• vom 19.04.2018, 16:47 Uhr

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Update: 24.04.2018, 16:54 Uhr

Sachbuch

Wie ist es um die Türkei unter Erdogan bestellt?




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Von Wolfgang Taus


    Spätestens im Zuge der massiven Verhaftungs- und Repressionswelle nach dem misslungenen Putschversuch vom Juli 2016, hat sich das Bild des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vom Hoffnungsträger für ein Vorzeigemodell, dass Islam und Demokratie durchaus vereinbaren könne, abrupt in das eines zunehmend autoritär herrschenden "Sultans" gewandelt.

    Die langjährige NZZ-Korrespondentin Inga Rogg bietet in ihrem aufrüttelnden Buch ein nachdenkliches Porträt des Landes am Bosporus zwischen islamisch-imperialer Rückbesinnung und demokratischem Aufbruch. Es ist eine sachlich-kritische Aufarbeitung einer Türkei, die sie nicht zu Unrecht als "unfertige Nation" beschreibt. Mit dem "Ja" zur Verfassungsänderung im Referendum 2017 hat Erdogan sein lang ersehntes Ziel erreicht, die Macht in seinen Händen zu vereinen. Doch die "neue Türkei" ist heute nicht größer und stärker, wie es die AKP-Regierung predigt, sondern isolierter und gespaltener denn je. Die Brücken zu Europa sind zwar nicht eingerissen, aber einsturzgefährdet. Das Einzige, was beide Seiten derzeit verbindet, sei das Flüchtlingsabkommen, so die Autorin. Und dennoch: Der Säkularismus hat in der Türkei Wurzeln geschlagen. Daran kann Erdogans Politik der Re-Islamisierung nichts ändern, konstatiert Rogg. Anstatt sich in Nationalmythen und Verschwörungstheorien zu verlieren, sollte Erdogan ein Abgleiten seines Landes in einen drohenden Bürgerkrieg zwischen Autoritarismus und Moderne tunlichst vermeiden.


    Sachbuch

    Türkei- Die unfertige Nation

    von Inga Rogg

    Orell Füssli, Zürich: 2017,

    240 Seiten, 20,60 Euro.




    Schlagwörter

    Sachbuch, Türkei, Inga Rogg

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-04-19 16:51:17
    Letzte Änderung am 2018-04-24 16:54:22


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