• vom 04.08.2018, 13:00 Uhr

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Metoo-Debatte

Von der Angst in die Lust




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Von Judith Belfkih

  • "Die potente Frau": Svenja Flaßpöhlers konstruktiver Gegenentwurf zur #MeToo-Debatte für eine neue Weiblichkeit.

Der "Hashtag-Feminismus", so Philosophin Svenja Flaßpöhler, reproduziert patriarchale Weltbilder - statt sie aufzubrechen. - © abobestock.com/nito

Der "Hashtag-Feminismus", so Philosophin Svenja Flaßpöhler, reproduziert patriarchale Weltbilder - statt sie aufzubrechen. © abobestock.com/nito

"Rechtlich ist das Patriarchat passé. Die potente Frau hat es auch psychisch überwunden." Die potente Frau, so umreißt Svenja Flaßpöhler ihr Bild weiter, hat Gefallsucht und Scham abgestreift, sie existiert weder durch noch für den Mann. Sie ist nicht einfach Spiegel seiner Lust, sondern lebt ihr eigenes Begehren. Es liegt ihr nichts daran, den Spieß umzudrehen und selbst zu unterwerfen. Sie weiß, wohin das führt. Die potente Frau, sie ist für die deutsche Philosophin weder Realität noch ferne Utopie. Sie ist vielmehr eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit, die Frauen derzeit noch zu wenig ausschöpfen.

Svenja Flaßpöhler hat die #MeToo-Debatte mit einem gewissen Unbehagen verfolgt. Wie viele andere Frauen auch. Nicht aus fehlender Solidarität mit den Frauen, denen Unrecht und Gewalt angetan wird und wurde - im Gegenteil. Die Chefredakteurin des "Philosophie Magazins" hat dieses Unbehagen mit der aktuellen Diskursführung befragt, analysiert und in der Streitschrift "Die potente Frau" die Mechanismen aufgezeigt, die sich dahinter verstecken.


Flaßpöhlers zentrale Analyse lautet: Der zeitgenössische "Hashtag-Feminismus" - unter diesem Begriff fasst sie Bewegungen wie #aufschrei, #neinheißtnein oder #MeToo zusammen - "reproduziert ein patriarchales Welt- und Weiblichkeitsbild. Anstatt Frauen in die Potenz zu bringen, weist er sie als hilflos und, sexuell gesehen, als Negativität aus."

Hilfloses Nachtreten
Die Debatte hinkt vielfach, analysiert Flaßpöhler. Nicht nur werden patriarchale Denkmuster zementiert, da das männliche Begehren als allmächtig festgesetzt ist und das weibliche schlicht nicht existiert. Das Narrativ heißt weiterhin: Männer beherrschen Frauen.

Flaßpöhler stellt sich klar gegen Gewalt - gegen wen auch immer. Sie hält jedoch Aktionen wie MeToo nicht für geeignet, das Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu verbessern. Im Gegenteil. Durch die einseitige Kommunikation - eine Äußerung des Mannes ist ja gar nicht vorgesehen - vertiefen sich die Gräben des Misstrauens. Zudem komme in den jüngsten Debatten der Öffentlichkeit eine Richterfunktion zu, mit der diese nicht sorgsam umgehe: "Was im Gewande des Fortschritts daherkommt, ist in Wahrheit ein Rückschritt - und zwar buchstäblich ins Mittelalter." Die Unschuldsvermutung werde kurzerhand ausgehebelt, was zählt, ist allein die Anklage.

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Dokument erstellt am 2018-08-03 15:08:21


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