• vom 04.08.2018, 14:00 Uhr

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Update: 04.08.2018, 15:05 Uhr

Mediengeschichte

Dacapo für einen Tiefgang




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Die Drehbücher beruhen auf Buchheims Nachfolgeromanen "Die Festung" (1996) und "Der Abschied" (2001). Sie enthalten Familien- und Beziehungsepisoden an Land als zweiten Handlungsstrang. Die Landszenen drehte Prochaska im Frühjahr in Prag und München. Das Team repräsentiert eine neue Generation von Schauspielern, darunter Tom Wlaschiha ("Game of Thrones") und den 29-jährigen Rick Okon. Der aus Brandenburg stammende "Tatort-Kommissar" erhielt eine Kommandantenrolle. Das Spektrum der femininen Rollen decken Lizzy Caplan ("Masters of Sex") und die Luxemburgerin Vicky Krieps ("Phantom Thread") ab, auch wenn sie notgedrungen an Land bleiben müssen, um Geliebte, Gattinnen, aber auch Resistance-Kämpferinnen zu mimen.

Für die Innenaufnahmen der Neuproduktion standen mehrere Drehorte zur Verfügung, darunter ein historisches U-Boot im Dock von La Rochelle. In dem als Museum dienenden, siebenundsechzig Meter langen Original-U-Boot erfuhren Kameraleute und Schauspieler, welche bedrückend-klaustrophobische Atmosphäre in der sauerstoffarmen Innenwelt eines Atlantik-U-Bootes herrschte.

Räumliche Enge

Regisseur Andreas Prochaska gilt als Spezialist für die Inszenierung von Angst- und Beklemmungs-Erlebnissen, auch im "Wunder von Kärnten" drehte er die Innenszenen in einem einzigen Raum, was den psychischen Druck der Betroffenen unmittelbar spürbar machte. Aber in einem "eisernen Sarg" von 6,5 Meter Breite, der von hunderten Leitungen durchzogen und von Wassertanks umgeben ist und nur gebückt durchquert werden kann, hat die Enge noch eine ganz andere räumliche und psychische Dimension. Jede Anstrengung wird darin zur Qual, jedes ungute Gefühl erreicht sofort ein Maximum an Intensität, die Angst ist ein ständiger Begleiter, gleichgültig, ob das Boot in einen Sturm gerät und nach Wassereinbruch die Luken schließen muss, oder ob es mit einem Wasserbombenangriff von Zerstörern und Flugzeugen "beharkt" wird.

Lothar-Günther Buchheim, der auf U 96 unter dem Kommando von Heinrich Lehmann-Willenbrock, einem aus Bremen stammenden Kapitänleutnant, eine Unternehmung dokumentierte, schilderte die bangen Momente in dem Dokumentationsband "Der U-Bootkrieg" (zuletzt 2001). Die Matrosen leisteten beim Torpedoziehen Schwerarbeit, Wachen mussten an Deck im Turm und "Wintergarten" stundenlang gegen Sonne oder Sturm ankämpfen. Auch die Filmcrew unter Prochaskas Leitung hatte in der Enge der U-Boot-Röhre unter Sauerstoffmangel zu leiden.

Die U-Bootfahrer waren Meister des Understatements und der Euphemismen, höchst beunruhigende Vorgänge wurden in verharmlosend-tarnende Worte gekleidet. Der "Fächer", mit dem eine Angriffstechnik bezeichnet wurde, stammt aus der Galanterie- und Opernszene. Auch aus der Zoologie bezogen die Marinesoldaten Begriffe: Ein mit Pressluft oder elektrisch betriebener Torpedo galt als "Aal"; eine akustikgesteuerte Variante, welche sich im Zickzackkurs an eine Lärmquelle anheftete, hieß im Fachjargon "Zaunkönig".

Diese elektrisch angetriebenen Todesbringer konnten auch das eigene Boot vernichten, wenn die eigenen Geräusche den abgelassenen Torpedo wieder anzogen. Vermutlich wurde ein versehentlicher Selbstangriff dem berühmten U-Bootfahrer Günther Prien ("Mein Weg nach Scapa Flow") im März 1941 samt seiner Besatzung zum Verhängnis. Diese Version bestätigte der in britische Kriegsgefangenschaft geratene Kommandant Otto Kretschmer, der als erfolgreichster U-Bootfahrer galt und im Nachkriegsdeutschland wieder in Marinediensten stand.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-02 17:02:28
Letzte Änderung am 2018-08-04 15:05:10


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