• vom 04.08.2018, 13:00 Uhr

Autoren


Metoo-Debatte

Von der Angst in die Lust




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (27)
  • Drucken
  • Leserbrief





Auch die Feigheit vieler Frauen, die in der Situation reagieren hätten können, kritisiert die Autorin: "Halte still und beklage dich hinterher - ist dieses hilflose Nachtreten wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung und Emanzipation, das wir unseren Töchtern mit auf den Weg geben wollen?" Zudem brandmarkt Flaßpöhler das im Rahmen der #MeToo-Debatte stilisierte Idealbild an: "Wer eine Welt ohne Belästigung will, will in letzter Konsequenz eine Welt ohne Verführung. Kein Mensch kann eine solche Welt wollen."

Auch die #neinheißtnein-Debatte untermauere Geschlechterklischees noch weiter: Der Mann begehrt aktiv, der Frau bleibt die passive, verneinende Rolle - sie lässt den Mann gewähren oder eben nicht. Dieser Feminismus komme einer Selbstentmündigung gleich: "Er erwartet alles vom Staat und nichts von den Frauen." Die hart erkämpfte Autonomie der Frau, so Flaßpöhler, sie könne nicht an das Recht delegiert werden: "Autonomie muss auch gelebt werden."

Kein Männer-Kastrieren
Auch der dekonstruktive Feminismus, der Geschlecht als soziale Kategorie mehr oder weniger abschaffen wollte, bringt für die Philosophin keine Lösungen mehr, stecke in einer Sackgasse, denn: "Eine emanzipierte Frau ist nicht notwendigerweise queer oder lesbisch." Den Ausweg aus diesen beiden nicht zielführenden Diskursen sieht Flaßpöhler im konstruktiven Weg, Weiblichkeit aufzuwerten - ohne dabei oder dafür Männlichkeit abwerten zu müssen: "Anstatt den Mann zu kastrieren, muss die Frau selbst in die Potenz finden." Das bedeute ein Ende des "seltsamen Festhaltens am Opferdiskurs". Männern gelinge es besser, Kraft aus ihrer Potenz, also aus ihren Möglichkeiten zu gewinnen. Die weiblichste aller Kräfte, die es dafür anzuzapfen gelte, sei "die Kraft der ,Natalität‘", also die Macht des Gebärens - als reine Potenz, egal ob eine Frau wirklich Kinder zur Welt bringt oder nicht.

Was Flaßpöhler mit ihrer Streitschrift in aller Kürze gelingt: Sie liefert eine schonungslose Analyse der aktuellen Geschlechterdebatte. Auch wenn sie ihre Vision von der potenten Frau nur skizziert, wird doch klar, wie sie aussehen kann: "Erst wenn sie sich dazu entscheidet, wach und willenstark in die Zukunft zu blicken, anstatt sich an die Opferzählung der Vergangenheit zu klammern, wird sie dem Mann ebenbürtig sein - und seine Angst in Lust verwandeln."

Sachbuch

Die potente Frau

Svenja Flaßpöhler

Ullstein, 48 Seiten, 8 Euro

zurück zu Seite 1




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-03 15:08:21


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Verschwundene Straßennamen
  2. "Ich bin doch nur ein Depp"
  3. Kartografie des Verschwundenen
Meistkommentiert
  1. Diktaturen verstehen keinen Spaß
  2. sand
  3. Die ganze Grausamkeit des Holocaust

Werbung





Werbung