• vom 02.01.2018, 16:18 Uhr

Autoren


Impaktforschung

Asteroiden unter Aufsicht




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • NHM-Chef Köberl gibt in einem neuen Buch Einblick in eine abenteuerliche Wissenschaftsdisziplin.

Postapokalyptisches Bad: Eine Wassergrube entlang des Chicxulub-Kraters in Mexiko, entstanden durch den Einschlag eines Asteroiden vor 66 Millionen Jahren.

Postapokalyptisches Bad: Eine Wassergrube entlang des Chicxulub-Kraters in Mexiko, entstanden durch den Einschlag eines Asteroiden vor 66 Millionen Jahren.© Max Alexander/Science Photo Library/picturedesk Postapokalyptisches Bad: Eine Wassergrube entlang des Chicxulub-Kraters in Mexiko, entstanden durch den Einschlag eines Asteroiden vor 66 Millionen Jahren.© Max Alexander/Science Photo Library/picturedesk

(apa) "Achtung Steinschlag!": Mit dieser bodenständigen Warnung im Buchtitel führen der Impaktexperte Christian Köberl und der Wissenschaftsjournalist Alwin Schönberger in die abenteuerliche Welt der Meteoritenforschung. Dabei spannen sie den Bogen vom Ursprung der außerirdischen Brocken über die Auswirkungen eines Einschlags (Impakt) auf der Erde bis zur Frage, wann derartige Gefahr droht.

Es gibt wohl wenig beklemmendere Gedanken, als dass Leben und Überleben auf der Erde auch stark davon abhängen, ob sich die Bahn der Erde in absehbarer Zeit mit jener eines anderen Himmelskörpers größeren Ausmaßes kreuzt. Dass dem irgendwann wieder so sein wird, stellen Köberl - seines Zeichens auch Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien - und Ko-Autor Schönberger schon am Beginn ihres Ritts durch die Geschichte der Impaktforschung klar. Auch auf die entscheidende Frage nach dem "Wann" gibt es eine zwar eindeutige statistische Antwort, die jedoch für kurz-, mittel-und langfristige Planungen eher wenig geeignet ist. Dass unserem Heimatplaneten erhebliche Gefahr aus dem All droht, ist im 21. Jahrhundert durch die beharrliche Arbeit vieler Wissenschafter - und befördert durch Hollywood-Blockbuster - zum "Common Sense" geworden. Köberl und Schönberger beginnen ihren populärwissenschaftlichen Streifzug allerdings in jener Zeit, in der über die Möglichkeit einer Heimsuchung der Erde durch steinerne oder metallische außerirdische Besucher noch in Fachkreisen und der Öffentlichkeit teils heftig gestritten wurde. In ihrem historischen Exkurs zu Beginn des Buches geben die Autoren diesem erstaunlich lange dauernden gewundenen Weg zur beunruhigenden Erkenntnis, dass das immer wieder tatsächlich geschieht, viel Raum.


Elegant heben sie dabei Informationen darüber unter, wie das wissenschaftlich-methodische Know-how über die Jahrhunderte erweitert und verfeinert wurde. So wird dem Leser Schritt für Schritt verständlich, wie aus lange unerkannten Überbleibseln solcher kosmischer Zusammenstöße heute relativ detailliert auf die einstigen Abläufe geschlossen werden kann. Den erheblichen Beitrag österreichischer Forscher zum Verständnis der unvorstellbaren Ausmaße, die ein größerer Impakt hat, streicht Köberl immer wieder prominent heraus.

Wirklich Fahrt nimmt "Achtung Steinschlag!" allerdings erst nach gut einhundert Seiten auf: Nämlich wenn der passionierte Feldforscher und Wissenschaftserklärer Köberl beginnt, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Besonders bei den Schilderungen über groß angelegte Expeditionen wie den Bohrungen im Bosumtwi Kratersee in Ghana oder im Elgygytgyn-See im Nordosten Sibiriens kann sich der Leser der Faszination für dieses mittlerweile viele wissenschaftliche Fächer umfassende Forschungsgebiet kaum entziehen.

Dino-Killer
Mit jeder Seite wächst das Erstaunen darüber, was heutzutage bereits alles mit raffinierten Methoden und unter immer noch abenteuerlichen Bedingungen herausgefunden werden kann. Ein Stück fassbar wird das Ausmaß der Zerstörung bei den minutiösen Schilderungen dessen, was sich laut dem Letztstand der Forschung vor rund 66 Millionen Jahren nach dem Einschlag des langläufig als "Dino-Killer" bezeichneten Meteoriten im heutigen Golf von Mexiko zugetragen hat. Auch an den jüngsten Bohrprojekten in diesem Chicxulub-Krater waren Köberl und sein Team beteiligt.

Erkenntnisse aus dieser Kampagne lassen den Impaktforscher dann auch die vielleicht paradox klingende Idee verhandeln, ob nicht solche vornehmlich todbringenden Einschläge gewissermaßen gar eine Art Motor für die Entwicklung des Lebens waren. Die Frage "Können wir solche Einschläge verhindern?" sowie das nachgeordnete "Wie?" heben sich Köberl und Schönberger - dramaturgisch folgerichtig - für den Schluss auf.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-02 16:23:08


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. b + s
  2. Ewiger Mythos Paris
  3. Schriftsteller Wilhelm Genazino ist tot
Meistkommentiert
  1. Das mörderische Internet der Dinge

Werbung





Werbung