• vom 20.08.2018, 14:27 Uhr

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Sachbuch

Geschönte Sommer-Idylle




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Von Mathias Ziegler

  • Die Geschichte der Sommerfrische aus Kabarett-Sicht.



Wenn es heiß wird in der Stadt, fährt der gelernte Wiener raus aufs Land. Sommerfrische ist angesagt. Aber wozu in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch so nah? Sommerfrische gab es nämlich in deren Hochblüte im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert nicht nur außerhalb von Wien, sondern auch mitten in der Stadt, in einem Teil der Hofburg und im Prater, wie man in Iris Finks und Roland Knies Abhandlung zur kabarettistischen Überlandpartie erfährt. Die Leiterin des Österreichischen Kabarettarchivs und der Rundfunkjournalist befassen sich intensiv mit den rund zwei Jahrhunderten, in denen es nicht nur die höheren Schichten, sondern mit ihnen auch die Unterhaltungskünstler in die ländliche Idylle zog - wobei sehr viel Tünche im Spiel war, was die Präsentation ebendieser Idylle betraf.

Natürlich geht es im 360-Seiten-Werk, das etliche Texte aus Sommerfrische-Klassikern zitiert, auch nach Bad Ischl und ins "Weiße Rössl". Hier erklären Fink und Knie, dass das heutige "Weiße Rössl" am Wolfgangsee nicht die Vorlage für das gleichnamige Singspiel des Berliner Duos Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg war, sondern sie führen ihre Leser in ein anderes "Weißes Rössl" im Salzkammergut.


Auch die Geschichte der sommerlichen Attraktionen im Prater bis zur NS-Zeit (diese bedeutete auch in dieser Beziehung eine Zäsur) wird hier so wie die vieler anderer Sommerfrische-Örtlichkeiten in aller Ausführlichkeit ausgewalzt. Wem danach der Kopf schwirrt vor lauter Künstlernamen, der fährt am besten zur Erholung auf Sommerfrische.

Iris Fink & Roland Knie:
Überlandpartie! Kabarett auf Sommerfrische

Böhlau, 360 Seiten, 30 Euro




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Dokument erstellt am 2018-08-20 14:35:40


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