• vom 13.02.2018, 17:12 Uhr

Autoren

Update: 13.02.2018, 18:57 Uhr

Lyrik

Bei Heinz Unger wurden aus Zitaten Bumerangs




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Petra Paterno

  • Der Liedautor der legendären "Proletenpassion" und Wiederbeleber des politischen Volksstücks starb im Alter von 79 Jahren.

 Unger: "Gedichte entziehen sich den Marktgesetzen".

 Unger: "Gedichte entziehen sich den Marktgesetzen".© APAweb, HERBERT PFARRHOFER  Unger: "Gedichte entziehen sich den Marktgesetzen".© APAweb, HERBERT PFARRHOFER

Wien. "Unger trifft den Volksliedton, den Landsknechtston, den Eisler- und Brecht-Ton, er kann Knittelverse schnitzen und Balladen à la Biermann hämmern, er hat als Wiener von Karl Kraus gelernt, wie man Zitate zu Bumerangs macht", so beschrieb die Publizistin Hilde Spiel einst den Autor Heinz R. Unger. Anlass für ihre Eloge war die Uraufführung der "Proletenpassion" (Arena 1976). Das politische Oratorium blickt auf die Geschichte als Abfolge von Klassenkämpfen zurück. Mit der Musik der Polit-Rockband Schmetterlinge wurde das Stück zum langjährigen Bühnenhit - wohl einer der größten Erfolge des 1938 in Wien geborenen Autors. 2015 wurde das Stück vom Meidlinger Werk X wiederbelebt und lief mit der Musik von Gustav zu neuer Hochform auf.

Auch seine Trilogie "Die Republik des Vergessens": "Unten durch" (1980), "Zwölfeläuten" (1985) und "Hoch hinaus" (1987), in der er sich mit dem Weiterwirken der NS-Vergangenheit beschäftigte, stieß auf breites Interesse. Zahlreiche Kinder- und Jugendbücher stammen ebenfalls aus der Feder des Autors, der seine Laufbahn als Schriftsetzer, Werbetexter und Journalist begann.

Links

Der Vielreiser, Unger lebte auch in den USA und in Griechenland, ist am Montag im Alter von 79 Jahren an Lungenkrebs gestorben.

"Ein heikles und sensibles Medium"

2013 veröffentlichte er mit "Der schweigende Sprachraum" seinen zehnten Lyrikband. "Gedichte sind ein heikles und sensibles Medium, sie entziehen sich den Marktgesetzen, sind verletzlich, zerbrechlich und wirken sich trotzdem aus. Gehen Sie vorsichtig damit um ...", lautete die Empfehlung an seine Leser.

"Ungers Werke vereinen das, was ihn auszeichnet - Poesie, politisch Eindeutiges und Humor", würdigte ihn Fritz Wendl 2004 als Laudator bei der Verleihung des "Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien". Kurt Neumann vom Literarischen Quartier Alte Schmiede nannte ihn einmal "einen großer Menschenfreund, voll Humor, in dem er sein tief verankertes Mitleiden mit den Entrechteten und Verfolgten geborgen hat".

Noch wenige Wochen vor seinem Tod stellte Unger aus Anlass seines kommenden 80. Geburtstags eine Sammlung seiner politischen Lyrik und Lieder zusammen. Sie wird im Mai im Mandelbaum-Verlag unter dem Titel "Die Freiheit des Vogels im Käfig zu singen" erscheinen. Am 10. Mai wird eine Neuinszenierung der "Proletenpassion" in einer Bearbeitung von Bernd Freytag und Mark Polscher im Grillo-Theater Essen Premiere haben.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-13 17:13:38
Letzte Änderung am 2018-02-13 18:57:12


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. achtung!
  2. Die Bücher für den Sommer
  3. Aufmüpfig, nicht getröstet!
Meistkommentiert
  1. achtung!
  2. Aufmüpfig, nicht getröstet!
  3. "Eine große Frau mit Haltung"

Werbung





Werbung