• vom 31.05.2018, 15:30 Uhr

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Update: 13.06.2018, 17:19 Uhr

Sachbuch

Abendland, wann gehst du unter?




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Von Heiner Boberski


    "Das parlamentarische Zeitalter ist unwiderruflich zu Ende." Der Geschichtsphilosoph und Kulturtheoretiker Oswald Spengler (1880-1936), der diesen Satz 1933 niederschrieb, war kein Nationalsozialist - er lehnte unter anderem den NS-Rassenwahn ab -, aber ein erbitterter Gegner des Parteiensystems. Er hielt das Volk für eine knetbare Masse und befürwortete aristokratische Machthaber.

    Spengler, der 1918 den ersten Teil seines viel beachteten Buches "Der Untergang des Abendlandes" veröffentlichte, schwelgte in antidemokratischen Tiraden. 100 Jahre später befasst sich der Philosoph Peter Strasser in Buchform kritisch mit "Spenglers Visionen", da manche von dessen Ideen anscheinend wieder an Popularität gewinnen. Strasser sieht bei Spengler Ressentiments gegen "fast alles, was nicht Goethe, Nietzsche oder Spengler hieß". Er charakterisiert Spenglers Denksystem als "fabulös", seine Theorie werde von einer "Scheinplausibilität" gekennzeichnet. Spenglers "Albtraum Abendland", gekennzeichnet von Raubtierethik, getragen von der Überzeugung, dass Pazifismus ein Ideal, der Krieg aber Tatsache sei, stellt Strasser die "Utopie Abendland" gegenüber: als "Brennpunkt der Menschlichkeit" aufgrund "der einzigartigen Verzahnung von Aufklärung, Humanismus und Christentum". Auf der Basis, das Abendland als "Hotspot der Humanität" von jenen abzugrenzen, die es heute nationalistisch zu schützen vorgeben, kommt Strasser zu dem Schluss, "dass Europa, als politischer, ethischer und spiritueller Ort, nur so lange wird bestehen können, als in ihm das Abendländische als Vision weiterwirkt".


    Sachbuch

    Spenglers Visionen.

    Peter Strasser

    Braumüller, 128 Seiten, 18 Euro




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-05-31 15:37:06
    Letzte Änderung am 2018-06-13 17:19:21


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