• vom 04.05.2018, 09:13 Uhr

Autoren

Update: 04.05.2018, 13:52 Uhr

Nobelpreis

Literaturnobelpreis wird 2018 nicht vergeben




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, dpa

  • Die Schwedische Akademie wird von einem Belästigungs- und Korruptionsskandal erschüttert.

20180504Nobel

20180504Nobel© APAweb/AP, 20180504Nobel© APAweb/AP,

Stockholm. In diesem Jahr wird wegen der Krise in der Schwedischen Akademie kein Literaturnobelpreis vergeben. Das teilte das Jury-Gremium am Freitag in Stockholm mit. Der Preis für 2018 werde im kommenden Jahr zusammen mit dem Preis für 2019 vergeben.

"Wir halten es für nötig, Zeit zu investieren, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Akademie wieder herzustellen, bevor der nächste Preisträger verkündet werden kann", erklärte der Interims-Vorsitzende Anders Olsson.

1940 bis 1943 gar nicht vergeben

Information

Insgesamt wurden bisher 49 mal keine Auszeichnungen in den verschiedenen Kategorien des seit 1901 verliehenen Nobelpreises vergeben, das Gros davon während des Ersten und Zweiten Weltkriegs, wie aus den Daten der Nobelpreis-Stiftung hervorgeht.

Der Literatur-Nobelpreis wurde 1914, 1918, 1935, 1940, 1941, 1942 und 1943 nicht vergeben - und auch nicht im jeweiligen Folgejahr nachgereicht.

In den Statuten der Nobelpreis-Stiftung ist ein Ausfall durchaus vorgesehen, wenn auch aus inhaltlichen Gründen: "Sollte sich herausstellen, dass keine der in Betracht gezogenen Arbeiten die im ersten Absatz geforderte Bedeutung aufweisen, ist das Preisgeld bis zum folgenden Jahr zu reservieren. Kann der Preis auch dann nicht vergeben werden, wird der Betrag den Stiftungsmitteln hinzugefügt."

Friedens-Nobelpreis 19 mal ausgefallen


Die geringsten Ausfälle hat es beim Physik-Nobelpreis gegeben (6). Am häufigsten entfiel die Vergabe des Friedens-Nobelpreises, der 19 mal nicht vergeben wurde.

Dementsprechend entfielen von den zwischen 1901 und 2017 insgesamt vergebenen 585 Nobelpreisen 111 auf die Physik, 110 auf die Literatur, 109 auf die Chemie, 108 auf die Medizin und 98 auf die Kategorie Frieden. Der seit 1969 vergebene, von der Schwedischen Notenbank zur Erinnerung an Alfred Nobel gestiftete - und daher nicht zu den klassischen Nobelpreisen zählende - Wirtschaftsnobelpreis wurde bisher 49 mal vergeben.

Nobelpreisträger gibt es allerdings deutlich mehr, da der Preis auf bis zu drei Personen aufgeteilt werden kann. Seit 1901 erhielten 923 Personen und Organisationen einen Nobelpreis. In der Medizin waren es 214, in der Physik 207, in der Chemie 178, beim Frieden 131 (davon 27 Organisationen) und in der Literatur 114. Hier wurde der Preis übrigens bisher nur vier Mal zwischen zwei Personen geteilt.

Die Preisvergabe wird nicht zum ersten Mal abgesagt, zuletzt wurde der Nobelpreis von 1940 bis 1943 wegen des Zweiten Weltkriegs überhaupt nicht vergeben. Die jahrhundertealten Statuten der Akademie lassen auch zu, in diesem Fall im Folgejahr zwei Nobelpreise zu verleihen. Das hat die Akademie in der Vergangenheit bereits mehrmals getan.

Die Schwedische Akademie, die seit 1901 den Träger des Literaturnobelpreises auswählt, wird von einem Belästigungs- und Korruptionsskandal erschüttert. Man sei in einer ernsten Krise, teilte das traditionsbewusste Gremium vor kurzem mit. "Das Ansehen des Literaturnobelpreises hat großen Schaden genommen."

Vorwurf der sexuellen Belästigung

18 Frauen hatten dem Mann eines Akademiemitglieds sexuelle Belästigung vorgeworfen. Eine Untersuchung der Akademie bestätigte "unakzeptables Verhalten in Form von unerwünschter Intimität". Nach Berichten schwedischer Medien soll der Mann auch Kronprinzessin Victoria an den Po gefasst haben. Außerdem soll seine Frau über Fördergelder für den eigenen Kulturverein mitentschieden haben.

Mehrere Jurymitglieder legten ihre Arbeit nieder, weil sie nicht damit einverstanden waren, wie glimpflich das Paar davonkommen sollte. Auch die ständige Sekretärin Sara Danius musste in der Folge ihren Posten aufgeben - nach eigener Aussage auf Wunsch der Akademie.

Nur noch 10 von 18 Mitgliedern aktiv

Aktuell sind damit nur noch zehn der einst 18 Mitglieder aktiv. Das gefährde ernsthaft die Fähigkeiten der Akademie, "ihre wichtigen Aufgaben zu erfüllen", hatte das schwedische Königshaus erklärt. König Carl XVI. Gustaf rief die Mitglieder auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die Interessen des Gremiums in den Vordergrund zu stellen.

"Ich habe die Entwicklung in der Schwedischen Akademie in letzter Zeit mit großer Unruhe verfolgt", erklärte er am Mittwoch. Jetzt müsse die Akademie in Ruhe daran arbeiten können, das Vertrauen zurückzugewinnen.





1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-04 09:14:19
Letzte Änderung am 2018-05-04 13:52:28


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kurz ist gut
  2. Klare Sicht über die Grenzen
  3. und wos is mitn montog?
Meistkommentiert
  1. Lieber ein Gutmensch als ein "Schlechtmensch"

Werbung





Werbung