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Update: 13.08.2018, 08:35 Uhr

Literatur

Die Stimme vom Hügel




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Von Martina Farmbauer

  • Geovani Martins ist ein Kind der Favelas von Rio de Janeiro - und das neue Phänomen der brasilianischen Literatur.

Geovani Martins wohnt in Vidigal, einer Favela Rios.

Geovani Martins wohnt in Vidigal, einer Favela Rios.© Farmbauer Geovani Martins wohnt in Vidigal, einer Favela Rios.© Farmbauer

Die Companhia das Letras, einer der größten brasilianischen Verlage mit Sitz in São Paulo, hat "O Sol na Cabeça" (dt. Die Sonne auf dem Kopf), eine Auswahl von 13 Erzählungen, herausgebracht. Noch ehe das Werk in Brasilien in die Buchhandlungen kam, waren die Rechte daran bereits an Verlage in neun Ländern weltweit verkauft, darunter auch an Suhrkamp (noch kein Veröffentlichungstermin).

Auch die Filmrechte sind schon vergeben. Und als Geovani Martins’ Buch schließlich erschien, rezensierten es die drei großen brasilianischen Zeitungen "Folha de S. Paulo", "Estado de S. Paulo" und "O Globo" noch am selben Tag - was nicht nur die Macht der Companhia zeigt, sondern auch die Bedeutung von Martins. Geovani Martins, 26, Bewohner des Vidigal, einer Favela in der Südzone Rio de Janeiros, ist das neue Phänomen der brasilianischen Literatur.


Für jemanden, dessen Leben in den zurückliegenden Monaten derart an Fahrt aufgenommen hat, legt Martins beim Gespräch in seinem Apartment im Vidigal eine geradezu unglaubliche Sicherheit an den Tag. Bei der "Festa Literaria Internacional de Paraty" (FLIP, Internationales Literaturfestival von Paraty) im Juli vergangenen Jahres hatte er den Schriftsteller Antonio Prata kennengelernt, der Martns’ mächtige Erzählungen wiederum der Companhia das Letras empfahl. "Die narrativen Fähigkeiten des Schriftstellers, der mit lebendigen Farben, Figuren und Stimmungen malt, ohne die Spannung und den Fokus auf die Handlung zu verlieren, haben meine Aufmerksamkeit geweckt", sagt Prata.

Neuer Blick auf Favelas
Geovani Martins spielt angesichts von so viel Begeisterung mit seinen langen Locken und schmunzelt. Von seinem Wohnzimmer aus sieht man das Ocker der Favela-Hügel und das Blau des Atlantischen Ozeans. Martins bietet in "O Sol na Cabeça" einerseits einen ungewohnten Blick auf dieses Universum, auf Gewalt und auf Drogen. "Was mich am meisten stört, ist so zu tun, als ob das nur in den Favelas existiert und so Schranken zu schaffen. Man weiß, dass Drogenhandel, Drogenkonsum und Mord an jedem Ort der Welt vorkommen." Auf der anderen Seite geht es in dem Buch auch um freundschaftliche und familiäre, also um zwischenmenschliche Beziehungen.

Die Mehrheit der Figuren stammen aber aus der Favela, die meisten Erzählungen sind in diesem Umfeld angesiedelt. "O Sol na Cabeça" ist ein Buch über das, was passieren kann, etwa wenn der Strand in Rio voll ist wie in der Geschichte "Rolezim" (dt. etwa: einmal um den Block), die den Band eröffnet, oder wenn ein Kind mit einer Waffe spielt wie in "Ruleta-russa". Und den Figuren ist bewusst, dass sie sich in diesen Situationen befinden. "Wenn man auf die Straße geht und weiß, dass man einen Schuss abbekommen kann, dann wird dieser Gang angespannt. Und dann wird das schon zu einer Geschichte, weil das unser Denken verändert, wir anders reagieren."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-09 16:38:28
Letzte Änderung am 2018-08-13 08:35:57


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