• vom 20.05.2018, 10:00 Uhr

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Update: 20.05.2018, 10:52 Uhr

Literatur

Klänge aus der Bukowina




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Von Evelyn Polt-Heinzl

  • Für die Lyrikerin Rose Ausländer wurden existenzielle Erschütterung und Sprachwechsel zur poetischen Kraftquelle.



"Mit dem Akazienduft / fliegt der Frühling / in dein Erstaunen": Rose Ausländer (1901-1988)

"Mit dem Akazienduft / fliegt der Frühling / in dein Erstaunen": Rose Ausländer (1901-1988)© Ullsteinbild / Keystone "Mit dem Akazienduft / fliegt der Frühling / in dein Erstaunen": Rose Ausländer (1901-1988)© Ullsteinbild / Keystone

Natürlich ist ein dreißigster Todestag im Jubliäumskreislauf nicht unbedingt verpflichtend - aber das Gedenkjahr 2018 wäre doch ein guter Anlass, an Rose Ausländer zu erinnern, die am 11. Mai 1901 in Czernowitz geboren wurde, die Shoah überlebt hat und am 3. Jänner 1988 verstorben ist.

In Österreich ist bisher nichts passiert - die Ehrenrettung kommt vom Ausland. Zum Beispiel von Slowenien. Johann Lughofer, Professor am Germanistik-Institut der Universität Ljubljana, widmete der Autorin - nach Jandl, Fried, Aichinger, Trakl, Mayröcker, Lavant und Franzobel - die diesjährigen Internationalen Lyriktage. Eingeladen waren nicht nur Forscherinnen und Forscher, sondern auch die Poetry-Slammer Mieze Medusa und Markus Köhle, die mit ihren "Fortschreibungen" auf Gedichte Rosa Ausländers reagierten und damit auf originelle Art ihre Aktualität aufzeigten. Was kann da in ein paar Minuten Köhle’scher Sprachverdichtung nicht alles aus einem Vers ihres Gedichts "Noch bist du da" werden!

Auch ihre Geburtsstadt setzte zum Gedenkjahr ein Zeichen: Genau an ihrem Geburtstag wurde auf Initiative der Berliner Malerin Helga von Löwenich am Türkenplatz in Czernowitz/Ukraine ein Denkmal enthüllt, gestaltet von Volodymyr Cisaryk und finanziert vom Außenministerium der BRD. Geehrt wurde bei diesem Festakt auch Helmut Braun, Nachlassverwalter, Vorsitzender der Rose- Ausländer-Gesellschaft und langjähriger Vertrauter der Autorin. Als er 1975 einen ersten Sammelband herausbrachte, wurde Rose Ausländer vom Geheimtipp zu einer bekannten und viel gelesenen Autorin.



Information

Helmut Braun
Rose Ausländer. Der Steinbruch der Wörter

Verlag Hentrich & Hentrich, Berlin 2018, 102 Seiten.

Rose Ausländer
Christian Morgenstern- Translations

Kommentiert und herausgegeben von Martin A. Hainz. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2012, 90 Seiten.

Informationen:

www.roseauslaendergesellschaft.de



1984 bis 1990 edierte Braun 2500 ihrer Gedichte in einer achtbändigen gebundenen Werkausgabe, der eine Edition in 16 wohlfeilen Taschenbuchbänden folgte, die nach wie vor erhältlich sind. Und wer eine Kurzinformation zu Leben und Werk der Autorin sucht, kann zu einem schmalen Bändchen greifen, das Helmut Braun in der Reihe Jüdische Miniaturen des Verlags Hentrich & Hentrich soeben herausgebracht hat (siehe Kasten).

Die Beschäftigung mit Rose Ausländers Werk steht zwangsweise im Zeichen von Heimat- und Sprachverlust, Verfolgung, Exil und dem Trauma der Shoah, schließlich gehörte sie zu den knapp zehn Prozent der sechzigtausend Juden von Czernowitz, die das Terrorregime der Nationalsozialisten und rumänischen Faschisten überlebten. Gerade in dieser Zeit wurde Schreiben für sie auf eine existenzielle Art (über-)lebenswichtig.

Rose Ausländer entstammt einem liberalen jüdischen Elternhaus, ein besonders enges Verhältnis verband sie mit ihrem Vater. Nach seinem frühen Tod 1920 lebte und arbeitete sie für mehrere Jahre in New York. Auch 1939 war sie hier zu Besuch bei Freunden, kehrte aber wegen der Erkrankung ihrer Mutter nach Czernowitz zurück. Die beiden Frauen überlebten zunächst dank Rose Ausländers Arbeit als Krankenschwester, dann in Kellerverstecken.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 18:34:00
Letzte Änderung am 2018-05-20 10:52:00


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