• vom 26.12.2017, 15:35 Uhr

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Update: 29.12.2017, 15:14 Uhr

Sachbuch

Wie der kleine Tiger groß und stark wurde




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Von Dagmar Weidinger

  • Eine Anleitung zum Geschichtenerzählen der Psychologin und Psychotherapeutin Helga Kernstock-Redl.

Anna Velichkovsky/Fotolia

Anna Velichkovsky/Fotolia

Autorin und Psychologin Helga Kernstock-Redl.

Autorin und Psychologin Helga Kernstock-Redl.© myshooting.at Autorin und Psychologin Helga Kernstock-Redl.© myshooting.at

"Es war einmal und es war einmal nicht ein kleiner brauner Tiger mit groooßen weichen Tiger-Ohren. Der lebte mit anderen Tigern, die ihn richtig lieb hatten, in einem kleinen Wald im Märchenland. Der kleine Tiger wurde größer und stärker und begann bald den Wald zu erforschen. Das war auch richtig und gut so. Doch leider, leider hatte das Tigerkind ein riesengroßes Pech: Es kam in einen neuen Teil des Waldes, in dem die anderen Tigerkinder ziemlich laut und rau waren. Sie hatten eine harte Stimme und manchmal stupsten sie ihn herum. Das war sehr schlimm für den kleinen Tiger. Er bekam Angst und war noch freundlicher als sonst, doch das half nichts. Da musste er vielleicht denken: ‚Ich bin schuld. Ich bin einfach zu schwach.‘ Was sollte er tun?"

So beginnt eine von Helga Kernstock-Redls heilsamen Kindergeschichten. Sie ist eine von vielen, die die Wiener Psychologin und Psychotherapeutin im Laufe der Jahre für ein Kind mit Kindergartenangst erfunden und niedergeschrieben hat. In ihrem neuen Buch "Heilsame und lösungsorientierte Kindergeschichten - suchen, sammeln, selber schreiben" werden viele Themen berührt, die Kindern Schwierigkeiten machen können, wie etwa die Trennung der Eltern, Mobbing in der Schule, Krankheit und Geschwisterrivalität. Kernstock-Redl verbindet in ihrer Arbeit das Wissen aus systemischer Therapie mit Aspekten der Trauma-Psychologie und will damit nicht nur Fachleute, sondern jedermann zum Erzählen motivieren. Denn: "Besonders belastende Erlebnisse lassen sich bei Kindern viel leichter mithilfe einer Geschichte aufarbeiten."


Spiderman als Hauptfigur
So wie bei Theo, dessen Eltern auf der Suche nach Unterstützung zu ihr kamen. Theo war in seinem ersten Kindergartenjahr im Hof immer wieder von den Größeren bedroht worden. Er reagierte darauf scheinbar "automatisch" mit Einfrieren. Viele Kinder würden auf Angstsituationen mit Erstarren oder Flucht reagieren. "Das ist unser ganz normales biologisches Programm", sagt die Expertin. Sich auf angemessene Art und Weise zu wehren, sei jedoch ein wichtige zusätzliche Möglichkeit, die eine Geschichte vermitteln kann.

Anstatt Theo direkt auf die schambesetzte Situation anzusprechen, wird sein Kuscheltiger zur Hauptfigur einer Erzählung. "Die behutsame Verpackung als Geschichte mit einem selbst gewählten Protagonisten, der zum Kind passt, ermöglicht es, den Grad von Identifikation oder Distanzierung selbst zu wählen und zu variieren", sagt Kernstock-Redl. Nicht immer muss es ein Lieblingstier sein, das dann auf Reisen geschickt wird. Ist ein Kind von einer Computer- oder TV-Figur extrem begeistert? "Wunderbar!", sagt die Therapeutin: "Dann wird Spiderman oder die freche Biene die neue Hauptfigur der Geschichte. So holt man ein Kind dort ab, wo es steht."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-26 15:41:16
Letzte Änderung am 2017-12-29 15:14:13


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