• vom 23.08.2018, 16:54 Uhr

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Update: 23.08.2018, 18:06 Uhr

Sachbuch

Die Eskalationsspirale beenden




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Von Mathias Ziegler

  • Fred Luks sucht Auswege aus dem "Ausnahmezustand", in dem er unsere Welt sieht.

Wie leben im dauerhaften Ausnahmezustand, meint Fred Luks, der sein neues Buch gleich so genannt hat. Der Volkswirt, der sich mit Zukunftsfragen beschäftigt, legt mit "Ausnahmezustand" sein bereits viertes "Weltrettungs-ABC" vor. Von A wie Anomalie bis Z wie Zukunftsbilder dekliniert er unsere Gegenwart durch. Auf den ersten 300 Seiten zeichnet er ein nicht eben ermunterndes Bild, dem er danach 30 Seiten hoffnungsvollen Ausblick gegenüberstellt. Dieses Verhältnis ist symbolisch: Wir haben mehr Probleme als Lösungen. Und wir fahren offenen Auges gegen die Wand, weil wir jene großen Veränderungen scheuen, die die Eskalationsspirale beenden könnten.

Beispiele für den Ausnahmezustand unserer Welt liefert er zuhauf: Fluchtwellen und Fremdenfeindlichkeit, Klimawandel, Plastik im Meer, Datenklau und disruptive Technologie, fragwürdige Gentechnik, Terror, Separatismus in Europa, um nur einige zu nennen. Vor allem aber ist, so Luks, für unsere Gesellschaft ständiges Wachstum ganz normal. Doch wenn alle immer mehr wollen, kann sich das nicht ausgehen.

Information

Fred Luks: Ausnahmezustand - Unsere Gegenwart von A bis Z, Metropolis, 28,80 Euro

"Wohlstand ohne Reichtum"

Der Volkswirt sucht deshalb Ansätze zur Eindämmung des Wachstums um jeden Preis - ohne schmerzhafte Verluste. "Wohlstand ohne Reichtum" ist eines von zahlreichen Schlagworten, die er bei diversen großen Denkern leiht. Und vielleicht, ja vielleicht, meint er, könnten wir uns auch ein bisschen was von den Steinzeitmenschen in Sachen Work-Life-Balance abschauen.

Es ist jedenfalls nicht ein einzelner, gerader Weg, der zum Ziel führt, betont Luks. Und er ist auch nicht immer einer Meinung mit diversen Globalisierungskritikern, Gemeinwohlökonomen und anderen Aktivisten, die in jüngster Zeit den Gegenpol zur "Nostalgiepolitik" darstellen, die der Autor ebenfalls zerlegt. Gleichzeitig versucht er Begriffen wie "Erwartungspolitik" oder "Symbolpolitik" jene Konnotation zu nehmen, die ihnen Populisten durch exzessiven Einsatz gegeben haben.

Luks erhebt bei seinen Thesen nicht den Anspruch, im Besitz der einzig wahren Lösung zu sein, wie wir unsere Welt doch noch retten können vor Klimakatastrophe, Existenzkriegen und Ausbeutung der Schwächeren. Aber seine Ansätze (viel mehr ist es nicht, was man im letzten Kapitel findet) haben zumindest Hand und Fuß und leuchten auch dem unbedarften Leser ein. Und dass sich unsere derzeitige Lebensweise so nicht ausgehen kann, ist so oder so unbestreitbar.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-23 17:02:42
Letzte Änderung am 2018-08-23 18:06:12


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