• vom 25.03.2018, 09:00 Uhr

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Der Menschensohn im Interview




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Von Mathias Ziegler

  • Der Journalist Franz Alt führt ein fiktives aufrüttelndes Gespräch mit Jesus.

Franz Alt: "Der Appell von Jesus an die Welt - Liebe und Frieden sind möglich"; Verlag Benevento; 115 Seiten; 10 Euro

Franz Alt: "Der Appell von Jesus an die Welt - Liebe und Frieden sind möglich"; Verlag Benevento; 115 Seiten; 10 Euro Franz Alt: "Der Appell von Jesus an die Welt - Liebe und Frieden sind möglich"; Verlag Benevento; 115 Seiten; 10 Euro

Etwa die Hälfte der Jesus-Zitate in den Bibeln dieser Welt sind falsch wiedergegeben, erklärt der deutsche Journalist und Buchautor Franz Alt im Vorwort seines neuen Buches "Der Appell von Jesus an die Welt". Denn Der Nazarener hat Aramäisch gesprochen, die ersten Niederschriften erfolgten aber erst zwei bis drei Generationen später auf Griechisch. Es geht Alt also auch darum, Jesu wahre Botschaft zu vermitteln.

Er wählt dazu einen, wie er selbst sagt, provozierenden Stil: einen fiktiven Dialog mit dem Gottessohn - oder besser: Menschensohn, wie Jesus, der selbst auch ein großer Provokateur seiner Zeit war, sich in der Bibel nennt (wenn es denn richtig übersetzt ist). Alt bezeichnet Jesus in seinem neuen Buch jedenfalls nicht als Gott, sondern als großen Gottsucher, dessen zentrale Botschaft vier Leitsätze umfasst:


Liebe ist möglich.

Frieden ist möglich.

Gerechtigkeit ist möglich.

Die Bewahrung der Schöpfung ist möglich.

Atomwaffen, die Energiewende und die Frauen in der Bibel
Alt bittet Jesus also zum Interview, das sich über knapp hundert Seiten erstreckt. Darin lässt er ihn über das Töten und die Versöhnung sprechen, legt ihm durchaus kritische Worte über die heutigen christlichen Kirchen in den Mund, erörtert mit ihm die Rolle der Frauen im Neuen Testament, schneidet auch Themen wie Sexuallehre, Klimawandel, Glück, Politik - es ist ein buntes Sammelsurium an Fragestellungen einmal quer durch unsere heutige Zeit, zu denen der Autor Jesus Stellung beziehen lässt. Wie würde der Messias wohl zweitausend Jahre später über die Europäische Union, unsere Beziehungen zu Afrika, die Ökumene, Donald Trump oder den Nahost-Konflikt denken? Was hätte der Gekreuzigte heute Atomwaffen entgegenzusetzen? Wie würde er Ausbeutung, Hunger und Unterdrückung ein Ende setzen? Welche Ansätze hätte er gegen die Jugendarbeitslosigkeit? Und wie sähen seine Ideen für die Energiewende aus?

Natürlich ist es primär Alts eigene Meinung, die in Jesu Antworten durchscheint. Als gläubiger, aufgeklärter Christ kann man diesen Worten, die just am See Genezareth niedergeschrieben wurden, aber nur zustimmen. Zumal man dem Autor durchaus ein stabiles theologisches Fundament attestieren kann. Und auch wenn inhaltlich wenig Neues dabei ist, so ist dieser Appell dennoch richtig und wichtig.




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Dokument erstellt am 2018-02-27 14:20:34


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