wir unter uns sind, sind wir dauernd gereizt bis aufs Blut."

Dass sie beredt ihre Zornesader schwellen lassen kann und ihr Engagement immer wieder in kämpferische Wortmeldungen fasst, belegen ihre Reden und Essays, die 2015 in dem Band "Lieber aufgeregt als abgeklärt" zusammengefasst wurden.

Debütpreis an Ebrahimi
Ebenfalls ausgezeichnet wurde am Dienstagabend Nava Ebrahimi. Die 1978 in Teheran geborene und in Graz lebende Autorin erhielt für ihren Roman "Sechzehn Wörter den mit 10.000 Euro dotierten Debütpreis. Ebrahimi studierte Journalismus und Volkswirtschaftslehre in Köln. In "Sechzehn Wörter" lässt sie ihre Hauptfigur Mona gemeinsam mit ihrer Mutter von Köln zur Beerdigung ihrer Großmutter in den Iran reisen. Die Reise wird zur Konfrontation mit vielen Fragen zu Identität und Herkunft.

Offiziell eröffnet wird die Buch Wien am Mittwoch, regulär ist sie von 9. bis 12. November geöffnet. 451 Veranstaltungen, 381 Autoren und 350 Aussteller sind in der Halle D der Messe Wien angekündigt. Im vergangenen Jahr war mit 43.000 Besuchern ein neuer Rekord erzielt worden. Dieses Ergebnis wollen die Veranstalter heuer übertreffen.

www.buchwien.at




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-07 21:41:07
Letzte nderung am 2017-11-07 21:47:43



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